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Kommentar : Neustart der Formel 1

Die Formel 1: ein Verdrängungswettbewerb Bild: dpa

Der WM-Kampf ist entschieden. Aber das große Wettrennen nimmt erst Fahrt auf. Es geht um die Zukunft der Formel 1: ein Machtkampf mit dem Ziel, die Hackordnung zu verändern.

          Jetzt geht’s los! Das mag eine gewagte Behauptung sein mit Blick auf den Kampf in der Formel 1. Lewis Hamilton schießt doch seit Sonntag als neuer Champion um die Welt. Und in knapp vier Wochen ist die Saison mit Ende des Rennens in Abu Dhabi gelaufen. Aber das große Wettrennen nimmt jetzt erst richtig Fahrt auf. Dabei geht es um die Zukunft der Formel 1, um eine bessere, schnellere, attraktivere, billigere. Wer wollte diesem schönen Ziel nicht zustimmen? Allein über den Weg dorthin, das hat das jüngste Treffen aller beteiligten Gestalter am Dienstag bewiesen, besteht keine Einigkeit. Denn das Motorenkonzept, im Grunde eine leicht abgespeckte Version der gegenwärtigen Formel mit einem 1,6-Liter großen Turbomotor samt sechs Zylindern, stößt auf Widerstand. Mercedes beeilte sich, den Plan als Vorschlag der Fia und des Rechteinhabers darzustellen. Der von Fans gewünschten Renaissance des gewaltigen Formel-1-Sounds wird ein schöner Krach vorausgehen.

          Warum man schon drei Jahre vor der avisierten Umsetzung die Ohren spitzen sollte? Weil das Werben um das Wohl und Wehe der sogenannten Königsklasse nicht zu einem Kompromiss im allerbesten Sinne des Sports, sondern in einen veritablen, spannenden Machtkampf führen wird: mit dem Ziel, die Hackordnung zu verändern. Dass McLaren über die Komplexität des Antriebs meckert und Red Bull behauptet, das gegenwärtige System habe der Formel 1 „geschadet“, hängt unmittelbar mit der Wahrnehmung von Stärken und Schwächen zusammen. Beide bauen gute Chassis, beide haben stets vom Verstand ihrer Aerodynamiker gelebt – und beide sind vom Mercedes-Motor abgehängt worden. Auf der anderen Seite haben die Repräsentanten der Stuttgarter bei allem Respekt vor ihren Annäherungsvorschlägen nicht das geringste Interesse, ihren über Jahre aufgebauten Vorsprung aufzugeben. Sie jonglieren so virtuos mit Daten und Zahlen, dass der geneigte Zuschauer bei der Abwägung aller Argumente nur zu einem Urteil kommen kann: Das Problem ist unlösbar.

          Kurios, aber typisch ist in solchen Fällen die Anfälligkeit des Stärksten. Mercedes hat nicht nur zum vierten Mal alle Titel gewonnen. Der deutsch-britisch-österreichischen Fahrgemeinschaft ist es auch gelungen, die zum Saisonstart eingeführte letzte größere Regeländerung an der Spitze zu überstehen. So eine Dominanz bündelt die Kräfte – der Opposition. Die Fia und die Rechtebesitzer, die sich im Sinne der Kunden (Fans) nach Abwechslung sehnen, werden zusammen mit dem großen Teil der Verlierer versuchen, die Mercedes-Stellung zu untergraben. Indem etwa dort Hightech beschränkt wird, wo der Branchenführer voraus ist. Das ist nicht nur ein spannendes, sondern auch ein riskantes Spiel. In der Regel endet so eine Jagd mit dem Ausstieg des in die Enge Getriebenen. Manche Formel-1-Akteure glauben, die Rennserie könne sich einen verglühenden Stern leisten. Porsche will einsteigen. Große Manager hielten alle im Rennen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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