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Kommentar Der Große Preis

 ·  Gribkowskys Geständnis könnte der Startschuss zum nächsten Angriff auf Bernie Ecclestone sein. Darf man sich einen Mann, der, wie Gribkowsky behauptet, zu kriminellen Taten anstiftet und dabei mitwirkt, an der Spitze leisten?

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© dapd Was nun? Bernie Ecclestone vor dem Landgericht Müchen, im November 2011

Niemand hat Bernie Ecclestone bislang klein gekriegt. Nicht die Menschen und nicht mal die Natur. Bis zum Mittwoch stand der 81jährige Brite fröhlich wie unangefochten als Zentralinstanz im Mittelpunkt der Formel 1. Obwohl durchaus mächtige Männer, ja selbst Konzerngemeinschaften immer wieder versucht haben, den Alleinherrscher auszubremsen.

Die Verlierer dieses Spiels um Macht und Moneten haben ihre Messer, zuletzt in der Deckung, aber immer wieder gewetzt. Jetzt könnte ihr Moment gekommen sein. Denn der ehemalige Risiko-Chef der Bayerischen Landesbank, Gerhard Gribkowsky, hat vor dem Landgericht München gestanden, im Zusammenhang mit dem Verkauf von Vermarktungsrechten der Formel 1 bestochen worden zu sein - von Bernie Ecclestone.

50 Millionen Dollar hat er als Gegenleistung für den Deal mit einem von Ecclestone ins Spiel gebrachten Käufer haben wollen. Der Brite ließ ihn für einen sogenannten Beratervertrag 44 Millionen anweisen, viermal so viel, wie üblich. Dabei hat Ecclestone noch nie Berater in seinem Metier gebraucht, geschweige denn ernsthaft mitmachen lassen. Er gab den Mitspielern vielleicht das Gefühl, mittendrin zu sein. In Wahrheit aber ließ er jahrelang Vorstandsvorsitzende wie glückliche Zirkuspferde zweimal im Monat sonntags in seiner illustren Manege auftreten und kassierte über die Beteiligung der Unternehmen an den Rennen beim Fernsehen, den Sponsoren und Veranstaltern aberwitzige Eintrittsgelder. Ecclestone ist auf diesem Wege steinreich geworden.

Aber die Zahl seiner Freunde hat in den vergangenen Jahrzehnten nicht zugenommen. Seit elf Jahren versuchen Rennställe und Konzerne in verschiedenen Allianzen, seine Macht zu brechen und die Aufteilung der Einnahmen zu ihren Gunsten zu verschieben. Nur 50 Prozent erhalten die Hauptdarsteller bislang von den Gesamteinnahmen. Das reichte, als die Wirtschaft noch florierte.

Inzwischen sollen nur noch vier Teams keine finanziellen Sorgen mehr haben. Da beim Geld die Freundschaft aufhört, wird spätestens an diesem Donnerstag in Valencia, wo sich die Formel 1 zum Großen Preis von Europa trifft, Ecclestone wieder zur Diskussion stehen. Darf man sich einen Mann, der, wie Gribkowsky behauptet, zu kriminellen Taten anstiftet und dabei mitwirkt, an der Spitze leisten?

Das Thema wird Teil des nächsten Versuchs sein, ihn los zu werden. Aber zunächst nur in den Hinterzimmern. Für einen offenen Angriff erscheint Ecclestone den Gegenspielern immer noch zu groß.

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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