So ist er in Erinnerung geblieben: Die blonden Haare trägt er lang und zersaust, eine verspiegelte Sonnenbrille verdeckt seine Augen. Kimi Räikkönen, der coole Finne, ist zurück in der Formel 1, und sofort wird sein Name wieder genannt, wenn es um die Männer mit den größten Titelchancen geht. Räikkönen gilt als Geheimfavorit.
„Ich bin sehr beeindruckt von Kimi“, sagt Chefvermarkter Bernie Ecclestone. „Er ist die unbekannte Größe in dieser Saison.“
Zwei Jahre hat sich Räikkönen in der Rallye-WM auf Abwege begeben, zuletzt vertrieb er sich mit Truckrennen in der Nascar-Serie die Zeit - und doch kommt den Beobachtern schon wieder vieles bekannt vor. Bei den Testfahrten raste der Zweiunddreißigjährige schnell um die Strecke, doch als er aus dem Cockpit geklettert war, da schwieg er wie zumeist in seiner Karriere.
Das Drumherum am schnellsten Zirkus der Welt hat Räikkönen schon immer genervt. Und er wird das Spektakel auch jetzt eher ertragen als genießen: „Dadurch, dass ich zwei Jahre etwas anderes gemacht habe, ertrage ich den ganzen Mist um die Formel 1 herum wahrscheinlich besser.“
Mehr als zehn Millionen Euro soll Räikkönen angeblich von Lotus pro Jahr für seine Fahrkünste erhalten. Die Ambitionen sind groß, mittelfristig will das ehemalige Renault-Team wieder um die Weltmeisterschaft kämpfen. Und Räikkönen soll in diesem Spiel zur Königsfigur avancieren. Die Lotus-Ingenieure schwärmen von der präzisen Rückmeldung, die ihnen der neue Chefpilot über das Verhalten des Autos gibt. Auch die Fitnesswerte von Räikkönen seien beeindruckend.
Der Mann weiß, wie man große Pokale in die Höhe stemmt: 2007 gewann er mit Ferrari die WM. Manchmal verwechsle er nun zwar noch ein paar Knöpfe am Lenkrad, aber eigentlich habe sich nicht viel verändert, sagt er. Sein Selbstbewusstsein ist ungebrochen: „Ich habe die Zweikämpfe vermisst, und je länger ich von den Formel-1-Strecken weg war, desto stärker ist die Sehnsucht danach geworden.“
So viele Weltmeister wie nie
Seine Sehnsucht, denn der Welt wollte er noch nie etwas beweisen. Der Weltmeister achtet dennoch ganz genau darauf, was der Rückkehrer in seinem Windschatten macht: „Er könnte in diesem Jahr einer meiner großen Gegner werden“, sagt Sebastian Vettel.
Und was meint Räikkönen? „Ich glaube nicht, dass ich an Speed verloren habe.“ Zu einem Rekord hat er schon beigetragen. Erstmals gehen sechs Weltmeister an den Start - mehr waren es noch nie in der Geschichte der Formel 1.