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Im Porträt: Norbert Haug : Der unermüdliche Werbebotschafter der Formel 1

Gemeinsame Zukunft: Dieter Zetsche (l.) und Ross Brawn (r.) haben sich geeinigt - und Norbert Haug (m.) wird zum Lenker Bild: dpa

Als Mercedes-Sportchef regiert Norbert Haug mitunter polternd im Fahrerlager, wird verehrt wie gefürchtet. Trotzdem fühlte er sich nicht ausreichend wahrgenommen. Mit der Übernahme von Brawn hat er ein Konzept vorgelegt, das offenbar allen Ansprüchen genügt - und darf das Team nun selbst lenken.

          Norbert Haug hat es geschafft. Motorsportfreunde kennen den Pforzheimer hauptsächlich als das Gesicht der Deutschen Tourenwagen-Masters. Als Sportchef von Mercedes regiert er mitunter polternd im Fahrerlager, wird von Freunden und Feinden verehrt wie gefürchtet. Aber trotz dieser Position fühlte er sich nicht ausreichend wahrgenommen. Denn in der Formel 1 kam der frühere Journalist bislang nicht angemessen zum Zuge.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Zwar finanzierte sein Unternehmen den halben Rennstall McLaren, schickte Motoren aus der eigenen Fabrik in Brixworth, zahlte die Hälfte der Fahrergagen und einen Entwicklungszuschuss für das Auto. Aber an vielen Entscheidungen wurde Repräsentant Haug nicht beteiligt. Das war noch hinnehmbar, als sich die Erfolge aneinanderreihten. Doch die Rolle als loyaler, kompromissbereiter Goldesel passte nicht zu Haug, dem Macher. Er will Akzente setzen.

          Alle Höhen, kaum vorstellbare Tiefen

          Schon als Sportchef und später als stellvertretender Chefredakteur des Fachmagazins „Auto Motor und Sport“ nutzte er jede Chance, Automobil-Konzerne auszubremsen. So charterte er einst einen Hubschrauber und schwebte mit Fotograf über dem Hof eines Herstellers – dessen nächstes Modell wenig später in Haugs Magazin auftauchte.

          Haugs Wille, schwierige Dinge durchzusetzen, kennzeichnet auch die neuere Geschichte von Mercedes in der Formel 1. 1993 trug Haug zum Einstieg von Mercedes als Motorenlieferant beim Team Sauber bei. Die Schwäche von Peugeot nutzte er, um McLaren für eine „Partnerschaft“ von 1995 an zu gewinnen. Daraus wurde eine 14 Jahre dauernde Kooperation mit allen Höhen (drei Fahrer-Weltmeisterschaften), aber auch kaum vorstellbaren Tiefen.

          Jetzt darf Haug selbst lenken

          Gerade in Zeiten demütigender Niederlagen trat Norbert Haug als erster, unermüdlicher Werbebotschafter in der Öffentlichkeit auf, suchte - während seine Vorgesetzten wütend davonstapften –, in den Sektorenzeiten seiner Piloten plausible Indizien für die demnächst bevorstehende Rückkehr an die Spitze. Mehr als einmal sah er sich aus dem Rennen genommen und ersetzt durch Hintermänner, die es auf seine Position abgesehen hatten.

          Aber Haug, der schwere Mercedes-Limousinen mit zwei Fingern am Lenkrad durch jede Kurve driften lassen kann, wich den Schikanen aus. Jetzt hat er ein Konzept vorgelegt, dass offenbar allen Ansprüchen genügt – Mercedes gibt trotz des Kaufs von Brawn GP für die Formel 1 in Zukunft nicht nur weniger Geld aus als bisher. Haug darf, mit fast 57 Jahren, auch endlich selbst lenken.

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