Home
http://www.faz.net/-gu4-14b77
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Im Porträt: Norbert Haug Der unermüdliche Werbebotschafter der Formel 1

Als Mercedes-Sportchef regiert Norbert Haug mitunter polternd im Fahrerlager, wird verehrt wie gefürchtet. Trotzdem fühlte er sich nicht ausreichend wahrgenommen. Mit der Übernahme von Brawn hat er ein Konzept vorgelegt, das offenbar allen Ansprüchen genügt - und darf das Team nun selbst lenken.

© dpa Vergrößern Gemeinsame Zukunft: Dieter Zetsche (l.) und Ross Brawn (r.) haben sich geeinigt - und Norbert Haug (m.) wird zum Lenker

Norbert Haug hat es geschafft. Motorsportfreunde kennen den Pforzheimer hauptsächlich als das Gesicht der Deutschen Tourenwagen-Masters. Als Sportchef von Mercedes regiert er mitunter polternd im Fahrerlager, wird von Freunden und Feinden verehrt wie gefürchtet. Aber trotz dieser Position fühlte er sich nicht ausreichend wahrgenommen. Denn in der Formel 1 kam der frühere Journalist bislang nicht angemessen zum Zuge.

Anno Hecker Folgen:  

Zwar finanzierte sein Unternehmen den halben Rennstall McLaren, schickte Motoren aus der eigenen Fabrik in Brixworth, zahlte die Hälfte der Fahrergagen und einen Entwicklungszuschuss für das Auto. Aber an vielen Entscheidungen wurde Repräsentant Haug nicht beteiligt. Das war noch hinnehmbar, als sich die Erfolge aneinanderreihten. Doch die Rolle als loyaler, kompromissbereiter Goldesel passte nicht zu Haug, dem Macher. Er will Akzente setzen.

Mehr zum Thema

Alle Höhen, kaum vorstellbare Tiefen

Schon als Sportchef und später als stellvertretender Chefredakteur des Fachmagazins „Auto Motor und Sport“ nutzte er jede Chance, Automobil-Konzerne auszubremsen. So charterte er einst einen Hubschrauber und schwebte mit Fotograf über dem Hof eines Herstellers – dessen nächstes Modell wenig später in Haugs Magazin auftauchte.

Haugs Wille, schwierige Dinge durchzusetzen, kennzeichnet auch die neuere Geschichte von Mercedes in der Formel 1. 1993 trug Haug zum Einstieg von Mercedes als Motorenlieferant beim Team Sauber bei. Die Schwäche von Peugeot nutzte er, um McLaren für eine „Partnerschaft“ von 1995 an zu gewinnen. Daraus wurde eine 14 Jahre dauernde Kooperation mit allen Höhen (drei Fahrer-Weltmeisterschaften), aber auch kaum vorstellbaren Tiefen.

Jetzt darf Haug selbst lenken

Gerade in Zeiten demütigender Niederlagen trat Norbert Haug als erster, unermüdlicher Werbebotschafter in der Öffentlichkeit auf, suchte - während seine Vorgesetzten wütend davonstapften –, in den Sektorenzeiten seiner Piloten plausible Indizien für die demnächst bevorstehende Rückkehr an die Spitze. Mehr als einmal sah er sich aus dem Rennen genommen und ersetzt durch Hintermänner, die es auf seine Position abgesehen hatten.

Aber Haug, der schwere Mercedes-Limousinen mit zwei Fingern am Lenkrad durch jede Kurve driften lassen kann, wich den Schikanen aus. Jetzt hat er ein Konzept vorgelegt, dass offenbar allen Ansprüchen genügt – Mercedes gibt trotz des Kaufs von Brawn GP für die Formel 1 in Zukunft nicht nur weniger Geld aus als bisher. Haug darf, mit fast 57 Jahren, auch endlich selbst lenken.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Rückkehr zu McLaren Alonso beendet seinen Poker

Paukenschlag in der Formel 1: Fernando Alonso unterschreibt bei McLaren und fährt damit wieder für jenes Team, das er 2007 noch an den Rand des Ruins getrieben hat. Motorenpartner Honda hat sich wohl gegen Alonsos Intimfeind Ron Dennis durchgesetzt. Mehr Von Michael Wittershagen

11.12.2014, 13:47 Uhr | Sport
Studieren in Jena Zehn Minuten zur Uni sind zu weit

Dirk Hertrampf studiert im Master in Jena, engagiert sich im Studentenparlament und der Studierendenzeitung Akrützel. Im Video sagt er, was ihm an Jena gefällt. Mehr

07.11.2014, 15:37 Uhr | Wirtschaft
Mercedes-Manager rückt auf Daimler holt Ola Källenius in den Vorstand

Der Schwede wird schon gehandelt als möglicher Nachfolger von Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche. Im neuen Jahr zieht er in den Konzernvorstand ein. Mehr Von Susanne Preuß

11.12.2014, 13:10 Uhr | Wirtschaft
Mercedes AMG GT Die Tiefstapler vom anderen Stern

Mercedes klebt seinen neuen Sportwagen an die Straße und AMG drauf. Das hat Folgen. Mehr

26.11.2014, 09:33 Uhr | Technik-Motor
Segeln Newey wechselt zum America’s Cup

Design-Guru Adrian Newey wechselt das Element: Der Weltmeister-Macher von Red Bull aus der Formel 1 soll nun das Segel-Team des Briten Ben Ainslie beim America’s Cup auf Kurs bringen. Mehr Von Michael Ashelm, Sydney

10.12.2014, 14:04 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 16.11.2009, 17:39 Uhr

Nichts gegen Betrug

Von Christoph Becker

Die Doping-Enthüllungen zeichnen ein düsteres Bild des russischen Spitzensports – und des globalen Anti-Doping-Kampfes. Solange die Strippenzieher im Hintergrund wirken, wird sich daran nichts ändern. Mehr 7 5