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Großer Preis von Malaysia Der Alte ist wieder da

 ·  Nur um 23 Tausendstelsekunden hat Michael Schumacher bei der Qualifikation zum Großen Preis von Malaysia die erste Startreihe verpasst. Vor ihm starten Hamilton und Button in den beiden McLaren, direkt hinter ihm folgen die Red-Bull-Piloten Webber und Vettel.

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© dpa Fast wie in alten Tagen: Kinn vor, Daumen hoch - Michael Schumacher

Das kennt man aus alten Zeiten. Michael Schumacher streift den Helm ab, zwinkert mit den Augen in die Kamera, schaut sich den McLaren im Vorbeigehen an. Er hat das schon gefühlte tausend Mal gemacht. Was soll daran besonders sein? Kurz zuvor aber kam Journalisten der Auftritt des Rekordweltmeisters beim Qualifikationstraining zum Großen Preis von Malaysia am Samstag wie eine erstaunliche Neuerscheinung vor: Als Schumacher in den letzten Minuten auf Rang zwei hinter Lewis Hamilton im McLaren vorfuhr, raunten die Berichterstatter aus aller Herren Länder: Der Alte ist wieder da.

Schumacher nahm es gerne an. Im letzten Moment noch auf Rang drei verdrängt von Jenson Button im McLaren um die Winzigkeit von 0,023 Sekunden, sah er seine beste Startposition seit 2006 in Japan wie eine verspätete Rückkehr: „Das ist ein schöner Return, der ja ein bisschen auf sich hat warten lassen. In den vergangenen zwei Jahren wäre ich gerne öfter hier (unter den ersten drei) gewesen. Aber wichtiger ist es, auch nach dem Rennen in dieser Position zu sein. Mercedes hat einen immensen Aufwand betrieben, mir so ein Auto zur Verfügung zu stellen. Ich hoffe, ich kann das mit einem guten Ergebnis zurückzahlen.“

Als Schumacher so sprach, wirkte Jenson Button an seiner Seite ein bisschen unruhig. Spürt da jemand eine Bedrohung von dem Methusalem unter den Formel-1-Piloten? „Das Auto ist schnell und er ist ein guter Starter, das wissen wir ja“, sagte der Sieger von Melbourne, bevor er ganz ruhig wurde: „Wir sind uns sehr sicher im Moment.“ Hamilton wie Button ließen sogar durchblicken, dass ihnen ein Mercedes im Nacken lieber ist als der Weltmeister Sebastian Vettel im Red Bull.

Denn beim Dauerlauf wird entscheidend sein, wer bei einem Spitzentempo die Reifen am meisten schont. Schumachers Teamkollege Nico Rosberg, am Samstag Achter mit 0,3 Sekunden Rückstand hinter dem Rheinländer, hatte beim Saisonauftakt in Melbourne schwer zu kämpfen, letztlich keine Chance, den Top-Teams nahe zu kommen. Vettel aber fuhr, sieht man von der ersten Runde in Australien ab, in etwa die Rundenzeiten des Siegers. Er hätte also weiter nach vorne kommen müssen beim Startplatzrennen in Melbourne. Doch auch diesmal landete der Champion wieder nur auf Rang sechs, noch hinter seinem Teamkollegen Mark Webber (4.) und Kimi Räikkönen im Lotus, der wegen eines Getriebewechsels aber um fünf Startplätze nach hinter gesetzt wird.

Nur nicht ansprechen

Vettels Mienenspiel sprach trotz der Beförderung auf Rang fünf Bände: Nur nicht ansprechen. Hoffnung schöpft der Red-Bull-Pilot aber aus dem jüngsten Trend der Formel 1. Hinter McLaren ist eine enorme Leistungsdichte entstanden, die bei kleinen Verbesserungen große Sprünge für die Hintermänner verspricht. Zudem wählte Vettel eine andere Strategie. Er beginnt den Grand Prix auf harten statt wie die Vordermänner auf den weicheren Reifen. Mit ihnen braucht man für eine Runde zwar ein paar Zehntelsekunden pro Runde mehr. Aber sie halten länger. Das könnte sich auszahlen. Martin Whitmarsh, Teamchef von McLaren, wagte die Prognose: „Sebastian auf den harten Reifen, das wird interessant. Im Rennen sind die härteren unter Umständen schneller als die weicheren.“

Das aerodynamische und wohl auch mechanische Problem bei Ferrari ist nach wie vor nicht gelöst. Zwar gelang es Fernando Alonos Position neun (+1,3 Sekunden) zu erreichen. Aber sein Teamkollege Felipe Massa schaffte es wieder nicht unter die besten Zehn (12.). Er blieb im zweiten Abschnitt eine Sekunde über der Bestzeit. Dabei hatte Ferrari ein neues Chassis eingesetzt und neue Ersatzteile montieren lassen. „Wir wollen ausschließen, dass in Australien irgendetwas am Auto nicht in Ordnung war“, hatte Teamchef Stefano Domenicali berichtet. Der Druck auf den Brasilianer wächst also. Am Auto lag es am Samstag offenbar nicht.

0,013 Sekunden über 5,543 Kilometer

Das aber darf Nico Hülkenberg behaupten. Der Rheinländer (16.) wurde zwar diesmal von seinem Teamkollegen Paul di Resta (14.) geschlagen. Der Unterschied aber war kaum sichtbar, 0,013 Sekunden über 5,543 Kilometer. Ein Trost war das nicht. Von seinem Force India hatte sich Hülkenberg mehr versprochen.

Wie erwartet landete dagegen der Hesse Timo Glock in seinem Marussia auf dem 20. Rang, vor seinem Teamkollegen Charles-Pic und den HRT-Besatzungen: „Ich bin zufrieden, mehr war nicht drin. Jetzt müssen wir zusehen, dass wir im Rennen ins Ziel kommen.“ Für die beiden HRT-Piloten hat nun auch die Saison begonnen. Vor einer Woche noch erfüllten Pedro de la Rosa (23.) und Narain Karthikeyan (24.) nicht die Qualifikations-Anforderungen. Sie waren in Melbourne schlicht viel zu langsam. Am Samstag blieben sie innerhalb der 107-Prozent-Regel, Karthikeyan um 0,3 Sekunden unter der geforderten Zeit: Wer im ersten Qualifikationsdurchgang sieben Prozent der Zeit des Schnellsten mehr für einen Umlauf braucht, muss in der Regel am Sonntag beim Rennen zuschauen.

Ecclestone will alle auftreten lassen

Formel-1-Chefmanager Bernie Ecclestone wird das mit Freude gesehen haben. Er will sie alle in seinem Zirkus auftreten lassen. Für die Zukunft ist der 81jährige Brite trotz der wirtschaftlichen Probleme der meisten Teams schon wieder zuversichtlich. Ecclestone gab am Samstag auf seiner Internetseite bekannt, dass er mit den wichtigsten Teams eine Verlängerung des Concorde-Agreement, sozusagen die Formel-1-Verfassung, erreicht habe. Demnach haben Ferrari, Red Bull und McLaren unterschrieben. Auch Sauber, so ist zu hören, ist einverstanden. Mercedes wollte sich nicht äußern.

Das alte Concorde-Agreement läuft am Ende des Jahres aus. Mit den besten Teams an Bord hat Ecclestone die anderen mehr oder weniger in Zugzwang versetzt. Sie werden wohl folgen, aber kaum Sonderkonditionen aushandeln können, wie sie Ferrari nachgesagt werden. Für Ecclestones Auftraggeber, das Unternehmen CVC, ist die Nachricht sehr wichtig. Nur mit vertraglich gebundenen Teams kann der Besitzer der Formel-1-Vermarktungsrechte sein einträgliches Geschäft fortsetzen. Zurzeit denkt man an einen Börsengang.

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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