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Veröffentlicht: 11.06.2017, 21:43 Uhr

Formel 1 in Kanada Hamilton auf Wolke sieben zum Sieg

Lewis Hamilton zieht erst mit Ayrton Senna gleich und gewinnt dann den Großen Preis von Kanada. Nun ist er wieder mitten im WM-Kampf – weil für Sebastian Vettel zunächst viel schiefläuft.

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© dpa Auf einmal ist alles ganz leicht für Sieger Lewis Hamilton.

Er ist zurück im Kampf um die WM in der Formel 1 – und jeder sollte es sehen und wissen. Mit der britischen Flagge in der Hand drehte Lewis Hamilton seine Ehrenrunde und schickte via Funk Lob an das Team. „Das war eine großartige Leistung, vielen Dank.“ Der Zweiunddreißigjährige gewann am Sonntag souverän den Großen Preis von Kanada in Montreal und verkürzte seinen Rückstand auf Sebastian Vettel (Ferrari) in der Gesamtwertung damit auf 129:141 Punkte. Hamilton siegte vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas und Daniel Ricciardo (Red Bull). Ferrari-Pilot Vettel, der WM-Spitzenreiter, wurde lediglich Vierter. „Ich bin wirklich auf Wolke sieben“, sagte der Brite. „Hamilton war überragend. Das war in der Meisterschaft ein wichtiger Schritt“, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Michael Wittershagen Folgen:

Schon am Samstag hatte sich Hamilton souverän Startplatz eins gesichert – mit mehr als drei Zehntelsekunden Vorsprung vor Vettel. Es war die 65. Pole Position seiner Karriere, der Brite hat in dieser Wertung damit gleichgezogen mit Ayrton Senna. Danach bekam er einen Helm seines großen Idols geschenkt und reagierte sichtbar gerührt. „Ich fühle mich sehr geehrt, das war sehr emotional“, sagte Hamilton. Er behauptete seine Position an der Spitze auch nach dem Rennstart am Sonntag.

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Vettel allerdings sah sich sofort kompromissloser Angriffe ausgesetzt. Links griff ihn Bottas an, rechts Max Verstappen (Red Bull). Beim Finnen qualmten sogar die Reifen beim Anbremsen zur ersten Kurve, Vettel steckte zwar zurück, verlor beim Dreikampf dennoch einen Teil seines Frontflügels. Und er fiel zurück. Als in Kurve sechs Carlos Sainz (Toro Rosso) mit Felipe Massa (Williams) kollidierte und das Safety Car auf die Strecke geschickt werden musste, lag der Deutsche nur noch an Position vier.

In der siebten Runde reagierte der Kommandostand von Ferrari, rief Vettel an die Box, um Frontflügel und Reifen zu wechseln. Der Deutsche fiel dadurch ans Ende des Feldes zurück, während Hamilton vorne einsam seine Runden zog. Nur beim Neustart in der vierten Runde hatte er sich einer Attacke von Verstappen erwehren müssen. Der Niederländer konnte sich danach seinerseits von Bottas absetzen – bis er von technischen Problemen an seinem Boliden gestoppt wurde (12. Runde). Kopfschütteln am Kommandostand von Red Bull.

46929687 Sebastian Vettel erlebt einen turbulenten Grand Prix. © Reuters Bilderstrecke 

Vettel gewann auf diese Weise eine Position. Ansonsten wurde er in viele Mittelfeld-Duelle verwickelt, die ihn Zeit kosteten. Nach 20 Runden war er immerhin schon wieder Zehnter, nach 24 Runden Achter. Sein Rückstand auf Hamilton betrug da allerdings schon rund vierzig Sekunden. Der Brite fuhr weiter auf der weichsten Gummimischung, die schon beim Start an seinem Auto montiert war. Dabei war auch Teamkollege Bottas längst auf die härteste Reifenmischung gewechselt und zwischenzeitlich auf Platz drei hinter Esteban Ocon (Force India) zurückgefallen, der genauso lange wie Hamilton bis zu seinem ersten Stopp wartete (34. Runde).

Hamilton und Bottas waren in der zweiten Rennhälfte als Solisten unterwegs, während sich der Kampf um den dritten Platz auf dem Podium von Runde zu Runde zuspitzte. Ricciardo war auf der härtesten Reifenmischung unterwegs, hinter ihm machten die beiden Force-India-Fahrer Sergio Perez und Ocon Druck. Der Mexikaner fand jedoch keinen Weg vorbei an Ricciardo, sein Kommandostand wies ihn deshalb an, den Teamkollegen vorbei zu lassen, um ihm eine Chance auf den Angriff zu geben. Perez allerdings ignorierte dies, flehte am Funk förmlich um noch ein bisschen Zeit – und führte sich und Ocon ins Verderben.

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Denn Ferrari hatte inzwischen bei den Boliden von Vettel und Räikkönen wieder auf die weichste Mischung gewechselt und zur Attacke geblasen. „Acht Runden vor Ende sind wir dran und können wieder mit ihnen kämpfen“, bekam Vettel von seinem Renningenieur auf die Ohren: „Du bist der schnellste Mann auf der Strecke. Mach weiter so“! Mehr als eine Sekunde waren die beiden Ferrari schneller pro Runde, ehe bei Räikkönen die Motoreinstellung verrückt spielte, er sich verbremste und am Ende lediglich Siebter wurde. Vettel aber schnappte sich erst Ocon (67. Runde), und danach auch noch Perez (69.). „Ich wollte vorbei und musste vorbei und habe es am Ende erzwungen“, sagte Vettel. Dafür zollte ihm selbst die Konkurrenz Respekt: „Der Sebastian war eine Sensation.“

Trotz des Erfolgs von Kanada bleiben die Verantwortlichen von Mercedes skeptisch. In der Konstrukteurswertung ist das Team zwar wieder an Ferrari vorbei gezogen, der Titelkampf aber bereitet ihnen noch immer Sorgen, weil sie die Set-up-Probleme am Silberpfeil noch immer nicht vollständig verstanden haben. „Ich bin immer noch skeptisch, Monaco war ein Ausreißer nach unten, den wir gut begriffen haben, es gibt aber noch ein paar Punkte, die wir begreifen müssen. Im Qualifying hat uns hier der Lewis-Hamilton-Faktor rausgerissen, aber im Rennen hatten wir das schnellste Auto“, sagte Wolff. Im Fürstentum waren Bottas und Hamilton lediglich Vierter und Siebter geworden, weil die Reifen nicht so funktioniert hatten, wie es sich die Ingenieure gewünscht hatten. In Montreal taten sie es. In zwei Wochen folgt nun mit dem Rennen in Baku der dritte Stadtkurs in Serie. Was das für das Kräfteverhältnis zwischen Mercedes und Ferrari bedeutet, wollte niemand vorhersagen. „Es bleibt ein enges Duell“, sagte Wolff.

Grand Prix von Kanada (70 Runden à 4,361 km/305,270 km) in Montreal

1. Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes 1:33:05,154 Std.;
2. Valtteri Bottas (Finnland) - Mercedes +19,783 Sek.;
3. Daniel Ricciardo (Australien) - Red Bull +35,297;
4. Sebastian Vettel (Heppenheim) - Ferrari +35,907;
5. Sergio Perez (Mexiko) - Force India +40,476;
6. Esteban Ocon (Frankreich) - Force India +40,716;
7. Kimi Räikkönen (Finnland) - Ferrari +58,632;
8. Nico Hülkenberg (Emmerich) - Renault +1:00,374 Min.;
9. Lance Stroll (Kanada) - Williams + 1 Rd.;
10. Romain Grosjean (Frankreich) - Haas + 1 Rd.;
11. Jolyon Palmer (Großbritannien) - Renault + 1 Rd.;
12. Kevin Magnussen (Dänemark) - Haas + 1 Rd.;
13. Marcus Ericsson (Schweden) - Sauber + 1 Rd.;
14. Stoffel Vandoorne (Belgien) - McLaren + 1 Rd.;
15. Pascal Wehrlein (Worndorf) - Sauber + 2 Rd.;
16. Fernando Alonso (Spanien) - McLaren + 4 Rd.

Ausfälle: Carlos Sainz Jr. (Spanien) - Toro Rosso (1. Rd.); Felipe Massa (Brasilien) - Williams (1. Rd.); Max Verstappen (Niederlande) - Red Bull (11. Rd.); Daniil Kwjat (Russland) - Toro Rosso (55. Rd.)

Pole Position: Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes 1:11,459 Min.
Schnellste Rennrunde: Lewis Hamilton - Mercedes 1:14,551 Min.

Fahrer-Wertung, Stand nach 7 von 20 Wettbewerben:

1. Sebastian Vettel (Heppenheim) - Ferrari 141 Pkt.;
2. Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes 129;
3. Valtteri Bottas (Finnland) - Mercedes 93;
4. Kimi Räikkönen (Finnland) - Ferrari 73;
5. Daniel Ricciardo (Australien) - Red Bull 67;
6. Max Verstappen (Niederlande) - Red Bull 45;
7. Sergio Perez (Mexiko) - Force India 44;
8. Esteban Ocon (Frankreich) - Force India 27;
9. Carlos Sainz Jr. (Spanien) - Toro Rosso 25;
10. Felipe Massa (Brasilien) - Williams 20;
11. Nico Hülkenberg (Emmerich) - Renault 18;
12. Romain Grosjean (Frankreich) - Haas 10;
13. Kevin Magnussen (Dänemark) - Haas 5;
14. Pascal Wehrlein (Worndorf) - Sauber 4;
15. Daniil Kwjat (Russland) - Toro Rosso 4;
16. Lance Stroll (Kanada) - Williams 2

Konstrukteurs-Wertung, Stand nach 7 von 20 Wettbewerben:

1. Mercedes 222 Pkt.;
2. Ferrari 214;
3. Red Bull 112;
4. Force India 71;
5. Toro Rosso 29;
6. Williams 22;
7. Renault 18;
8. Haas 15;
9. Sauber 4

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