http://www.faz.net/-gtl-74lzm

Geschlagener Herausforderer : Ein Siegerauto für Alonso

  • Aktualisiert am

Zweiter Platz in São Paulo, zweiter Platz in der WM: Alonso bleibt im dritten Jahr bei Ferrari ohne Titel Bild: REUTERS

Alonso und Ferrari verpassen auch im dritten gemeinsamen Jahr den Formel-1-Titel. Die Scuderia-Bosse nehmen die Schuld auf sich und wollen 2013 alles besser machen. Für den Spanier ist das ein schwacher Trost.

          In den dunklen Stunden der Niederlage blieb Fernando Alonso schon wieder nur die Hoffnung aufs nächste Jahr. Die Lobeshymnen für eine furiose Formel-1-Saison und die Entschuldigung von Ferrari für ein zu langsames Auto trösteten den Spanier kaum über den zum dritten Mal im Finale verpassten Titel hinweg. „Wenn man kein Gold hat, gewinnt Silber an Wert“, philosophierte Alonso nach dem Drama von São Paulo via Twitter. Mit müdem Blick und belegter Stimme versicherte er immer wieder tapfer: „Ich bin stolz und glücklich. Es war eine Traumsaison.“

          Und doch nagte das wiederholte Scheitern sichtlich am Asturier. Nach 2007 und 2010 musste Alonso nach dem Finale wieder einem anderen zum WM-Triumph gratulieren. Drei Punkte fehlten diesmal auf Sebastian Vettel. Nach dem Rennen zwang sich Alonso zu einer fairen Umarmung für den Deutschen, eine Spitze aber konnte er sich nicht verkneifen. „Wir haben vielleicht nicht die meisten Punkte geholt, aber dafür jedermanns Respekt gewonnen. Und Fans und Kollegen sind sich einig, wer dieses Jahr der Beste war“, sagte Alonso.

          Die Tifosi feiern ihren Helden

          In der Tat feierten Tifosi und Landsleute ihren Helden Alonso und richteten ihren Zorn auf Ferrari. „Fernando hat sich nichts vorzuwerfen. Nicht er, vielmehr Ferrari hat die WM verloren, weil es Alonso nach Monza kein Siegerauto mehr stellen konnte“, schrieb die „Gazzetta dello Sport“. Das Sportblatt „As“ stellte fest: „Wir Spanier können auf Fernando Alonso stolz sein.“ Und der italienische „Tuttosport“ forderte: „Gebt ihm endlich ein ordentliches Auto!“

          Zerknirscht bekannte sich die Ferrari-Teamführung zu ihrer Schuld und bat Alonso um Verzeihung. „Wir können den Fakt nicht ignorieren, dass wir nicht in der Lage waren, ihm ein schnelleres Auto zu geben. Das ist uns teuer zu stehen gekommen“, sagte Teamchef Stefano Domenicali. Zum Verhängnis seien dem Doppelchampion letztlich die zwei unverschuldeten Unfälle in Spa und Suzuka geworden.

          Formel-1-Weltmeister von 1990 bis 2012
Bilderstrecke
          Formel-1-Weltmeister von 1990 bis 2012 :

          Davor hatte der 31 Jahre Spanier mit phänomenalen Steuerkünsten die WM-Führung erobert und Widersacher Vettel sogar 44 Punkte hinter sich gelassen. Im Herbst aber reichte selbst Alonsos Magie nicht mehr, um die Schwäche seines F2012 zu kaschieren und Vettels Ansturm abzuwehren. Und so blieb die einst als Traumehe mit Erfolgsgarantie bejubelte Partnerschaft Alonso plus Ferrari auch im dritten gemeinsamen Jahr ohne Titel. „Dieses Talent sollte man nicht vergeuden“, zürnte der „Corriere dello Sport“.

          „Wir stehen in der Schuld unserer Fahrer“

          Teamchef Domenicali weiß längst, was die Stunde geschlagen hat. Nach der Pleite im Finale 2010 in Abu Dhabi rollten Köpfe. „Wir stehen in der Schuld unserer Fahrer, und diese Schuld wollen wir so schnell wie möglich tilgen“, sagte der Italiener.

          Ferrari-Chef Luca di Montezemolo will ein weiteres Scheitern im kommenden Jahr nicht dulden. „Wir müssen uns sofort auf die nächste Saison konzentrieren. Wir müssen vom Start weg ein Auto haben, das im höchsten Maß konkurrenzfähig ist“, forderte Montezemolo. Das ist ganz im Sinne von Alonso. Und doch warnte der Routinier sein Team vor Übereifer: „Ungeduld verhindert, dass die Dinge ihren Zauber entfalten.“ Lange aber können weder Alonso noch Ferrari auf den nächsten Titelzauber warten.

          Quelle: FAZ.NET mit Material der dpa

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wahlkampfabschluss der AfD : Revolte von rechts

          Am Abend vor der Wahl trifft sich der Landesverband der AfD Sachsen zur Kundgebung in Görlitz. Ohne Frauke Petry. Die hatte zuvor abgesagt – wegen „innerparteilichen Querelen“. Dafür tritt einer ihrer Feinde auf.
          Versuchen fast alles, um Merkel zu stürzen: Die AfD-Spitzenkandidaten Weidel und Gauland.

          Neue Internetseite der AfD : Teuflisch genial

          Im Online-Wahlkampf holte sich die AfD Unterstützung von einer Werbeagentur, die bereits für Donald Trump arbeitete. Jetzt hat die Partei eine neue Website veröffentlicht – und startet damit eine Schmutzkampagne gegen die Kanzlerin.

          SPD-Wahlkampffinale in Aachen : Er rettet, was zu retten ist

          Nach Monaten der Euphorie glaubt fast niemand mehr an einen Wahlsieg der SPD. Trotzdem bringt Martin Schulz bei seinem letzten großen Wahlkampfauftritt seine Kampagne in Würde zu Ende – „egal, was morgen rauskommt“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.