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Formel 1 : Webbers Kampfansage

Teamkollegen und Rivalen: Die Red-Bull-Piloten Sebastian Vettel (l.) und Mark Webber haben sich nicht immer viel zu sagen Bild: Getty Images

In der vergangenen Formel-1-Saison war der Australier immer der Geschlagene - abgehängt von Weltmeister Vettel. Jetzt ist Mark Webber drauf und dran, die Nummer eins bei Red Bull zu werden. Die Vertragsverlängerung zeigt: Der alte Mann will mehr.

          Fernando Alonso ist eine Sorge los. Der Führende in der Formel-1-Weltmeisterschaft, Ferraris Frontmann, hatte schon Einkaufspläne für die Weihnachtszeit: „Wenn er kommt, brauche ich Schuhe mit dickeren Sohlen, sonst sehe ich klein aus.“ Er kommt aber nicht. Mark Webber wird nicht die Nummer zwei bei Ferrari. Er ist drauf und dran, die Nummer eins bei Red Bull zu werden. Schlechte Nachrichten für einen, der auf dieser Position nach den vergangenen beiden Jahren einen Stammplatz hatte: Weltmeister Sebastian Vettel.

          Zwei Tage nach seinem beeindruckenden Sieg in Silverstone gaben Webber und Red Bull die Verlängerung ihrer Zusammenarbeit bis 2013 bekannt. Webber hatte zuvor über ein Engagement beim berühmtesten Team im Motorsport verhandelt, der Scuderia Ferrari. Ein Cockpit bei den Italienern ist ein meist ganz und gar nicht geheimer Traum fast jedes Piloten. Doch Webber bleibt bei Red Bull, dem besten Team der Formel 1, verdient im kommenden Jahr angeblich sechs Millionen Pfund (7,5 Millionen Euro). Wie man es dreht und wendet: Seine Vertragsverlängerung ist eine Kampfansage an Vettel. Ende August feiert Webber seinen 36. Geburtstag, der Australier ist der zweitälteste Pilot nach Michael Schumacher. In seiner Karriere gibt es nur noch ein Ziel: den WM-Titel. Den Titel, den er 2010 so knapp verpasste, mit Fehlern und mutlosen Rennen vergab, den Titel, den er Vettel schenkte. So musste er es damals sehen, es war Webbers Titel, und Vettel schnappte ihn weg, wie ein junges, hungriges Krokodil.

          Wie eine langsame Antilope

          “Ich werde mich nicht ins Schwert stürzen“, hatte er damals, am Tag von Vettels Triumph in Abu Dhabi gesagt. „Vieles wird in den kommenden Tagen aufkommen.“ Es kam. Und es blieb, eine ganze, lange Saison. Im Jahr 2011 war Vettel in 19 Qualifyings 16 Mal besser als Webber. In 19 Rennen schlug der Deutsche seinen Teamkollegen 16 Mal. Vettel war nun das einzige Krokodil an einem Wasserloch voller Antilopen - und Webber war bei weitem nicht die schnellste. Der Deutsche ließ seine Beute nicht mehr los.

          So war es in der vergangenen Formel-1-Saison, und das macht Webbers Comeback in dieser umso bemerkenswerter. Alonso führt zwar in der Gesamtwertung, aber Webber, nicht Vettel, ist Zweiter. Qualifikations-Duelle: 5:4, Rennergebnisse: 5:4 für Webber. 16 Punkte Vorsprung hat Webber vor Vettel, natürlich ist das bei elf noch ausstehenden Rennen längst keine Vorentscheidung. Und doch: Webber hat das Krokodil gezähmt. Bei Ferrari, Alonsos Ferrari, wäre der Australier Ersatz für Felipe Massa gewesen, den Mann, der die Rolle des Wasserträgers für den Paradepiloten verkörpert wie kein anderer. Webber wird sich im Klaren darüber gewesen sein, dass es eines Erdbebens bedurft hätte, um Alonso aus seiner Position zu verdrängen. Die Schuh-Bemerkung des Spaniers, hart am Rande der Arroganz, beweist das.

          Respekt statt Gift

          Bei Red Bull traut sich Webber zu, die Rollen zu verkehren und selbst noch einmal zuzuschnappen - mindestens. „Ich weiß, dass ich dem Ende meiner Karriere näher bin als dem Anfang. Ich versuche, aus meiner Situation alles herauszuholen. Ich bin ein entscheidendes bisschen klüger, also erziele ich bessere Resultate - und bleibe länger.“ Webber hat sogar angekündigt, auch 2014 für Red Bull fahren zu wollen. Auch das: Eine Kampfansage an den Teamkollegen.

          Zum Zuschauen verdammt: Sebastian Vettel (r.) hat aktuell das Nachsehen

          Vettel gegen Webber - es könnte das Duell werden, von dem es später heißen wird, es habe eine Ära geprägt. Unter Formel-1-Teamkollegen gab es Vergleichbares zuletzt in den achtziger Jahren. Nelson Piquet gegen Nigel Mansell bei Williams, Ayrton Senna gegen Alain Prost bei McLaren. Vettel und Webber verstehen es inzwischen meist, das Gift, das die Alphatiere der Branche damals versprühten, aus ihren Duellen herauszuhalten. Teamchef Horner sieht inzwischen „Respekt“ der beiden füreinander. Ansichtssache.

          „Not bad for a number-two-driver“

          2010 in Istanbul waren sie noch miteinander kollidiert, wenig später, nach seinem ersten Sieg in Silverstone, funkte Webber den inzwischen berühmten Spruch „Not bad for a number-two-driver“ an die Box. Das Team hatte Vettel damals im Qualifying Webbers Frontflügel gegeben, weil seiner defekt war. Der Australier musste sich zurückgesetzt fühlen. Er war nicht mal gefragt worden, ob er der Pannenhilfe für den Kollegen zustimmt. Am Ende der Saison hatte sich Vettel auch den Titel geschnappt. Webber war abgemeldet, zu weit abgehängt, um eigene Ansprüche formulieren zu können. Pressekonferenzen wurden zu Vettel-Shows: ein Witz hier, ein Zwinkern da, Zähne zeigen, Mundwinkel nach oben, am Samstag die Pole Position, am Sonntag der Rennsieg: Vettel-Mania. Und neben dem Deutschen saß oft genug Mark Webber. Still, ernst, verbissen. Die Mundwinkel in der Horizontale, mahlende Kieferknochen. Ein Geschlagener.

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