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Aktualisiert: 18.04.2017, 15:34 Uhr

Force-India-Teamchef Mallya Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Der in Großbritannien festgenommene Force-India-Teamchef Mallya ist gegen Kaution wieder auf freiem Fuß. Der Geschäfts- und Lebemann soll nach Indien ausgeliefert werden. Dagegen wehrt er sich.

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© Reuters Macher im Zwielicht: Vijay Mallya soll an Indien ausgeliefert werden

Der indische Unternehmer Vijay Mallya, Mitbesitzer des Formel-1-Rennstalls Force India, früherer Vorstandsvorsitzender der Royal Challengers Bangalore in der indischen Cricket-Profiliga IPL und selbsternannter „King of Good Times“, wehrt sich vor dem Magistrates’ Court der City of Westminster in London gegen seine Auslieferung an sein Heimatland.

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Die Metropolitan Police in der britischen Hauptstadt bestätigte die Festnahme des 61 Jahre alten Mallya „im Auftrag der indischen Behörden im Zusammenhang mit den Betrugsvorwürfen“. Mallya habe sich auf einer Polizeiwache gestellt und wurde anschließend dem Amtsrichter in Westminster vorgeführt, der über seine Auslieferung entscheiden muss. Kurz darauf wurde Mallya gegen Kautionszahlung auf freien Fuß gesetzt. „Der übliche indische Medienhype. Anhörung zur Auslieferung hat heute begonnen, wie erwartet“, twitterte Mallya. „Gott sei Dank gibt es im Vereinigten Königreich eine unparteiische und kräftige Justiz“, fügte er später hinzu.

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Mallya hatte sich im März 2016 nach dem Zusammenbruch seines Geschäftsimperiums und Bankschulden zuzüglich Zinsen in Höhe von 90 Milliarden Rupien (rund 1,3 Milliarden Euro) auf seinen englischen Landsitz Ladywalk in Tewin außerhalb Londons abgesetzt. Die indische Regierung zog einen Monat später Mallyas Pass ein, im Mai musste Mallya seinen Sitz in der zweiten Kammer des indischen Parlaments, der Rajya Sabha abgeben, Anfang 2017 erhob die indische Bundespolizeibehörde CBI Anklage wegen Betrugs.

Mallya, der jegliches Fehlverhalten abstreitet, hatte die United Breweries Group geerbt und war vor allem durch den Ausbau der Kingfisher-Marke bekannt geworden. Kingfisher Airlines war zeitweilig die zweitgrößte Fluggesellschaft Indiens, musste 2012 aber den Betrieb einstellen. Im März hat das Tribunal zur Eintreibung von Schulden in Bangalore entschieden, Mallyas Firmen hätten für seine Rückstände geradezustehen.

45929036 © AFP Vergrößern Vor gut einer Woche ein Gericht in der Hauptstadt Neu Delhi einen weiteren Haftbefehl gegen Vijay Mallya ausgesprochen.

Der Geschäftsmann, auf der Liste der reichsten Inder einst die Nummer 45, durch seinen flamboyanten Lebensstil aber international weit bekannter als manch reicherer Tycoon, hatte das Formel-1-Team Spyker 2007 übernommen und zu Beginn der Saison 2008 in Force India umbenannt. Trotz zunehmend schwierigerer Finanzierungslage erzielte das Team beachtliche Ergebnisse, in der laufenden Saison ist Force India neben Ferrari und Mercedes der einzige Rennstall, dessen Fahrer bei den drei ausgetragenen Rennen in die Punkteränge fuhren. Mallya allerdings, der Indien weiterhin im Weltrat des Internationalen Automobilverbandes Fia vertritt, konnte die Grand Prix nur noch aus der Ferne verfolgen – mit Ausnahme des Rennens in Silverstone 2016, wo er im Fahrerlager des Großen Preises von Großbritannien auftauchte und sich als Verfolgter der indischen Behörden darstellte.

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„Ich bin bereit, alle ihre Fragen zu beantworten“, sagte Mallya der Nachrichtenagentur Reuters. „Aber warum nur in Indien? Warum, nachdem mein Pass eingezogen wurde?“ Er bot an, sich in einer Videokonferenz vernehmen zu lassen. Damit aber konnten sich weder die Banken noch die Regierung zufriedengeben, weil Mallya zu einer Symbolfigur einer selbstverliebten Geschäftselite mit miserabler Zahlungsmoral geworden war. Das Auslieferungsverfahren in London könnte sich über Jahre hinziehen.

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