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Formel 1 Vettel rudert - und ist schnell

 ·  Red Bull, Ferrari oder McLaren - andere Teams kommen für den Sieg am Nürburgring nicht in Frage. Nach den Eindrücken des Freitagstrainings könnte die Liste noch kürzer geworden sein. Aber das Wetter bleibt unberechenbar. Die FAZ.NET-Trainingsanalyse.

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Freitags nach vier wird es ruhig in der Eifel. Selbst, wenn die Formel 1 zu Gast ist, oben am Nürburgring. Graue Wolken schieben sich über die grünen Wälder, die Teams haben sie längst auf dem Radar. Es soll regnen am Samstag und es soll regnen am Sonntag. Wann, und vor allem: wie lange, ist selbst mit dem besten Prognoserechner längst noch nicht zu bestimmen. Und so wissen alle, Fahrer, Ingenieure, Teamchefs, nach den beiden freien Trainingseinheiten des Freitags, dass eine große Unbekannte bleiben wird, beim Versuch die zehnte Runde um die Formel-1-Weltmeisterschaft vorherzusagen. Am Nürburgring könnte es, sechs Wochen nach dem Spektakel von Montreal, den nächsten Regentanz geben. Entsprechend vorsichtig sind auch die Ergebnisse der Freitagsumläufe zu deuten, auch wenn sie wenig Überraschendes bieten. Unter einigermaßen stabilen Bedingungen kommen für den Sieg maximal drei Teams in Frage: Red Bull, Ferrari und McLaren.

Fernando Alonso setzte die schnellste Zeit am Morgen und fuhr am Nachmittag noch eine Zehntelsekunde schneller (1:31,879) - wurde aber von Mark Webber noch unterboten (1:31,711). Sebastian Vettel beendete beide Trainings als Dritter, rund dreieinhalb Zehntelsekunden langsamer als der Teamkollege (1:32,084). „Wir haben noch Arbeit vor uns“, sagte Vettel anschließend, „ich bin noch nicht hundertprozentig zufrieden. Ich hatte gewaltig zu rudern im Auto.“ Soll heißen: Bei Red Bull wird es nicht ganz so ruhig. Es gibt wieder Überstunden für die Ingenieure und Mechaniker.

Der zweite Mann im Hause Alonso bleibt Massa

Trotzdem: Red Bull und Ferrari dürften die Maßstäbe setzen; McLaren könnte Mühe haben, sie zu erreichen. Das Team testet weiterhin ein neues Heckflügel-Modell, bislang ohne sichtbaren Erfolg. Lewis Hamilton war auf seiner schnellsten Runde rund eine Sekunde langsamer als Webber, Jenson Button gar eineinhalb - und drehte zudem nur 39 Runden, während Vettel auf 56, Alonso sogar auf 68 Umläufe kam. Und auf den sogenannten „Long runs“, den zehn oder mehr Trainingsrunden am Stück, die den Renn-Ernstfall simulieren sollen, fuhr einzig Mark Webber im Red Bull konstant Rundenzeiten von 1:36 Minuten. Die Ferrari- und die McLaren-Piloten blieben oberhalb der Grenze von 1:37.

Glücklicher als Vettel war Michael Schumacher, der am Nürburgring ohnehin wirkt, als sei er mit den Fortschritten bei Mercedes zufrieden. „Ich bin mit unserer Arbeit ganz glücklich“, sagte er als Fünfter des zweiten Trainings - ohne allerdings zu wissen, mit welcher Spritmenge die Konkurrenz unterwegs war. Nico Rosberg war als Sechster unwesentlich langsamer als sein Teamkollege; Nick Heidfeld, der eine neue Auspuffanlage an Board seines Renault hatte, wurde Neunter.

Viel schneller als sein Teamkollege Witali Petrow, der ohne die Neukonstruktion über den Kurs steuerte, war der Mönchengladbacher jedenfalls nicht. Möglich, dass die Abgase im Rennen auf alten Wegen geleitet werden. Ein guten Eindruck hinterließ Adrian Sutil im Force India, dessen Long-Run-Zeiten auf dem Niveau von Mercedes lagen. Timo Glock, dem sechsten deutschen Piloten, gelang es, die Konkurrenz von HRT im Kampf um den zweifelhaften Ruf des zweitlangsamsten Teams der Boxengasse deutlich zu distanzieren - fast eineinhalb Sekunden schneller als Vitantonio Liuzzi war der Virgin-Mann und dabei auch schneller als Karun Chandhok, der an diesem Wochenende Jarno Trulli bei Lotus ersetzt.

Um diese oder ähnlich geschwindigkeitsgehemmte Arbeitsplätze muss sich Felipe Massa derweil auch in der kommenden Saison nicht umsehen. Nach dem Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo schon angedeutet hatte, dass der Brasilianer auch in der kommenden Saison bei den Italienern bleiben wird, bestätigte Teamchef Stefano Domenicali die Gedanken des Chefs: „Haben Sie in der Formel 1 schon einmal erlebt, dass ein Teamchef seinem Präsidenten widerspricht?“, konterte er die Frage eines Journalisten auf der Pressekonferenz nach dem Training. „Aber sicherlich nicht bei Ferrari.“ Das heißt: Der zweite Mann im Hause Alonso bleibt Massa. Herausforderer bleiben draußen vor der Tür. Wer dabei im Regen steht? Aber nicht doch. Nicht mal am Nürburgring regnet es ständig.

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Jahrgang 1978, Sportredakteur.

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