Sebastian Vettel (Red Bull) gegen Fernando Alonso (Ferrari) - es ist ein Zweikampf um den Gewinn der Formel-1-Weltmeisterschaft in diesem Jahr, doch beim Rennen in Austin sind sich die beiden Rivalen am Sonntag nicht ein einziges Mal auf der Strecke begegnet.
Stattdessen sorgte Lewis Hamilton (McLaren) für ein wenig Unzufriedenheit bei Vettel. Der Engländer gewann das erste Rennen in den Vereinigten Staaten nach fünf Jahren ohne amerikanischen Grand Prix vor Vettel und Alonso und war so ein Faktor dafür, dass die Entscheidung im Titelkampf in diesem Jahr bis zum Saisonfinale in Brasilien in einer Woche aufgeschoben wird. „Lewis hatte nur eine Chance. Die hat er genutzt“, sagte Vettel. „Er war nach dem Überholen genauso schnell wie ich, da war nicht viel zu machen. Ein tolles Rennen. Wir sind zufrieden.“
273:260 Punkte - das ist die Ausgangssituation für die Schlussouvertüre dieser Saison. Vettel würde dann bei einem Sieg Alonsos schon ein vierter Rang zum Titelgewinn reichen. Die erste Entscheidung aber ist gefallen: Red Bull gewinnt zum dritten in Folge den Konstrukteurs-Titel. „Das ist etwas, worauf wir alle im Team sehr stolz sind“, sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner zum ersten Triumph der Saison.
Ferraris taktischer Getriebewechsel
Die Verantwortlichen von Ferrari versuchten hingegen alles, um die eigenen Chancen auf den Fahrer-Titel von Alonso zu wahren und nutzten dafür einen Trick. Am Morgen vor dem Grand Prix haben die Mechaniker am Getriebe des Wagens von Felipe Massa absichtlich das Siegel gebrochen, der Brasilianer wurde deshalb vom sechsten auf den elften Platz strafversetzt. Einer der Profiteuere: Alonso, der auf den siebten Platz vorrückte und somit beim Start auf jener Seite stand, die beim Start mehr Haftung versprach, weil sie auf der Ideallinie liegt.
„Das ist ein taktischer Wechsel. Das kann man nach den Regeln machen. Wir konzentrieren uns auf uns selbst. Das ändert ja nichts“, sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Und auch Vettel gab sich Minuten vor dem Start gelassen: „Das ist nicht unsere Sache“, sagte er. „Wir müssen uns auf unser Rennen konzentrieren.“
Nur ein paar Meter Weltmeister
Als um kurz nach 13 Uhr Ortszeit die Ampeln ausgingen, war Vettel virtuell Weltmeister, ein paar Meter später nicht mehr. Denn bereits nach der ersten Kurve war Alonso an Nico Hülkenberg (Force India), Michael Schumacher (Mercedes) und Kimi Räikkönen (Lotus) vorbei gezogen und kreiste als Vierter hinter Vettel, Mark Webber (Red Bull) und Hamilton. 24 Grad Celsius in der Luft, 31 Grad Celsius auf dem Asphalt - es war wärmer als in den vergangenen Tagen und immer noch kälter als es die Teams vor diesem Wochenende vermutet hatten.
Eine der entscheidenden Fragen war deshalb, welcher Fahrer die Reifen am schnellsten in das optimale Temperaturfenster bekommen sollte. Einer gab besonders viel Gas: Hamilton. In der vierten Runde ging er an Webber vorbei, fuhr sofort die bis dato schnellste Runde des Rennens und nahm die Verfolgung von Vettel auf. Der McLaren-Kommandostand feuerte ihn per Funk an: „Fantastisch, Lewis! Das war großartig.“
In diesem Tempo ging es weiter. Runde um Runde holte Hamilton auf, und nach fünfzehn Umdrehungen sah Vettel den Engländer formatfüllend im Rückspiegel. Es schien nur noch eine Frage der Zeit, ehe Hamilton zur Attacke ansetzten sollte. Doch offenbar hatte er bei seiner Jagd seine Reifen zu sehr strapaziert, der Siebenundzwanzigjährige konnte das Tempo von Vettel nicht mehr halten.
Webber fällt aus
Sorgen bereitete den Verantwortlichen am Kommandostand von Red Bull deshalb zunächst nur der zweite Fahrer: Webber meldete technische Probleme, das Energie-Rückgewinnungssystem Kers an seinem Red Bull funktionierte nicht mehr, und in der 18. Runde stellte der Australier seinen Red Bull schließlich am Streckenrand ab. Abermals war eine defekte Lichtmaschine die Ursache dafür. Und wieder half dies vor allem Alonso, der bis dahin ein unauffälliges Rennen fuhr und nun Dritter war.
Die Premiere der Formel 1 in Austin war spannend. Ein Fehler - und das Klassement konnte auf den Kopf gestellt werden. Nach zwanzig Runden bogen Hamilton und Alonso als erste Fahrer aus der Spitzengruppe zum Reifenwechsel an ihre Boxen ab: Hamilton wurde schnell abgefertigt, bei Ferrari aber bekam der Mechaniker das rechte Hinterrad zunächst nicht zu greifen, nahm einen zweiten Versuch, und so musste der Spanier 6,3 Sekunden warten, ehe er wieder auf das Gas treten durfte.
Alonso bleibt im Rennen
Wie die Choreographie funktioniert, zeigte die Mannschaft von Red Bull: Vettel wurde bei seinen Stopp eine Runde später in lediglich 2,7 Sekunden abgefertigt. Vettel vor Hamilton und Alonso - dabei blieb es, nachdem das Feld mindestens ein Mal beim Boxenstopp war. Beinahe im Parallelflug schossen die beiden an der Spitze über den Kurs, Alonso hatte nach vierzig Runden schon mehr als eine halbe Minute Rückstand. Trotzdem hatte er seinen Job erfüllt und bleibt bis zum Saisonfinale in Brasilien im Rennen um den Titel.
Und er profitierte noch davon, dass Hamilton kämpfte und an Vettel vorbeizog. Runde 42: Vettel verlor an Tempo beim Überrunden, Hamilton schloss auf - und nutzte die lange Gegengerade für sein Manöver. „Unglaublich!“, schrie Vettel in den Funk. Er fühlte sich durch die langsamen Autos benachteiligt. „Wir haben es gesehen“, antwortete sein Renningenieur Guillaume Rocquelin. „Aber du musst dich weiter konzentrieren.“ Das tat er, und fuhr als Zweiter über den Zielstrich. „Ich bin recht zuversichtlich für das letzte Rennen“, sagte Vettel.
Schumacher bricht Rekord
Einen neuen Rekord sicherte sich Schumacher in den Vereinigten Staaten: Kein anderer Fahrer in der Geschichte der Formel 1 hat nun so viele Rennkilometer hinter sich gebracht, wie der Dreiundvierzigjährige. Vorher hatte die Bestmarke noch Rubens Barrichello gehalten.
Richtig glücklich aber war Schumacher dennoch nicht. Als Fünfter gestartet, musste er hilflos zusehen, wie ihn einer nach dem anderen überholte. Am Ende wurde der Rekordweltmeister Sechszehnter. Der Tag hatte für ihn schon schlecht begonnen. Als sich Schumacher bei der Fahrerparade in einen silberfarbenen Mustang setzte, musste er schon kurz danach wieder aussteigen. Das Auto sprang nicht an, also stieg er bei Räikkönen dazu. Der eine hört auf in Brasilien, der andere macht weiter - aber neuer Champion können nur noch Vettel und Alonso werden.
- er gewinnt:
- er vor Alonso landet;
- Alonso gewinnt und der Red-Bull-Pilot mindestens Vierter wird;
- Alonso Zweiter wird und er mindestens Rang sieben belegt;
- Alonso Dritter wird und er mindestens auf Rang neun über die
Ziellinie fährt.
- Alonso nicht über Rang vier hinaus kommt, ist Vettels Plazierung gleichgültig