Die Rennfahrerin Maria de Villota ist bei Formel-1-Testfahrten in England lebensbedrohlich verunglückt. Die Spanierin fuhr am Dienstag bei Übungsfahrten ihres Teams Marussia, bei dem auch der Deutsche Timo Glock unter Vertrag steht, auf dem Flugfeld im englischen Ort Duxford gegen 9.15 Uhr Ortszeit in die offen stehende Laderampe eines Transporters ihres Rennstalls. De Villota traf die Metallrampe in Kopfhöhe. Die 32-Jährige habe sich dabei „lebensbedrohliche Verletzungen“ am Kopf und im Gesicht zugezogen, sagte ein Sprecher des Rettungsdienstes.
De Villota wurde nach dem Unfall in ein Krankenhaus in Cambridge gebracht, wo sie circa neunzig Minuten nach dem Unfall eintraf. Sie sei bei Bewusstsein und sie würde weiter untersucht, hieß es am Nachmittag in einer Mitteilung ihres Rennstalls. Weitere Auskünfte sollten erst nach Abschluss der Untersuchungen erteilt werden.
Plötzliche Beschleunigung
Das seit dem Einstieg in die Formel 1 2010 erfolglose Marussia-Team wollte auf der Start- und Landebahn des Duxford Aerodromes, 1918 gebaut und heute Teil des größten englischen Luftfahrtmuseums, zwei Tage lang Aerodynamiktests auf gerader Strecke durchführen. De Villota am Ende ihrer ersten Fahrt mit dem Auto auf dem Weg zum Teamzelt in den Transporter gekracht, hieß es. Nach dem heftigen Aufprall sei sie nicht in der Lage gewesen, sich selbst aus dem Auto zu befreien. Die sofort alarmierten Sanitäter halfen ihr aus dem schwer beschädigten Auto.
Ein BBC-Reporter, der den Unfall gesehen hat, berichtete, de Villota habe in langsamer Fahrt ihr Team angesteuert, als der Bolide plötzlich wieder beschleunigte. De Villota verlor daraufhin offenbar die Kontrolle über das Fahrzeug. Um ein Absterben des Motors etwa nach einem Dreher im Rennen zu verhindern, sind Formel-1-Autos mit elektronischen Systemen ausgestattet, die bei plötzlichem Drehzahlverlust Vortrieb generieren. Aus der Vergangenheit sind Fälle bekannt, in denen Testfahrer von dieser automatischen Fahrhilfe überrascht wurden.
Für de Maria de Villota war es der erste Test im Marussia-Boliden. 2011 hatte die Spanierin einen Test für Renault absolviert. Die Tochter des früheren Formel-1-Piloten Emilio de Villota war kurz vor Saisonbeginn von Marussia als Ersatzfahrerin verpflichtet worden. „Das wird mir dabei helfen, meinem Ziel näher zu kommen, in der Formel 1 zu fahren“, sagte sie seinerzeit.
Angesichts ihres Alters war eine erfolgversprechende Karriere in der Formel 1 aber alles andere als realistisch. Zudem hat de Villota keine Superlizenz des Motorsportweltverbandes Fia, die Voraussetzung für einen Start in der Formel 1 ist. Aus diesem Grund konnte sie schon beim vergangenen Grand Prix in Valencia vor zehn Tagen Timo Glock nicht ersetzen, als dieser wegen eines Infekts nicht starten konnte. Zweiter Stammfahrer ist der Franzose Charles Pic.
Das Team war 2010 unter dem Namen Virgin in die Formel 1 eingestiegen.Seither hat der Rennstall keinen WM-Punkt sammeln können und stellt neben dem spanischen Rennstall HRT die langsamsten Autos in der Formel 1. Vor ihrem Engagement als Testfahrerin ist de Villota zwar in unterschiedlichen europäischen Rennserien gestartet, jedoch ohne nennenswerte Erfolge.