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Formel 1 Risiko am Start

 ·  Den besten Platz in Singapur sichert sich Lewis Hamilton im McLaren. Sebastian Vettel startet mit seinem Red Bull als Dritter. Und zwischen ihnen steht Pastor Maldonado im Williams - eine nicht ungefährliche Situation für alle Beteiligten.

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© dpa Der gefährliche Mann in der Mitte: Pastor Maldonado

Diese Mischung hat Sprengkraft. Zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel hat sich am Samstag beim Qualifikationstraining zum Großen Preis von Singapur Pastor Maldonado in die zweite Startposition geschoben. Der Venezolaner ist kein Unbekannter mehr. Seine Karriere verläuft in großen Kurven. Dem überraschenden ersten Sieg in Barcelona ließ der Williams-Pilot ein paar Carshkurse folgen. Und so spekuliert die Branche, ob der Start zum Nachtrennen diesmal ein besonderes Risiko für die Herren der ersten Reihe bedeutet.

Sie sind sich schon einmal näher gekommen, als ihnen lieb war, in Valencia. Diesmal könnte es auf dem Weg zur ersten Kurve eine Fortsetzung geben. Denn ein Sieg ist für beide von besonderer Bedeutung. Hamilton könnte den Rückstand in der Fahrerwertung, 37 Punkte hinter dem Führenden Alonso, deutlich reduzieren, Maldonado seinen Rennstall an Force India in der Konstrukteurs-Wertung vorbei führen. Das bescherte Williams, bliebe es dabei bis zum Saisonende, Millionen Euro aus dem Prämientopf. Eine Karambolage auf den ersten Metern käme dem Frontmann der Formel 1 aus den hinteren Reihen gelegen. Alonso wurde im Ferrari Fünfter. „Man muss es erstmal realistisch sehen: anderthalb Sekunden gegenüber der Pole waren für uns nicht aufzuholen. Der fünfte Platz ist okay. Da hab ich vielleicht ein paar Chancen auf das Podium.“ Alonso ist der fleißigste Sammler im großen Stil der Saison.

Hamilton gilt als sein gefährlichster Rivale: „Großartig“, sagte der Engländer nach seiner fünften Pole-Position, „das Auto war klasse.“ Und der Fahrer außergewöhnlich gut. Hamilton distanzierte die erstbeste Konkurrenz um 0,5 Sekunden. Vettel betrachtete sein Ergebnis dagegen nüchtern: „Es ist etwas enttäuschend. Wir konnten nicht alles rausholen aus dem Auto. Es ist uns nicht gelungen, die Zeit aus dem zweiten Durchgang zu verbessern, alle anderen haben das geschafft.“

Die Mercedes-Piloten versuchten es nicht mal. Michael Schumacher (9.) und Nico Rosberg (wegen der höheren Startnummer 10.) opferten die Chancen auf eine bessere Startposition für ihre Renn-Strategie. Sie verzichteten auf den Einsatz der weicheren Reifen im letzten Durchgang und dürfen deshalb mit den härteren ins Rennen gehen. Das erlaubt ihnen, nach vermutlich zwei Boxenstopps mit den griffigeren „Supersofts“ und wenig Benzin im Tank das Feld von hinten aufzurollen. „Wenn man sich die Zeiten anschaut, war das ziemlich das Optimum, was für uns drin war. Ob wir Achter oder Neunter sind, macht nicht so den Unterschied“, sagte Schumacher, „aber der Reifen könnte ausschlaggebender sein.“ Rosberg stimmte zu: „Es ist so eine kleine Möglichkeit für uns, sich nach vorne zu arbeiten. Es ist ein Versuch wert.“

Im Sprint reichte es beim Mercedes am Samstag also nur zum sechsten Rang in der Konstruktionswertung, geschlagen eben nicht nur von McLaren, Red Bull und Ferrari, sondern auch von Williams, Lotus (Grosjean/8.) und Force India (di Resta/7.). Mithin Rennställe, deren Budgets kleiner sind, deren Effektivität also großer sein muss. Und wie schnell wären diese Boliden, wenn ein Champion am Steuer säße? Die Mercedes-Fraktion wäre wohl auch noch nach hinten gerückt, falls Kimi Räikkönen in seinem Lotus (12.) in den Rhythmus gekommen wäre. Auch ein zweiter Williams-Fahrer von Format wäre eine Gefahr gewesen. Bruno Senna, Neffe des 1994 tödlich verunglückten Ayrton Senna, aber blieb in den Leitplanken hängen: „Ich habe zuviel Druck gemacht.“ Oder zuviel Druck gehabt.

Im Spätsommer schauen sich die Rennställe ihre Steuermänner in Zweifelsfällen noch einmal genau an. Senna droht 2013 durch den Finnen Valtterie Bottas ersetzt zu werden. Ferraris Zweiter Pilot Felipe Massa, nur 13. am Samstag, steht auch zur Disposition. Verärgert stieg Nico Hülkenberg aus seinem Force India. „Ich musste im zweiten Durchgang etwas Gas rausnehmen, um ein paar Jungs auf schnellen Runden nicht zu blockieren, dabei ist meine Reifentemperatur gefallen und ich hatte kein Gefühl mehr für den Griplevel.“ So landete er auf Rang elf, 0,032 Sekunden hinter Rosberg. Aber Mercedes ganz nahe zu sein, reicht Hülkenberg nicht: „Das Auto war gut für die Top-Ten, sicher.“

So weit wird es bei Timo Glock in diesem Jahr unter normalen Umständen nicht reichen. Der Heppenheimer wurde 21. und klagte: Erst über sich selbst und dann über die Prominenz. „Beim ersten Run hab’ ich jede Menge Fehler in der Runde gehabt.“ Später kam ihm Mark Webber mit dem Red Bull in die Quere: „Er hat mir somit die Runde kaputt gemacht.“ Das Manöver entging den Streckenkommissaren nicht, doch sie verwarnten Webber nur. Glock hatte das geahnt: „Da verstehe ich die Welt nicht mehr. Er ist aus der Box gekommen und hat sich in Kurve drei vor mich gesetzt, das hat mich 0,4 Sekunden gekostet. Wen wir so was bei einem Top-Team machen würden, käme sofort eine Bestrafung.“

Qualifikation zum Grand Prix in Singapur

1. Startreihe:
1. Lewis Hamilton (England) McLaren Mercedes 1:46,362;
2. Pastor Maldonado (Venezuela) Williams 1:46,804

2. Startreihe:
3. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull 1:46,905;
4. Jenson Button (England) McLaren Mercedes 1:46,939

3. Startreihe:
5. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari 1:47,216;
6. Paul di Resta (Schottland) Force India 1:47,2416

4. Startreihe:
7. Mark Webber (Australien) Red Bull 1:47,475;
8. Romain Grosjean (Frankreich) Lotus 1:47,788

5. Startreihe:
9. Michael Schumacher (Kerpen) Mercedes -;
10. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes -

6. Startreihe:
11. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force India 1:47,975;
12. Kimi Räikkönen (Finnland) Lotus 1:48,261

7. Startreihe:
13. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari 1:48,344;
14. Sergio Perez (Mexiko) Sauber 1:48,505

8. Startreihe:
15. Daniel Ricciardo (Australien) Toro Rosso 1:48,774;
16. Jean-Eric Vergne (Frankreich) Toro Rosso 1:48,849

9. Startreihe:
17. Bruno Senna (Brasilien) Williams -;
18. Kamui Kobayashi (Japan) Sauber 1:49,933

10. Startreihe:
19. Witali Petrow (Russland) Caterham 1:50,846;
20. Heikki Kovalainen (Finnland) Caterham 1:51,137

11. Startreihe:
21. Timo Glock (Wersau) Marussia 1:51,370;
22. Charles Pic (Frankreich) Marussia 1:51,762

12. Startreihe:
23. Narain Karthikeyan (Indien) HRT 1:52,372;
24. Pedro de la Rosa (Spanien) HRT 1:53,355 + 5 Plätze/Getriebe

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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