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Formel 1 Red Bull pokert, Mercedes hofft

 ·  Auch im neuen Jahr geben in der Formel 1 die üblichen Verdächtigen den Ton an. Während sich das Weltmeisterteam selbstbewusst zeigt, erwischt Ferrari einen holprigen Start. Das Kräfteverhältnis nach den ersten Tests.

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© AP Vergrößern Die Sonne genossen: Sebastian Vettel fuhr in Jerez noch keine Rekordzeiten

Als hätte es die Winterpause überhaupt nicht gegeben: Nachdem die Formel-1-Teams ihre neuen Autos in dieser Woche erstmals auf die Straße gebracht hatten, gaben die üblichen Verdächtigen den Ton an: am Dienstag Jenson Button im McLaren, am Mittwoch Romain Grosjean im Lotus, am Donnerstag Felipe Massa im Ferrari, am Freitag wieder Lotus, nun mit Kimi Räikkönen am Steuer. Sebastian Vettel und Red Bull hielten sich mit Bestzeiten noch zurück, was abermals für das Selbstvertrauen des dreimaligen Weltmeisters spricht. Man muss nicht zwangsläufig sofort zeigen, was man kann. „Wenn es einem Moment gibt, wo das unwichtig ist, dann jetzt“, sagte Vettel. Der neue Red Bull RB9 hat die Fachwelt etwas enttäuscht.

Er scheint tatsächlich nur eine Evolution des Vorjahresmodells zu sein, wie Chefdesigner Adrian Newey beteuert. Vettel scherzte: „Hätten wir das alte Auto mit der neuen Lackierung hingestellt, hätte es keiner gemerkt.“ Die entscheidenden Änderungen trägt der neue Wagen unter der neuerdings violett schimmernden Kohlefaserhaut. Und bei Newey müssen die Gegner immer darauf gefasst sein, dass er den großen Coup noch im letzten Moment vor dem Saisonbeginn auspackt.

Holpriger Start für Ferrari

McLaren rückte dagegen von seinem langjährigen Aerodynamikkonzept ab, und das verwundert Red-Bull-Teamchef Christian Horner: „Die hatten zum Saisonschluss das beste Auto. Trotzdem sind sie an einigen Stellen Risiken eingegangen.“ McLaren-Sportdirektor Sam Michael antwortet: „Unser letztjähriges Auto war ausgereizt. Wir mussten uns mit einem neuen Ansatz mehr Spielraum verschaffen.“ Ferrari erwischte wieder einen holprigen Start. Unter der roten Verkleidung wurde es zu heiß. Am Ende des zweiten Tages waren die Probleme abgestellt, am dritten führte Massa die Reihenfolge an, am vierten verschwand der F138 von Testfahrer Pedro de la Rosa schon auf der zweiten Runde im Rauch. „Der Start in den Testwinter ist besser als vor einem Jahr. Aber das Auto ist so neu, dass wir bei null beginnen“, sagte der Brasilianer. Selbstvertrauen sieht anders aus. Sicher, dass die neuen Ideen funktionieren, sind sich die Tifosi offenbar nicht.

Mercedes kam nur langsam in Fahrt. An den ersten beiden Tagen verschwand der neue Silberpfeil nach jeweils 90 Minuten in der Garage - und die Rollbalken blieben bis zum Abend zu. Erst legte ein Kurzschluss den neuen Boliden lahm, dann trat an der Bremsleitung ein Leck auf. Lewis Hamilton spürte noch kurz eine Verzögerung, als ihm bei Tempo 260 das Bremspedal auf den Boden durchfiel. Der Mercedes bohrte sich in den Reifenstapel. „Zum Glück hatte das Auto bis dorthin schon viel Geschwindigkeit abgebaut“, sagte der Engländer. Zwei von zwölf Testtagen sind nun praktisch ungenutzt verstrichen. Dabei hatte Hamilton, der Neuling im Team, vorher noch gesagt: „Für mich zählt jede Sekunde im Auto.“ Nachdem sein Arbeitstag nach 15 Runden beendet war, tröstete sich der Engländer mit der alten Weisheit: „Es ist besser, die Probleme treten am Anfang als am Ende der Testfahrten auf.“

Kein genaues Saisonziel definiert

Von der neuen Dreifachspitze blieb nur Teamchef Ross Brawn vor Ort. Der Vorstandsvorsitzende Niki Lauda und Motorsportchef Toto Wolff reisten mit betretenen Gesichtern ab. Lauda sagte vorher noch: „So etwas darf nicht passieren. Wir wollen herausfinden, wo unser Auto steht, und wissen zwei Tage lang gar nichts.“ Ein Saisonziel wird nicht genau definiert. „Wir müssen uns verbessern, weil das, was wir letztes Jahr gezeigt haben, kein akzeptabler Zustand ist“, fordert Brawn. Lauda sieht es ähnlich: „Zwei Fragen warten auf Antworten: Können wir ein besseres Auto bauen, und können wir das auch im gleichen Tempo weiterentwickeln wie die anderen?“

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© dpa Vergrößern Expertengespräch: Streckenposten, Nico Rosberg und ein lahmer Silberpfeil

Am dritten Tag kam der Mercedes endlich in Schwung. Mit 148 Runden absolvierte Nico Rosberg gleich das fünffache Pensum des verunglückten Auftakts. „Unser Auto ist zuverlässig“, sagte der 27 Jahre alte Deutsche. „Was da am Anfang passiert ist, war einfach Pech.“ Techniker Brawn stellte nüchtern fest: „Jetzt, wo wir zum ersten Mal brauchbare Daten haben, kann ich sagen: Das Auto tut, was der Windkanal verspricht.“ Ist das genug? „Wir haben noch genug Arbeit vor uns.“

Sauber-Pilot Nico Hülkenberg reiste mit einem Lachen im Gesicht aus Jerez ab. Vorher sagte er noch: „Ich bin rundherum zufrieden. Windkanal und Wirklichkeit stimmen überein.“ Das war beim neuen Sauber C32 nicht selbstverständlich. Er ist mit seinen schmalen Seitenkästen die mutigste Konstruktion im Feld. Sorgen, unter dem Maßanzug könnte es zu heiß werden, erwiesen sich als unbegründet.

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09.02.2013, 14:25 Uhr

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