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Formel 1 Räikkönen hängt alle ab

 ·  „Der legt los wie ein Wahnsinniger“: Nico Rosberg erkennt früh, was später alle sehen - Kimi Räikkönen gewinnt den Großen Preis von Australien. Alonso wird Zweiter, Vettel Dritter. Und Rosberg hat viel Zeit, den Sieger zu beobachten.

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© AFP Vergrößern Bitte lächeln: Während sich Alonso (links) offenbar zu einem gequälten Lächeln durchringt, haben Sieger Räikkönen (Mitte) und Weltmeister Vettel sichtlich Spaß

Kimi Räikkönen hat das erste Rennen der neuen Formel-1-Saison gewonnen. Der finnische Lotus-Pilot überquerte die Ziellinie im Albert Park von Melbourne nach 58 Runden als Erster, vor Fernando Alonso im Ferrari und Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull). Adrian Sutil (Force India) wurde Siebter, Nico Rosberg fiel mit einem technischen Defekt am Mercedes aus. Der vierte deutsche Formel-1-Pilot, Nico Hülkenberg, konnte mit seinem Sauber wegen technischer Probleme am Benzinsystem nicht ins Rennen gehen.

„Ich habe Euch gesagt, dass wir ein gutes Auto haben“, funkte Räikkönen an seine Lotus-Crew, als er mit zwölfeinhalb Sekunden Vorsprung im Ziel war. Für Räikkönen ist es der zweite Sieg in Melbourne nach 2007. Weltmeister Vettel hingegen, der die Trainingseinheiten am Freitag und die zweigeteilte Qualifikation dominiert hatte, musste froh sein, als Dritter an der Siegerehrung teilnehmen zu dürfen. Unter Rennbedingungen ist Red Bull zum Auftakt der Saison mitnichten das die Konkurrenz beherrschende Team.

Teamchef Christian Horner nahm die Niederlage zumindest öffentlich nicht allzu schwer: „Wir sehen es positiv. Wir waren stark in der Qualifikation, Sebastian (Vettel, d. Red.) steht auf dem Podium und hier hatten wir spezielle Witterungsbedingungen. Es war sehr kalt, könnte sein, dass unsere Probleme mit den Reifen darauf beruhen.“

Zunächst allerdings hatte Vettel seine Pole Position genutzt und führte das Feld nach der ersten Runde an, in seinem Schlepptau die Ferrari-Piloten Massa, Alonso – und Kimi Räikkönen.

Nach 14 Runden, der erste Reifensatz war für einen Großteil des Feldes bereits verbraucht, wurde die Strecke im Albert Park zur Autobahn: Freie Fahrt für  Bundesbürger, Nico Rosberg führte das Rennen an, auf Platz drei folgte ihm Weltmeister Vettel – und in ihrem Sandwich drehte ein Rückkehrer seine Runden. Adrian Sutil, nach einem Jahr Pause und der Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung zu 18 Monaten Haft (auf Bewährung), ging sogar in Führung, als Rosberg seinen Mercedes in der 15. Runde an die Box steuerte. Im ersten Rennen nach der Rückkehr zum ersten Mal Führender bei einem Grand Prix – Sutil machte seine Sache gut, hielt Vettel Runde um Runde hinter sich, ohne den Eindruck zu machen, die Aufgabe bereite ihm großes Kopfzerbrechen.

Bald darauf wurde der Grund offensichtlich: Vettel, der Mann, der die wegen des großen Regens am Samstag zweigeteilte Qualifikation dominiert hatte und seinen Red Bull bei der Fortsetzung am Sonntagmorgen sechs Stunden vor dem Rennstart mit einem Vorsprung von über vier Zehntelsekunden auf die Pole Position gestellt hatte, war im Rennen mitnichten der große Dominator, sondern hatte offensichtliche Probleme mit dem Reifenverschleiß. Und er litt darunter, dass sein Red Bull in der Höchstgeschwindigkeit der Konkurrenz mit Mercedes-Motoren unterlegen ist. Die Konkurrenz erkannte das schnell – und zog die richtigen Schlüsse. Als ein weiteres Mal die Reifen gewechselt werden musste, setzte Fernando Alonso mit seinem Ferrari den Trend, ging eine Runde vor Vettel an die Box und setzte sich anschließend zügig vom Deutschen ab.

„Der legt los wie ein Wahnsinniger“

Unterdessen fuhr Kimi Räikkönen an der Spitze des Feldes – und verblüffte die Konkurrenz. Nico Rosberg bekam angesichts des Tempos des Finnen im Lotus bereits Zweifel an dessen Geisteszustand: „Kimi hat losgelegt wie ein Wahnsinniger. Ich dachte, wir müssen alle die Reifen schonen, aber der fährt das Tempo durch.“ Ganz im Gegenteil zu Rosberg, dem die Elektronik seines Mercedes in Runde 27 den Vortrieb verweigerte. Ausfall, aber Rosberg ist überzeugt, dass „wir in diesem Jahr eine gute Basis haben“.

Die hat offensichtlich auch Räikkönens Lotus. Fernando Alonso jagte seinen Ferrari im Höchsttempo um die Strecke, fuhr Sektor für Sektor Bestzeiten – und doch blieb der Finne ganz in seinem Element. Als Alonsos Rückstand auf unter vier Sekunden sank, konterte Räikkönen, alsbald hatte er wieder rund acht Sekunden Luft zwischen sich und dem Spanier, dessen Reifen in den letzten Runden des Rennens der Bestzeithatz ein Ende setzten.

Räikkönen hingegen brachte sein Auto mit zwei Boxenstopps über die Renndistanz von 307 Kilometern - Vettel und Alonso mussten je dreimal den Service in Anspruch nehmen.

Räikkönen fährt die schnellste Runde

Räikkönen konnte seinen zweiten Sieg nach seiner Rückkehr zu Beginn der vergangenen Saison, die er als Dritter der Fahrerwertung (und mit dem Sieg im Herbst in Abu Dhabi) beendet hatte, in aller Ruhe verwirklichen. Kurz vor Schluss hatte der Finne dann noch Lust auf eine Extratour: Im 57. von 58 Umläufen fuhr er die schnellste Rennrunde.

Ein Auftakt, der für die neue Saison mehr als nur einen Zweikampf zwischen Vettel und Alonso um die Weltmeisterschaft verspricht. 2007, als Räikkönen, damals bei Ferrari, zum ersten Mal in Melbourne gewonnen hatte, war er im Herbst Weltmeister.

Grand Prix von Australien

58 Runden à 5,303 km/307,574 km:
1. Kimi Räikkönen (Finnland) Lotus 1:30:03,225 Std. (Schnitt: 204,927 km/h); 2. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari + 0:12,451 Min.;
3. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull + 0:22,345; 4. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari + 0:33,577; 5. Lewis Hamilton (England) Mercedes + 0:45,561; 6. Mark Webber (Australien) Red Bull + 0:46,800; 7. Adrian Sutil (Gräfelfing) Force India + 1:05,068; 8. Paul di Resta (Schottland) Force India + 1:08,449; 9. Jenson Button (England) McLaren Mercedes + 1:21,630; 10. Romain Grosjean (Frankreich) Lotus + 1:22,759; 11. Sergio Perez (Mexiko) McLaren Mercedes + 1:23,367; 12. Jean-Eric Vergne (Frankreich) Toro Rosso + 1:23,857; 13. Esteban Gutiérrez (Mexiko) Sauber + 1 Runde; 14. Valtteri Bottas (Finnland) Williams + 1 Runde; 15. Jules Bianchi (Frankreich) Marussia + 1 Runde; 16. Charles Pic (Frankreich) Caterham + 2 Runden; 17. Max Chilton (England) Marussia + 2 Runden; 18. Giedo van der Garde (Niederlande) Caterham + 2 Runden

Ausfälle: Pastor Maldonado (Venezuela) Williams (25. Runde); Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes (27. Runde); Daniel Ricciardo (Australien) Toro Rosso (40. Runde)
Nicht am Start: Nico Hülkenberg (Emmerich) Sauber

Schnellste Rennrunde: Kimi Räikkönen (Lotus) 1:29,274 Min.
Pole Position: Sebastian Vettel (Red Bull) 1:27,407 Min.

Fahrer-Wertung nach 1 von 19 Rennen: 1. Kimi Räikkönen  25 2. Fernando Alonso  18 3. Sebastian Vettel 15 4. Felipe Massa 12 5. Lewis Hamilton  10 6. Mark Webber 8 7. Adrian Sutil  6 8. Paul di Resta 4 9. Jenson Button 2 10. Romain Grosjean  1
Team-Wertung nach 1 von 19 Rennen: 1. Ferrari  30 2. Lotus  26 3. Red Bull 23 4. Mercedes 10 5. Force India  10 6. McLaren Mercedes  2

Nächstes Rennen: GP Malaysia am 24. März in Sepang

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