Er sah nicht gerade aus wie ein Gewinner des Nachmittags, Sebastian Vettel (Red Bull) hat andere Ansprüche als einen Platz in der dritten Startreihe (5.). Wer dem Fünfundzwanzigjährigen nach dem Qualifikationstraining zum Großen Preis von Italien an diesem Sonntag (Start: 14.00 Uhr / Live im Formel-1-Ticker von FAZ.NET) ins Gesicht schaute, der sah einen nachdenklichen jungen Mann.
Ein paar Meter entfernt, in der Box von Ferrari, aber fluchten sie sogar und wollten überhaupt nicht glauben, dass technische Probleme ihren Star Fernando Alonso auf seiner Fahrt nach ganz vorne stoppten. Ausgerechnet in Monza, vor Zehntausenden Tifosi. Der WM-Führende aus Spanien geht nur als Zehnter ins Rennen, und Vettel könnte seine Aufholjagd in der Gesamtwertung fortsetzen.
„Ich denke, das Ergebnis ist mehr oder weniger das Maximum“, sagte der Deutsche. Es ist offensichtlich, dass er mit seinem Boliden nicht zurecht kommt auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Monza. Am Ende trennten ihn acht Zehntelsekunden von Lewis Hamilton (McLaren), der von der Pole Position aus startet. Die Vollgas-Veranstaltung in Italien ist gleichbedeutend mit dem Abschied der Formel 1 aus Europa für diese Saison.
Damit geht der Kampf um den Titel in seine entscheidende Phase, und vieles deutet darauf hin, dass es ein Dreikampf zwischen Alonso (164 Punkte), Vettel (140) und Hamilton (117) wird – und womöglich rückt das Trio nach diesem Wochenende noch enger zusammen. „Auf dem Kurs geht es in erster Linie um die Leistung. Das ist nicht unsere Stärke“, sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner. „Im Rennen werden wir aber stärker sein.“
Darauf hofft auch Vettel-Teamkollege Mark Webber (11.). Leistung aber ist eher die Stärke des Rennwagens von Hamilton und Jenson Button, der sich als Zweiter qualifizierte. „Wir haben nichts besonders Cleveres versucht, wir waren einfach schneller“, sagte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh. So einfach kann Motorsport manchmal sein.
Der beste Deutsche war am Samstag auch der älteste: Michael Schumacher geht von Platz vier ins Rennen und spekuliert deshalb sogar auf einen Platz auf dem Podium. „Es wäre sicherlich sehr schön, gerade hier in Monza. Es ist eines der Podien mit der schönsten Atmosphäre. Träumen soll erlaubt sein“, sagte der Dreiundvierzigjährige.
Sein Teamkollege Nico Rosberg steht als Sechster eine Reihe hinter ihm: „Unser Tempo ist im Rennen ja meist sehr gut. Deshalb sollte es möglich sein, gute Punkte zu holen.“ Zu einer Enttäuschung wurde der Samstag hingegen für Nico Hülkenberg, der seinen Force India wegen Motorproblemen schon nach wenigen Metern abstellen musste und deshalb als 24. und Letzter starten wird.
1. Startreihe:
1. Lewis Hamilton (England) McLaren Mercedes 1:24,010 Min.
2. Jenson Button (England) McLaren Mercedes 1:24,133
2. Startreihe:
3. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari 1:24,247
4. Michael Schumacher (Kerpen) Mercedes 1:24,540
3. Startreihe:
5. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull 1:24,802;
6. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 1:24,833
4. Startreihe:
7. Kimi Räikkönen (Finnland) Lotus 1:24,855
8. Kamui Kobayashi (Japan) Sauber 1:25,109
5. Startreihe:
9. Paul di Resta (Schottland) Force India 1:24,304 + 5 Plätze/Getriebewechsel
10. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari 1:25,678
6. Startreihe:
11. Mark Webber (Australien) Red Bull 1:24,809
12. Sergio Perez (Mexiko) Sauber 1:24,901
7. Startreihe:
13. Bruno Senna (Brasilien) Williams 1:25,042
14. Daniel Ricciardo (Australien) Toro Rosso 1:25,312
8. Startreihe:
15. Jérôme D’Ambrosio (Belgien) Lotus 1:25,408
16. Jean-Eric Vergne (Frankreich) Toro Rosso 1:25,441
9. Startreihe:
17. Heikki Kovalainen (Finnland) Caterham 1:26,382
18. Witali Petrow (Russland) Caterham 1:26,887
10. Startreihe:
19. Timo Glock (Wersau) Marussia 1:27,039
20. Charles Pic (Frankreich) Marussia 1:27,073
11. Startreihe:
21. Narain Karthikeyan (Indien) HRT 1:27,441
22. Pastor Maldonado (Venezuela) Williams 1:24,820 + 10 Plätze/Regelverstoß GP Belgien
12. Startreihe:
23. Pedro de la Rosa (Spanien) HRT 1:27,629
24. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force India -