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Rückkehr in Königsklasse : Porsche will mit Vollgas in die Formel 1

Die Marke Porsche könnte schon bald wieder in der Formel 1 präsent sein. Bild: AP

Die Rennserie mag sich im Kern nicht gewandelt haben, aber die größten beiden Hindernisse sind verschwunden. Porsches Rückkehr in die Formel 1 nimmt konkrete Formen an. Nur eine Frage ist offen.

          Bernie Ecclestone? Vor einem Jahr noch konnten sich selbst die Teamchefs der Formel 1 ihr Renn-Leben nicht ohne den kleinen Briten vorstellen. Der Zirkusdirektor aus dem Rennen? Unvorstellbar. Eine Saison später ist die Inkarnation des Formel-1-Geschäfts, der vom neuen Rechtebesitzer geschasste Lenker und erste Kassierer der vergangenen vierzig Jahre, nicht nur aus den Augen, sondern auch aus dem Sinn. Die Formel 1 hat sich trotzdem weiter gedreht. Schneller sogar, sie hat am laufenden Band Rekorde gebrochen. Und doch kreist sie auch zum Finale an diesem Sonntag in Abu Dhabi (14 Uhr MEZ im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1, bei RTL und Sky) wieder um uralte Fragen: Wie geht es weiter, und wer ist der stärkste Steuermann?

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Lewis Hamilton hat den Arm längst gehoben. Seine Spitzen während einer launigen Pressekonferenz unter anderem zum besten Überholmanöver der Saison bringen den eloquenten Sebastian Vettel zunächst auf Touren: „Da bleibt nicht viel Erinnerungswertes. Du musstest ja nicht viele überholen.“ Der Champion kontert im Formel-1-Tempo: „Ich bin ein paar Mal an dir vorbeigefahren“, sagt Hamilton süffisant und lässt eine winzige Pause, bevor er das verbale Manöver lächelnd vollendet: „Das hat gereicht.“ Treffer. Schon hatten die Rivalen vor der ersten Runde auf dem Yas-Marina-Kurs den Wettlauf wieder eröffnet. Vettel will unbedingt im Emirat triumphieren, um mit einem Erfolgsgefühl überwintern zu können. Hamilton ist begierig auf den perfekten Abschluss seiner großen Sause, auf die letzte Krönung 2017 als Zeichen seiner Herrschaft.

          Es gibt keine Pause im großen Rennen. Und so wird auch nach dem Finale weiter gekämpft um jeden Zentimeter Vorsprung, erbittert, wie in der Ära Ecclestone. Hinter den Kulissen haben sich die Allianzen formiert. Hier der Internationale Automobil-Verband (Fia) zusammen mit dem amerikanischen Besitzer der Vermarktungsrechte, Liberty Media. Dort die Konzerne Daimler, Renault, Honda und Ferrari mit Fiat im Rücken. Diese Teambesitzer oder Motorenlieferanten wehren sich gegen längerfristige Abrüstungsvorstellungen von Fia und Vermarkter. Die beiden hatten mit einer Pressemitteilung den Eindruck erweckt, die Vereinfachung der Antriebstechnik werde nicht nur viel Geld sparen, sondern auch von allen getragen.

          Das wäre dann im Jahr eins nach Ecclestone der größte Fortschritt gewesen. Aber schon der erste Funke entzündete das typische Formel-1-Gemisch. Zwar war der Knall nicht so laut wie die Explosion eines Formel-1-Aggregates bei Vollgas. Doch der Rauch über dem Fahrerlager zeugt vom Feuer im Stall. Die Konzerne protestierten und argumentierten: Weil die für 2021 vorgesehene Umrüstung die Konstruktion eines neuen Antrieb-Konzeptes verlange, zum Preis von 100 Millionen Euro. Wer recht hat? Bis zur Klärung dieses komplexen Streits um das Wohl und Wehe der Formel 1 nur einer: Ecclestone. Der Greis war immer davon überzeugt, dass die Fahrer, Manager und ein Boss wie er kommen, gehen oder gegangen werden, die Formel 1 aber bleibt, was sie ist. Ein unzerstörbares Schlachtfeld.

          Die Attraktivität hält offenbar an. Zumindest lassen sich namhafte Player kaum (mehr) abschrecken von der Herausforderung, nicht nur schnell, sondern auch besonders indolent sein zu müssen. Honda hat wegen seines fehlerhaften Antriebes im McLaren während der gesamten Saison öffentlichen, ätzenden Spott sogar seines Starpiloten Fernando Alonso hinnehmen müssen. Trotzdem stürzten sich die Japaner nicht ins Schwert. Sie bleiben im Rennen. In der kommenden Saison treiben sie die Boliden von Toro Rosso an. Porsche ist nach einer vergleichbaren Demütigung 1991 ausgestiegen. Im Sommer deuteten erste Hinweise auf eine Rückkehr hin, nun zeichnet sich das Comeback der Schwaben konkret ab. Nach dem allerletzten Langstreckenrennen am vergangenen Sonntag ist die Rennabteilung (230 Mitarbeiter) nicht etwa verkleinert worden, obwohl der Einstieg in den Elektrosport 2019, in die Formel E, mit wesentlich weniger Personal zu schaffen wäre. Längst wird am Standort in Weissach an einem Einzylinder-Modell geforscht. Mit dem klaren Auftrag, Formel-1-Standards zu erreichen und möglichst zu übertreffen – etwa die Effizienz des Mercedes-Motors.

          Ecclestone und Piëch sind verschwunden

          Weil hochgeschätzte Ingenieure wie die Motorenexperten Thomas Krämer und Donatus Wichelhaus eingebunden sind, lässt sich die Absicht kaum mehr kaschieren: Porsche bereitet sich mit Vollgas auf den Wiedereinstieg 2021 in die Königsklasse des Motorsports vor; und wird sich im ersten Schritt wohl mit Red Bull zurück auf die Strecke wagen. Zwar verweigern Porsche-Vorstände konkrete Aussagen zum Formel-1-Einstieg. Aber der Beschluss ist, falls das Motorenreglement den Vorstellungen entspricht, nur eine Formsache. Offen bleibt, wie Porsche seine Rückkehr inszeniert: Wird es ein Comeback allein als Motorenlieferant, oder tritt der Sportwagenhersteller auf Dauer als Team auf? In Weissach steht ein neuer Windkanal, es gibt eine Designabteilung, ein Gebäude für eine Antriebsprüfung soll hinzukommen. „Weissach“, so wird Porsches Entwicklungschef Michael Steiner zitiert, „kann alles.“

          Die Formel 1 mag sich im Kern zwar (noch) nicht gewandelt haben. Aber die größten Hindernisse für Porsche sind verschwunden: Ecclestone und der Mann, der den letzten Formel-1-Plan (vom Porsche-Mutterkonzern VW) im letzten Moment kassierte: Ecclestones Feind Ferdinand Piëch.

          Rückblick auf Jahresanfang : Ecclestone als Formel-1-Chef abgelöst

          Quelle: F.A.Z.

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