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Veröffentlicht: 22.01.2013, 17:39 Uhr

Formel 1 Österreicher sollen den Stern polieren

Mercedes strukturiert sein Formel-1-Team um. Top-Fahrer und Teamchef sind Engländer. Das Auto kommt aus Brackley, der Motor aus Brixworth. Und vierzig Prozent der Anteile liegen in Österreich.

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© dpa Der neue Star bei Mercedes: Lewis Hamilton

Neuer Sportdirektor, neuer Teilhaber, neuer Fahrer: Mercedes wagt einen Neustart in der Formel 1. Aus der vor drei Jahren von Konzernboss Dieter Zetsche gefeierten „Nationalmannschaft“ des Motorsports mit Michael Schumacher als Pilot, Norbert Haug als Sportchef und dem Boliden als Transportmittel zurück in eine Silberpfeil-Ära des dritten Jahrtausends ist eine internationale Fahrgemeinschaft geworden. Der Engländer Lewis Hamilton wurde als neuer Held im Cockpit verpflichtet, die Zukunft des heiklen Fahrgeschäfts legte der Konzern nun in die Hände eines zweiten Österreichers: Torger Christian Wolff, genannt „Toto“, hat neben seinem Landsmann Niki Lauda, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Teams, die „Gesamtverantwortung“ übernommen. Die Mercedes-Bosse an der Rennstrecke kommen aus der Alpenrepublik.

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Ob das so geplant war? Vor Weihnachten, schilderte der frühere Rennfahrer Wolff, sei man „aufeinander zu gekommen“. Es gab nach der Entlassung von Haug Ende November also noch keinen Nachfolger. Wolff sprach bei einer Telefonkonferenz am Dienstag davon, erstmal die vergangene Saison zu analysieren und zu einer Bestandsaufnahme zum Teamsitz Brackley nach England zu reisen. Er sei noch gar nicht richtig aufgeschlagen: „Ich bin noch keinen Tag in Brackley gewesen“, so der Einundvierzigjährige. Im Gegensatz zu Haug will Wolff dort und nicht in Stuttgart am Schreibtisch sitzen.

Norbert Haug und Toto Wolff © dpa Vergrößern Torger Christian Wolff (rechts) kommt als neuer Rennleiter, Norbert Haug ist Geschichte

Was er in Brackley vorfinden wird? Ein Team, das bislang nicht mithalten konnte. Trotz der großen Namen: Mercedes, Schumacher, Teamchef Ross Brawn. Dabei kam in drei Jahren nur ein Sieg (Nico Rosberg) heraus. Mit dem Blick des Kaufmanns und des Finanzinvestors wird Wolff die glänzende Verkleidung jedoch schnell durchschauen und die Defizite aufdecken: Das Budget von Mercedes war bisher zu gering, das Team zu klein. Ob sich daran etwas ändert? „Ich werde versuchen, mit den vorhandenen Ressourcen zu arbeiten.“ Frei übersetzt: Kurzfristig ist kaum mit einem Sprung in die Topriege mit Red Bull, Ferrari und McLaren zu rechnen. Hamilton ist dennoch optimistisch: „Die Verantwortlichen glauben, dass durch die Umstrukturierung bessere Ergebnisse erzielt werden können“, sagte der Achtundzwanzigjährige. „Ich sehe das sehr positiv, es ist eine Verbesserung zum Guten. Es inspiriert mich, zu wissen, dass ich zu einem Team komme, das hungrig nach Erfolg ist und dafür etwas unternimmt.“

Dreißig Prozent der Anteile vom Formel-1-Team Mercedes hat Wolff gekauft, zehn Prozent gehören nun Lauda. „Ich habe mit Toto darüber diskutiert. Ich bin der Meinung, dass wir durch unsere Investition unsere Vorbild-Rolle und Motivation für das Team zeigen“, sagte Lauda. „Wir riskieren unser eigenes Geld. Und das Risiko ist ganz einfach: Wenn das Auto schlecht geht, verliert man Geld. Wenn das Auto gut geht, könnte man Geld verdienen.“ Zusammen halten die beiden Österreicher nun jenen Teil, der zuvor dem Finanzinvestor Aabar aus Abu Dhabi gehörte. Die Araber hatten sich im November 2012 von Mercedes getrennt. Ob Wolff mit seinem Engagement wirklich die Hoffnung auf finanziellen Gewinn verbinde? „Mir geht es in erster Linie um den sportlichen Erfolg. Und mit sportlichem Erfolg verdient man Geld – das ist das Charmante an der Formel 1.“

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Wolff schloss nicht aus, dass er perspektivisch weitere Anteile erwerbe, was auf lange Sicht eine Privatisierung des Teams und vielleicht sogar eine Rückzugs-Chance für Mercedes bedeuten könnte. Es ist nicht das einzige Investment von Wolff im Motorsport. Seit 2006 ist er Teilhaber am Mercedes-Tuner HWA AG, im November 2009 kaufte er zwanzig Prozent des Williams-Teams in der Formel 1. „Ich bin mir des möglichen Interessenkonflikts bewusst und werde versuchen, ihn zu vermeiden“, sagte Wolff.

Was bleibt vom deutschen Rennstall Mercedes? Das Auto wird in Brackley gebaut, der Motor in Brixworth, ein Fahrer sowie der Teamchef sind Engländer, vierzig Prozent der Anteile wurden nach Österreich verkauft. Welche Hymne nach Erfolgen gespielt werde? „Ich gehe davon aus, dass es die deutsche ist“, sagte Wolff.

Quelle: F.A.Z.

 

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