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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Formel 1 Lewis Hamilton, Sieger 007

 ·  Siebter Sieger im siebten Grand Prix: In Montreal siegt McLaren-Pilot Hamilton vor Grosjean und Perez. Vettel wird Vierter. Schumacher fällt wieder aus.

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© REUTERS Feierstunde mit Union Jack: Lewis Hamilton

Es bleibt dabei. Die Formel 1 ist nicht zu kalkulieren. Im siebten Rennen der Saison präsentierte sie den siebten Sieger: Lewis Hamilton gewann am Sonntag den Großen Preis von Kanada in Montreal vor dem Franzosen Romain Grosjean im Renault und Sauber-Pilot Sergio Perez. Vierter wurde Sebastian Vettel, der wie Ferrari-Mann Fernando Alonso, eine bessere Platzierung beim Strategiepoker verlor.

Eine Überraschung ist Hamiltons Erfolg für sein Team McLaren aber nicht. Schon in Australien hatte sein Teamkollege Jenson Button gewonnen, und in Barcelona verlor Hamilton seine Siegchance nur, weil er nach dem Gewinn der Pole-Position wegen eines formalen Regelverstoßes ans Ende der Startaufstellung verbannt worden war. „Endlich hat es geklappt. Nun bin ich voll im Rennen“, sagte der Brite und strahlte.

Hamilton übernimmt WM-Führung

Denn im Blick hatte er nach seiner Siegestour die Gesamtwertung nach sieben von zwanzig Grand Prix: Die führt er mit 88 Punkten vor Alonso (86) und Vettel (85) an, die von Mark Webber (Red Bull/ 79) und Nico Rosberg (Mercedes/67) verfolgt werden. Sie alle haben gute Chancen, Weltmeister zu werden. Jahrzehnte bot die Formel 1 nicht eine solche Leistungsdichte.

Das Rennen auf der „Ile de Notre Dame“ ist berühmt und vor allem berüchtigt für seine Tücke. Selten kam das Formel-1-Feld ohne Unfälle über die Runden, ohne den Einsatz des Sicherheitsfahrzeuges. 2011 führte ein sintflutartiger Regen zu einer stundenlangen Unterbrechung. Diesmal gab es keine spektakulären Ausfälle. Dafür aber ein taktisches Spielchen hinter den Kulissen, ein Pokerspiel um die Haltbarkeit der Reifen, dass die Strategen ab der Mitte des Rennens in Atem hielt.

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Gute Aussichten: Nach dem Start führt zunächst Sebastian Vettel © dpa Gute Aussichten: Nach dem Start führt zunächst Sebastian Vettel

Vettel hatte seine Pole-Position zur Führung ins Rennen genutzt, aber weder Hamilton noch Alonso abschütteln können. Sie überholten den Deutschen nach dessen frühem Service via Boxenstopp. Hamilton zog schließlich am Ferrari auf der Piste vorbei. So schoss das Trio dem Feld voran, ehe Hamilton knapp zwanzig Runden vor dem Ende zum zweiten Boxenstopp abbog. „Werden die anderen durchfahren?“, fragte er über den Boxenfunk. Die Strategen beruhigten ihn, aber nach dem Rennen gab Teamchef Martin Whitmarsh lachend vor Glück zu, dass die Spannung schwer auszuhalten war: „Wir wussten nicht, ob es aufgeht, wir haben uns schon Sorgen gemacht.“

Weil Alonso und Vettel nach dieser 51. Runde munter auf dem Gas blieben, keine Anstalten machten, auf ihren alten Pneus Tempo zu verlieren. Aber diese Durchhaltestrategie rächte sich. Schleichend, schilderte Vettel, kam die Erkenntnis, auf dem falschen Weg zu sein. „Dann sind die Reifen eingebrochen, ich konnte die Rundenzeiten nicht mehr mitgehen.“

Vettel hatte kaum Zeit, das Überholmanöver von Hamilton zu beobachten, so schnell jagte der McLaren an seinem Red Bull und dann am schlitternden Ferrari vorbei an die Spitze. In dessen Sog sprangen auch Grosjean und Perez, von Startplatz 15 losgesaust, auf das Podium. Beide hatten von vornherein eine Ein-Stopp-Strategie avisiert. Ihre Autos gelten als besonders reifenschonend, was Vettel dann zu spüren bekam. Er und sein Team reagierten auf diese offensichtliche Fehlkalkulation: „Es war richtig, dann doch noch mal neue Reifen zu holen.“ So reichte es wengistens, in der vorletzten Runde noch Alonso abzufangen: „Wir haben viel gelernt“, sagte Vettel im Privat-Sender RTL, „wir haben wichtige Punkte gewonnen.“

Ferrari dagegen musste den Spott der Beobachter ertragen: „Diese Taktik“, behauptete der frühere Toro-Rosso-Pilot Jaime Alguersuari, „war ein Riesenfehler, ein ganz dicker Fehler. “ Alonso wehrte sich: „Wenn wir es so wie Hamilton gemacht hätten, wären wir vielleicht Zweiter geworden, aber wir wollten gewinnen.“

Schumacher fällt wieder aus

Daran hatte man bei Mercedes vor der Anreise nach Montréal auch gedacht. Aber mehr als Rang sechs für Nico Rosberg sprang beim Abstecher nach Übersee nicht heraus. Und Schumacher? Ausgefallen: Das ist die Geschichte seiner Saison. Nicht die Frage, ob er hält, was sich viele von dem Rekord-Weltmeister immer noch versprechen, sondern ob der Mercedes auf dem Niveau des Piloten ist.

Am Sonntag zeigte sich das Topmodell der Sportabteilung mal wieder zickig und verklemmt. Das bewegliche Element des Heckflügels blieb in der 46. Runde in der offenen Position hängen. Und ließ sich nicht mal beim Boxenstopp von Männerhänden lösen. Feierabend, zum fünften Mal in dieser Saison musste der Rheinländer aufgeben, dreimal wegen technischer Pannen, einmal wegen eines Missgeschicks beim Reifenwechsel. Zusammen mit den Problemen beim Zeit-Training wie am Samstag, Schumacher hatte wegen eines schlechten Timings seines Teams die letzte Runde beim Startplatzrennen abbrechen müssen und war nur Neunter geworden, ergibt sich ein merkwürdiges Bild: Wenn etwas schiefgeht im Team, dann meistens beim ältesten Piloten.

Der aber wies den Verdacht, Opfer schlampiger Arbeit zu sein, zurück und stellte sich vor seine Mechaniker: „Ich bin hundertprozentig überzeugt, dass meine Jungs das Beste probieren. Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich bei den Autos um Prototypen handelt. Da kann so etwas passieren. Schade.“ Sprachs und verschwand im Truck. Hinter verschlossenen Türen wird offener gesprochen.

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