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Formel 1 Koste es, was es wolle

Geld schießt Tore. Gewinnt es auch Rennen? Die Formel-1-Teams haben ihre Budgets zurückgeschraubt. Nur Red Bull gibt mehr aus. Das sorgt für Kritik unter den Mitbewerbern vor dem Rennwochenende in Abu Dhabi.

© dpa Geld gewinnt Rennen: Red Bull gibt für Sebastian Vettels Auto mehr aus als die Konkurrenz für ihre Wagen

Ein Limonadehersteller fordert die Ikonen des Automobilbaus heraus. Gäbe es eine Umfrage über den Bekanntheitsgrad von Automarken stünden Mercedes und Ferrari ganz vorne. Auch wenn sie grundverschieden sind. Der deutsche Premiumhersteller beschäftigt weltweit 273.000 Mitarbeiter und baut alles vom Kompaktmodell bis zur Staatskarosse.

Ferrari steht für schnelle, teure Sportwagen. Maranello beschäftigt rund 3000 Angestellte. Mercedes und Ferrari eint, dass sie seit drei Jahren gegen Red Bull verlieren - eine Firma, die mit Autos nichts am Hut hat, außer dass ihr Chef Dietrich Mateschitz vom Rennsport infiziert und derzeit der größte Mäzen des PS-Spektakels ist. Das Logo des roten Bullen fährt in der Formel 1, im Deutschen Tourenwagen-Masters, der Rallye-WM, in der MotoGP und im Motocross mit.

Red Bull gibt pro Jahr rund 600 Millionen Euro für Sportsponsoring aus. Auch Fußball, Eishockey und Extremsportarten gehören zum Portfolio der Marke, die mit ihrem Getränk ein Lebensgefühl verkaufen will. Die letzte spektakuläre Aktion war Red Bull Dutzende Millionen Euro wert. Der Österreicher Felix Baumgartner sprang aus 39 Kilometern Höhe aus einem Ballon und durchbrach frei fliegend die Schallmauer.

Betreibt Red Bull Wettbewerbsverzerrung?

Red Bull will Grenzen neu definieren. Nicht nur in Stuttgart und Maranello wundert man sich, wie diese Masche in der Königsklasse des Motorsports Erfolg haben kann. Liegt es nur an einem gewissen Adrian Newey, dem Genie hinter dem Reißbrett, der gemessen an den Erfolgen seiner Kreationen so viel wert ist wie Sebastian Vettel, Fernando Alonso und Lewis Hamilton zusammen? Hat Red Bull einfach nur das besser eingespielte Team, das besser strukturierte Konstruktionsbüro und die besseren Werkzeuge, vom Windkanal bis zum Fahrsimulator? Oder ist es am Ende doch eine Geldfrage?

Formula One Grand Prix of India © dpa Vergrößern Weniger Ausgaben für Mitarbeiter? Alonso fährt vielleicht auch wegen der Finanzen knapp hinter Vettel her

Hinter vorgehaltener Hand ist an allen Ecken und Enden des Fahrerlagers zu hören, dass die jüngste Entwicklungsoffensive von Red Bull im Rahmen der vereinbarten Ressourcenbeschränkung nicht darstellbar sei. „Die entwickeln mit einer Frequenz, die alle Windkanallimits und Materialbeschränkungen sprengt“, ärgern sich die Kritiker auch vor dem Rennwochenende in Abu Dhabi (F.A.Z.-Liveticker).

245 Millionen für einen Titel

Red Bull bestreitet, dass man mehr Geld ausgibt als die Konkurrenz. „Wir geben es effizienter aus“, attackiert Teamberater Helmut Marko seine Gegner. Die warten mit Spannung jedes Jahr auf die Zahlen des Londoner „Companies House“, eine Art Handelsregister, in dem alle im Vereinigten Königreich ansässigen Firmen ihre Bilanzen offenlegen müssen. Darunter auch ein Großteil der Formel-1-Teams.

Seit ein paar Wochen liegen die Zahlen von 2011 auf dem Tisch, allerdings noch nicht komplett. Die Meldungen von McLaren und Force India stehen noch aus. Red Bull war Vettels zweiter WM-Titel in der Saison 2011 die stolze Summe von 245 Millionen Euro wert. Das sind die Ausgaben von Red Bull Technology, die neben dem eigenen Team auch noch Caterham mit dem Getriebe und Kers beliefern. 207 Millionen Euro dieser Summe entfallen allein auf Red Bull Racing. Das waren 42 Millionen Euro mehr als in der Saison 2010. „Alle anderen haben ihre Budgets zurückgeschraubt. Red Bull gibt mehr aus“, wundert sich Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn.

Kostendeckelung ist das Thema

Das Mercedes-Rennteam kommt den Angaben des Companies House zufolge 2011 auf ein Budget von 145 Millionen Euro, also 100 Millionen Euro weniger als Red Bull. Lotus gab vor einem Jahr 155 Millionen und Williams 111 Millionen Euro aus. Da kann man verstehen, dass Red Bull seit Jahren alle Bemühungen um eine Kostenkontrolle seitens des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia) oder gar einer Budgetdeckelung trickreich hintertreibt.

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