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Formel-1-Kommentar : Ferrari dreht auf

Ferraris Vorstandsvorsitzender Sergio Marchionne meldet sich zu Wort. Bild: Reuters

Die Motoren schweigen in der Formel 1. Dafür meldet sich Ferrari zu Wort. Die Scuderia denkt laut über eine Alternativserie nach. Eigentlich geht es aber um eine andere Sache.

          Herrliche Vorweihnachtszeit. Mancher kommt zur Besinnung, beim Blick in die Bibel, zum Beispiel. Wobei die Botschaft natürlich davon abhängt, auf welchen Teil der Schrift der Blick fällt. Sergio Marchionne, als Vorstandschef von Fiat-Chrysler und Vorstandsvorsitzender von Ferrari, ist es in diesen Tagen noch nicht nach neutestamentarischer Vergebung. „Mich stört“, sagte Marchionne am Montag in Maranello, „dass es bei Liberty Media eine Person gibt mit großer Erfahrung in der Formel 1, die Ross Brawn heißt, die ihr eine Richtung vorgibt, die nicht in der DNA der Formel 1 liegt. Ross geht ins Fernsehen und verkündet Gebote wie Moses.“

          Alttestamentarischer Zorn bewegt das Herz des Ferrari-Chefs ob der Sparpläne, die bei den Rechteinhabern von Liberty Media, zu deren Geschäftsführern der frühere Ferrari-Technikchef Brawn gehört, für die Zeit nach 2020 gedeihen. Einfachere Motoren, mehr Gleichteile? „Wenn die Autos alle gleich sind wie in der Nascar-Serie“, drohte Marchionne, „dann ist Ferrari am nächsten Tag aus dem Grand-Prix-Sport verschwunden. Was wir tun, Mercedes, Renault, Honda und wir selbst, Motoren für 15 Millionen Euro im Jahr an andere Teams zu liefern, ist schon ein Wunder. Ich frage Brawn: Was willst du noch für das Geld?“ Die Rennen seien langweilig, da müsse er Liberty Media recht geben, aber die Regeln legten den Ingenieuren die Fesseln an: „Man brauchte echte Freiheit, um Autos zu entwickeln.“

          Mit echter Freiheit kennt Marchionne sich aus. So laut wie jetzt, da die Motoren schweigen, war die Scuderia in diesem Jahr noch gar nicht. Stattdessen hatte sich Marchionnes Team über einen beträchtlichen Teil der Saison die Freiheit genommen, gar nichts zu sagen, schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Dafür gibt es nun Drohungen mit Nenndrehzahl. Es sei wieder einmal Zeit, über eine Alternativserie zur Formel 1 nachzudenken: „Ich glaube, dass Ferrari die Kraft hat, andere in eine Alternative zu ziehen.“

          Als die Hersteller zuletzt damit drohten – vor rund fünfzehn Jahren entstand ein ausgearbeitetes Konzept –, hatte sich Ferrari von Bernie Ecclestone mit einer Bonuszahlung von jährlich 100 Millionen kaufen lassen. Ferrari blieb in der Formel 1. Selbstverständlich geht es bei den Verhandlungen um die Formel-1-Zukunft auch um die Frage, ob Ferrari den Sonderstatus behält. Wie schnell Marchionne die Nächstenliebe entdeckt, ist also nicht zuletzt eine Frage des Geldes. Da bleibt sich die rasende Wertegemeinschaft treu: Wichtiger als der Blick in die Bibel ist der Blick aufs Konto. Das ist das oberste Gebot.

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