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Formel-1-Kommentar Weltmeister nach Punkten

 ·  Jenson Button hat den Weltmeistertitel in der Formel 1 über die letzten Runden von Sao Paulo gebracht. Er war am Ende nicht der glanzvolle Weltmeister, sondern der fleißigste Punktesammler. Ein Champion aber kommt auf anderem Weg ins Ziel.

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Jenson Button ein würdiger Weltmeister? Es hat schon Fälle gegeben, die mehr Zweifel erzeugten. Ayrton Senna schoss einst Alain Prost nach Ansage von der Piste – und wurde deshalb Champion. Inzwischen vergöttern Formel-1-Fans den 1994 tödlich verunglückten Brasilianer. Michael Schumacher stellte sich 1994 im Saisonfinale von Adelaide mit seinem verbeulten Benetton Damon Hill so in den Weg, dass ihn die folgende Karambolage zum Weltmeister machte. Heute ist Schumacher nicht nur der erfolgreichste Pilot, sondern ein begehrtes Spekulationsobjekt. Alle wollen, dass er wieder fährt. Warum eigentlich?

Das liegt auch an Button. In seinen zehn Jahren Formel 1 ist der Engländer nicht sonderlich häufig aufgefallen. Am Anfang, als kesser Einsteiger bei BMW-Williams. Und nun wieder: als sechsmaliger Grand-Prix-Sieger im Überraschungsmobil von Brawn. Diese phänomenale Erscheinung in der ersten Saisonhälfte galt als letzter Beweis für die Abhängigkeit des Menschen von der Maschine: Ein Bolide mache einen Piloten zum Champion, nicht umgekehrt.

Die zweite Saisonhälfte widerlegte diese These. Der strahlende Sieger verlor sein Tempo, zockelte häufig wie auf Schleichfahrt ins Ziel, während sein Teamkollege Rubens Barrichello regelmäßig schneller fuhr, sogar siegte. Die defensiv wirkende Vorstellung Buttons seit Juli verstärkte einen Verdacht: Button fehlt die Fähigkeit, die ständige Weiterentwicklung des Autos auch in seinem Sinne zu beeinflussen. Der Brawn wurde durch die Entwicklung unter dem Druck der Verfolger zwar schneller, aber Button war daran wohl unbeteiligt. Zumindest konnte er sich den Veränderungen des Fahrverhaltens nicht anpassen.

Ein Champion fährt anders

Eine halbe Saison Dominanz ist zwar eine große Leistung, ist aber kein ausgezeichneter Beleg für die Qualität anno 2009. Sebastian Vettel und Red Bull waren – das zeigen die kleinen wie folgenschweren Fehler aus Unerfahrenheit – noch nicht reif für den Titel. Barrichello fehlte – wie schon bei Ferrari – die Konstanz. So gesehen hat sich Button mit nun 29 Jahren den Titel verdient: Er ist ein Weltmeister nach Punkten. Ein Champion aber kommt auf anderem Weg ins Ziel.

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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