Wochenlang haben sie sich herausgeredet oder geschwiegen: Funktionäre, Teamchefs, Fahrer, Menschen aus dem Formel-1-Tross, die ein hohes Verantwortungsbewusstsein für sich in Anspruch nehmen. Denn sie durchschauen die komplexen Gebilde wie die Abstimmung eines Millionen teuren Formel-1-Boliden, sie steuern mittelständische Unternehmen und bewegen sich virtuos im vertrackten Machtspiel der Szene wie Jean Todt, einst erfolgreicher Ferrari-Boss und nun Präsident des Internationalen Automobilverbandes.
In Bahrein versammelten sich also nicht die Dümmsten. Aber zu den selbstverständlichen Dingen, den Menschenrechten, wollte ihnen angeblich nichts einfallen. Schlimmer noch. Todt verglich die Zustände in Bahrein allen Ernstes mit Krawallen in deutschen Fußballstadien und forderte dazu auf, positiv zu berichten: „Fragen Sie die Streckenposten, die sind glücklich.“
Große Sportveranstaltungen waren und werden immer Teil politischer Selbstdarstellung sein. Das ließ sich 1936 bei den Sommerspielen der Nazis in Berlin erkennen, beim Auftritt der Olympier 2008 in Peking oder am Sonntag in Bahrein. Auch die Ukraine will die Fußball-Europameisterschaft im Juni für ihre Außendarstellung nutzen, ganz zu schweigen vom weißrussischen Diktator Lukaschenka, der die Eishockey-WM 2014 ausrichten soll.
Einer Auseinandersetzung mit der Praxis, für Diktaturen heitere Spiele zu organisieren, will sich der Sport immer mit dem Hinweis auf seine angebliche Neutralität entziehen. Im gleichen Atemzug aber klagen seine Funktionäre die gesellschaftspolitische Bedeutung des Sports ein, predigen von der erfolgreichen Wirkung seiner Werte auf die Menschen.
Athleten sollten ihre Kraft nutzen
Vielleicht überschätzt sich der Sport maßlos. Aber Athleten sollten ihre Kraft nutzen. Ihnen wird zugehört, wo Politiker längst ausgespielt haben. Dabei verlangt niemand, dass die Vettels oder Lahms mit detailliertem politischem Hintergrundwissen als eifrige Botschafter der Demokratie durch die Welt reisen. Sie müssen sich allerdings ihrer besonderen Verantwortung als Staatsbürger bewusst werden und bei Gelegenheit mit klaren Positionen keine Missverständnisse aufkommen lassen. Denn es geht weder in Bahrein noch in der Ukraine um Einflussnahme in einem Streit unter Parteien, sondern um den kleinsten gemeinsamen Nenner einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.
Von der Freiheit, ihre Talente entfalten zu können, haben viele der Rennfahrer auf ihrem Weg in die Formel 1 profitiert. So sprach- und damit haltungslos wie sie nun auftraten, müssen die um ihre Rechte kämpfenden Menschen in Bahrein aber einen fatalen Eindruck gewonnen haben: Dass sich Sportler demokratischer Länder nur für Fair Play, Toleranz und Gerechtigkeit interessieren, wenn es sie selbst betrifft.
Kennen wir die Araber- ein typisch eurozentristischer Kommentar
nikolaus neugrodda (eifelstar)
- 23.04.2012, 15:59 Uhr
Herr Hecker: Aber Athleten sollten ihre Kraft nutzen, denn ihnen wird
zugehört. ????
Rolf-Dirk Maehler (RDMAEHLER1)
- 23.04.2012, 13:21 Uhr
Interessen und Gerechtigkeit
Jürgen Lux (jovid)
- 23.04.2012, 12:58 Uhr
Instrumentalisierung von Sport
Thomas Wiesengrund (Omega08)
- 23.04.2012, 12:19 Uhr
Warum fragt man nicht erst mal die Sponsoren (statt den Sportlern)?
Hans Meier (HansMeier555)
- 23.04.2012, 10:54 Uhr