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Formel-1-Kommentar Selbst schuld!

 ·  Erstaunlich gnädig: Das Tribunal des Motorsport-Weltverbands verwarnt Mercedes im Reifentest-Skandal lediglich. Der Rennstall und Reifenhersteller Pirelli sollen im guten Glauben gehandelt haben.

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© AP Vergrößern Gnädiges Tribunal: Mercedes kommt mit einer Verwarnung davon

Eine kleine Strafe, mehr nicht? Das ist ungewöhnlich für die Richter des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia). Gewöhnlich schlagen sie hart zu. 2007 wurden McLaren und Mercedes in der Spionageaffäre rund um Ferrari unter anderem zu einer Geldstrafe in Höhe von 100 Millionen Dollar verurteilt. Diesmal stellt das Gericht zwar zwei ernsthafte Regelverstöße fest. Aber die Delinquenten, das Formel-1-Team Mercedes und Pirelli, sollen im „guten Glauben“ gehandelt haben. Das reicht inzwischen für große Milde.

Die Dose der Pandora, die Red-Bull-Sportdirektor Helmnut Marko seit Bekanntwerden der Testaffäre geöffnet sah, ist also wieder verschlossen. Nun kann wieder Friede herrschen. Vorausgesetzt, die Motorsportstrategen des Brauseherstellers schäumen nicht vor Wut und produzieren im Überdruck des aufgeblasenen Formel-1-Wettbewerbs Verschwörungstheorien. Denn aus Fia-Urteilen wird traditionell ein sportpolitisches Kalkül herausgelesen.

Sind Pirelli und Mercedes davon gekommen, weil sie zu wertvoll sind für die fragile Formel-1-Konstruktion, weil niemand ihren Ausstieg riskieren will? Immerhin ist der Pneu-Fabrikant zuletzt vorgeführt worden, obwohl er den komplizierten Auftrag der Formel 1, noch schneller verschleißende Reifen zu liefern, nur leicht überschritt. Die Lust des Mercedes-Vorstandes, weiter hinterher zu fahren, ist zweifellos auch endlich.

Nachfragen müßig

Aber diese simple Interpretation lässt sich nach Lektüre der Urteilsbegründung nicht halten. Es stimmt zwar: Kein Rennstall der Formel 1 ist so selbstvergessen, Mann, Maschine und Maus nur zum Vorteil eines Reifenherstellers zur Verfügung zu stellen. Mercedes hat davon profitiert.

Aber die Fia, das bescheinigen die Richter dem Verband, tat vieles, um den Test legal erscheinen zu lassen. Wenn doch neben dem Rennleiter selbst ein Haus-Jurist zustimmte. Vor diesem Hintergrund ist es müßig zu fragen, ob die Angeklagten letztlich im „guten Glauben“ oder clever agierten. Ihren Richtern blieb kein Spielraum, hart zuzuschlagen. Durchgreifen aber müsste man schon, falls die Formel 1 solche PR-Desaster in Zukunft vermeiden will: Zuerst bei der Fia.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)

21.06.2013, 16:09 Uhr

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Von Michael Ashelm

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