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Formel-1-Kommentar Mit Charakter

 ·  Kimi Raikkönen schert sich nicht um Konventionen in der Formel 1. Er ist einfach nur ein guter Pilot. Zum Saisonauftakt hat er mit vergleichsweise einfachen Mitteln die Hierarchie im Fahrerlager erschüttert.

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© AP/dpa Vergrößern Kampf den Konventionen: Kimi Raikkönen (l., mit Sebastian Vettel) fühlt sich wohl als siegreicher Outlaw

Das ist eine schöne Pointe: Alle Welt fixierte sich vor dem Start der Formel-1-Saison auf den Zweikampf zwischen Sebastian Vettel und Fernando Alonso oder auf den Geheimfavoriten Mercedes. Und dann kommt Kimi Räikkönen um die Ecke, fährt allen vor der Nase her, treibt die Verfolger an ihre Grenzen und behauptet hinterher: war doch ganz einfach. Wie ein Spaziergang im Albert Park von Melbourne.

Wer Räikkönen kennt, weiß, dass der 33 Jahre alte Finne nicht gerade ein Maulheld ist. Wahrscheinlich stimmen auch die Erklärungen des Teams. Ihr schweigsamer Mann im Cockpit hätte noch schneller fahren können. Mit einem Auto, in dem lange nicht so viele Millionen Dollar stecken wie in den Supermodellen von Vettel, Alonso oder wie in den Boliden von McLaren und Mercedes.

Was uns das sagt? Dass die Klischees von einer Sportart für all die spannenden Feinheiten und Unterschiede blind machen. Zumindest zum Auftakt in Melbourne wurde die Hackordnung nach akribischer Vorbereitung nicht von den benzingetränkten Superreichen bestimmt. Das ist eine gute Nachricht für alle Teams, Vereine, Spitzensportler, die deutlich kleinere Budgets im Vergleich zu ihren Konkurrenten nicht als Limitierung begreifen, sondern als motivierende Herausforderung an ihre Kreativität: Ideen kann man sich nicht kaufen.

Keine Vereinnahmung

Einen so brillanten Piloten wie Kimi Räikkönen dagegen schon. Allerdings gab es bei McLaren und Ferrari massive Missverständnisse, als man dachte, zweistellige Millionen-Honorare umfassten nicht nur Chauffeursdienste, sondern die Verfügungsgewalt über die gesamte Person. Keiner hat sich gegen die übliche Vereinnahmung so brüskierend wie erfolgreich gewehrt wie Räikkönen.

Gegen das Männchenmachen vor großen Sponsoren, gegen die PR-Offensive der Marketingabteilungen und gegen das Standardgesülze bei Medienterminen. Der naturbelassene Räikkönen hat bisweilen die von seinen Teams umhegten Potentaten brüskiert und bei der Konversation in Gesellschaft nicht mehr als ja oder nein gesagt, meistens wohl nein.

Er schert sich keinen Deut um die Konventionen im Fahrerlager, um das angesagte Simulatortraining oder den guten Rat, das Druckbetankungsverbot auch abseits der Piste ernst zu nehmen. Seine Manieren könnten besser sein. Aber Räikkönen beweist, dass man seine Persönlichkeit in der Formel 1 nicht aufgeben muss, um Erfolg haben zu können. Im Gegenteil. Nach 176 Grand Prix wird er mehr bewundert als je zuvor. Ein Mensch kann stärker sein als die Maschinerie.

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18.03.2013, 10:16 Uhr

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Von Christoph Becker

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