Home
http://www.faz.net/-gtl-74m99
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Formel-1-Kommentar Machtkampf nach dem Finale

Die Rivalen der Rennbahn schießen Giftpfeile in beide Richtungen: Sebastian Vettel und Fernando Alonso pflegen ihre Gegnerschaft nach dem Saisonfinale. Der Zweikampf hat gerade erst begonnen.

© dpa Vergrößern Von Freunden und Rivalen: Nicht mit jedem versteht sich Sebastian Vettel (im Foto rechts) so gut wie mit Michael Schumacher

Formel-1-Weltmeister zeichnen sich durch ein unerschütterliches Selbstbewusstsein aus. Andernfalls hätte Fernando Alonso am Sonntag wohl kaum über die offizielle Wertung des Internationalen Automobil-Verbandes hinweg seine eigene Rechnung aufgemacht. Vettel hat ihn zwar nach Siegen und Punkten geschlagen, wenn auch knapp. Aber doch nicht besiegt, wenn man Alonsos Erklärung ernst nimmt. Vettel ist zwar wieder Weltmeister. Er aber, der Ferrari-Star, selbst schon zweimaliger Champion, hält sich für den Besten.

Anno Hecker Folgen:

Vielleicht stimmt diese Einschätzung sogar. Die Suche nach einer Wahrheit in dieser Frage ist in diesem komplexen Sport müßig. Interessanter ist die leicht absehbare Folge der Selbstdarstellung. Alonso gibt sich dem sechs Jahre jüngeren Vettel nicht geschlagen. Er hat in der ausgedehnten Pressekonferenz am Sonntag nicht mal gratuliert, geschweige denn ein Wort der Würdigung im Ferrari-Pressedienst formulieren lassen. Das ist, abgesehen von der Unhöflichkeit, auch ein gutes Zeichen für Vettel. Der junge Deutsche hat offenbar die Kraft, den famosen spanischen Piloten zu einer unangenehmen Enthüllung in eigener Sache zu verleiten. Gute Verlierer verhalten sich anders.

Meinung und Haltung

Aber ist Vettel auch ein guter Gewinner? War es nötig, im Augenblick des Triumphes indirekt, aber unmissverständlich Ferrari ein unfaires Verhalten nachzusagen? Er konnte wohl nicht anders, so wie er - ungefragt - ausführlich erzählte, was ihm auf dem Herzen lag. So etwas hört man selten in diesem Kreis der auf Selbstdisziplin und Zurückhaltung getrimmten Piloten. Weil die meisten aus schlechter Erfahrung die Konsequenzen fürchten. Nämlich Retourkutschen bei der nächsten Gelegenheit, die Energie absorbieren, von der eigentlichen, ohnehin kräftezehrenden Aufgabe ablenken.

Mehr zum Thema

Und weil sie von ihren Teams oder Beratern dazu erzogen werden, keine Angriffsflächen zu bieten. So hat sich über die Jahre eine Gruppe von Spitzenpiloten entwickelt, die zwar überall gefragt sind und zu allem gefragt werden, aber kaum Meinungen äußern oder Haltungen vertreten.

Zweikampf hat gerade erst begonnen

Vettel mag am Sonntag der aufgestaute Ärger zu seinem Plädoyer für Fairness auf und vor allem neben der Strecke bewogen haben. Nicht ganz zufällig aber hielt er diese Ansprache just im ersten Moment seiner neuen Rolle. Nominell ist der Heppenheimer, nun als einziger aktiver Fahrer mit drei WM-Titeln dekoriert, der neue Chefpilot der Formel 1. Was das für ihn bedeutet? Anerkennung, Respekt und nicht zuletzt sicherlich auch die Aussicht auf Einfluss auf allen Ebenen. Das dient dem Machterhalt.

Chronologie des Vettel-Erfolgs © dpa Bilderstrecke 

Auch deshalb haben die besten Fahrer immer wieder erbittert um die Position des Platzhirschen gekämpft. Senna gegen Prost, Schumacher gegen Senna und nun Vettel gegen Alonso. Der Angriff Vettels, seine Profilierung ist der Hintergrund für die Spannungen nach dem furiosen Finale einer grandiosen Saison. Alonso weiß, dass drei Punkte Differenz nach zwanzig Rennen nichts sagen über die Qualitätsunterschiede der Fahrer und doch eine große Wirkung haben können. Der faszinierende wie spannende Zweikampf zwischen Vettel und Alonso ist nicht vorbei. Er hat gerade erst begonnen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Formel 1 in Monaco Eine einmalige Chance

Monaco ist anders – und deshalb hoffen die Mercedes-Gegner, den Branchenprimus im Fürstentum schlagen zu können. Den ersten Angriff will Ferrari-Fahrer Sebastian Vettel im Qualifying fahren. Mehr Von Anno Hecker, Monte Carlo

23.05.2015, 10:33 Uhr | Sport
Formel 1 Ferrari präsentiert neues Vettel-Auto

Sebastian Vettel hat seinen neuen Ferrari-Boliden präsentiert. Mit der Roten Göttin will der Vierfach-Weltmeister an alte Erfolge anknüpfen. Mehr

30.01.2015, 21:37 Uhr | Sport
Formel 1 in Monte Carlo Hamilton und Rosberg hängen Vettel ab

Die Silberpfeile dominieren auch das Qualifying in Monte Carlo: Lewis Hamilton ist dabei deutlich schneller als Teamkollege Nico Rosberg und startet von der Pole Position. Dahinter lauert ein Ferrari-Pilot. Mehr Von Anno Hecker, Monte Carlo

23.05.2015, 15:09 Uhr | Sport
Formel 1 Vettel: Wollen mit Ferrari zweite Kraft werden

Sebastian Vettel hat sich am Donnerstag in Mönchengladbach zuversichtlich gezeigt, mit seinem neuen Team Ferrari Spitzenergebnisse in der Formel-1-Saison 2015 erreichen zu können. Mehr

05.03.2015, 16:04 Uhr | Sport
Fernando Alonso im Gespräch Trophäen sind nur ein Stück Metall

Fernando Alonso hat sich mit seinem Wechsel zu McLaren verpokert – das glauben viele Experten. Gerät der Spanier auf der Zielgeraden seiner Karriere ins Abseits? Oder glaubt er wirklich noch an den großen Coup? Mehr Von Michael Wittershagen, Barcelona

10.05.2015, 10:35 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 27.11.2012, 10:18 Uhr

Aufrecht in die zweite Liga

Von Peter Penders

Aus dem Denkzettel für verfehlte Vereinspolitik in Stuttgart und Hamburg wird nichts, es erwischt doch die kleinsten Klubs Paderborn und Freiburg. Wehmütig, aber nicht geknickt sollten sie in die zweite Liga gehen. Mehr 3 8