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Formel-1-Kommentar : Kein besserer Mensch

Sportler sind auch keine besseren Menschen: Adrian Sutil Bild: dpa

Adrian Sutil kehrt für in die Formel 1 zu Force India zurück. Vor rund einem Jahr wurde er zu 18 Monaten Haft (auf Bewährung) verurteilt. Ein Gewaltverbrecher im Cockpit - darf das sein? Sutil ist kein gutes Vorbild, aber ein gutes Beispiel.

          Glückwunsch an Adrian Sutil. Er ist wieder Mitglied des exklusivsten Rennfahrerzirkels der Welt. Er kehrt für eine sechste Saison zu Force India zurück, dem Team, in dem er zwischen 2007 und 2011 zunehmend besser, von Zeit zu Zeit sogar ausnehmend schnell unterwegs war. Es gibt auch in der Saison 2013 Piloten bei diversen Formel-1-Teams, die mit deutlich weniger Talent zwischen Hirn, Auge, Hand und Fuß gesegnet sind.

          Aber mit Sutil kehrt auch jemand zurück, der wegen gefährlicher Körperverletzung vor rund einem Jahr rechtskräftig zu 18 Monaten Haft (auf Bewährung) verurteilt wurde, nachdem er 2011 den Mitbesitzer des Renault-Teams bei einem Angriff in einer Disko in Schanghai mit einem Glas lebensgefährlich am Hals verletzt hatte. Ein Gewaltverbrecher im Cockpit - darf das sein?

          Sutil sagte vor kurzem, er wolle nicht auf alle Zeiten für die fünf Sekunden seines Lebens beurteilt werden, die ihm die Verurteilung eingebracht haben. Das ist nicht allein sein gutes Recht, das ist das Recht der großen Mehrzahl der Menschen, die Gesetze gebrochen haben. Natürlich hat Sutil das Recht auf Rehabilitation.

          Er hat auch das Recht darauf, nicht Wochenende für Wochenende mit dem Stigma des Delinquenten konfrontiert zu werden. Denn die Frage, ob Sutil ein anderer Mensch geworden ist, ob er sich im Griff hat, ob er anderen gefährlich wird, die wird nicht auf den Rennstrecken, erst recht nicht während der kommenden Grands Prix beantwortet.

          Sportler sind auch keine besseren Menschen

          Sein Talent reicht für die Formel 1, also bekommt er ein Cockpit. Und Vorbilder sollte man unter den Verdrängungskünstlern hinter dem Lenkrad ohnehin besser nicht suchen. So gesehen, befindet sich Sutil in ehrenwerter Gesellschaft. „Wir sind nicht wie die Mafia, wir sind die Mafia“, hat Bernie Ecclestone vor ein paar Jahren gesagt.

          Er ist bis heute maßgeblich für das Geschäftsmodell Formel 1. Aber bevor jemand mit dem Finger auf die amoralische Vollgassparte zeigt - es haben auch schon Häftlinge als Profis auf dem Fußballplatz gestanden. Adrian Sutil ist kein gutes Vorbild, aber ein gutes Beispiel: Sportler sind auch keine besseren Menschen.

          Quelle: F.A.Z.

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