Home
http://www.faz.net/-gu4-706yh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Formel-1-Kommentar Ein Renner

 ·  Mit 43 Jahren beschleunigt Michael Schumacher noch einmal - sich und andere. Doch die Maschine zeigt ihm immer wieder Grenzen auf. Die Führung des Teams steht nun in der Verantwortung.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (1)
© REUTERS Ausgeschieden, aber noch lange nicht ausgestiegen: Michael Schumacher in Monte Carlo

Er kann es wirklich noch! Michael Schumacher hat nie daran gezweifelt, andere haben erst jetzt begriffen, dass dieser Mann noch immer im Rennen ist: Bestzeit im Qualifikationstraining zum Großen Preis von Monaco, schneller als die versammelte Rennfahrerelite. Auf einmal verneigen sich sogar die schärfsten Kritiker wieder vor dem Rekordweltmeister der Formel 1 und finden keine vernünftigen Argumente mehr, warum nach dieser Saison Schluss sein sollte mit der Raserei.

Mit 43 Jahren beschleunigt Schumacher noch einmal - sich und andere. Der alte Mann beflügelt die Phantasie: Wie es wohl wäre, wenn er noch einmal einen Grand Prix gewinnen würde, das erste Mal seit 2006, den ersten in seiner zweiten Karriere? Der Mensch beweist, dass es möglich ist.

Doch die Maschine zeigt ihm immer wieder Grenzen auf: ein Getriebeschaden in Australien, ein Fehler beim Boxenstopp in China, ein gerissener Seilzug beim Qualifikationstraining am Heckflügel in Bahrein, eine defekte Benzinpumpe in Monaco. Das Einzige, was Schumacher derzeit für den Erfolg fehlt, ist ein Mercedes, auf den er sich verlassen kann. Selbst ein Caterham und ein Marussia sind derzeit weniger anfällig für Fehler.

Die Führung des Teams steht in der Verantwortung. Es geht um Perfektionismus, und kaum einer weiß das besser als der detailbesessene Schumacher. Pech? Er wird sich nicht damit zufriedengeben, wenn so die Antwort auf seine Fragen nach dem Warum lautet. Schumacher will Erklärungen, und er will Lösungen. Zumal es bei seinem Teamkollegen Nico Rosberg derzeit wie geschmiert läuft.

Platz zwei im Fürstentum, kein anderer Fahrer gewann in den vergangenen vier Rennen mehr Punkte als der Sechsundzwanzigjährige. Plötzlich gehört Rosberg zum erweiterten Kreis der Titelkandidaten. Warum Schumacher das nicht auch gelingen sollte? Nichts spricht dagegen, ganz im Gegenteil: Vieles spricht dafür.

Im internen Qualifying-Duell steht es drei zu drei - so ausgeglichen war es zwischen den beiden noch nie seit dem Comeback des Altmeisters 2010. Der Schumacher-Bezwinger bekommt Druck von Schumacher. Denn der Frust im Gesicht des siebenmaligen Weltmeisters am Sonntag zeigte nur eines: seinen Willen. Dieser Mann sollte noch ein paar Jahre in der Formel 1 bleiben - ob er nun will oder nicht.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1981, Sportredakteur.

Jüngste Beiträge

Verpasste Chance

Von Uwe Marx

Ach hätte er doch! Uli Hoeneß sagte mal im Scherz, dass er die Borussia am Aktientiefpunkt hätte kaufen sollen. Mittlerweile dürfte er den Kaufverzicht bereuen. Mehr