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Formel-1-Kommentar Die Kunst des Weltmeisters

 ·  Die Großen der Formel 1 zeichnet aus, dass sie sich nicht als Solisten verstehen. Sie müssen ein ganzes Team inspirieren können. Wer als Kriterien für einen würdigen Weltmeister deshalb Führungsqualität anführt, der kann kaum anders, als beiden Piloten eine weltmeisterliche Leistung zu attestieren.

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© dapd Vergrößern Der Weltmeister und sein Team: Vettel inmitten seiner Helfer

Der Sieger streicht alles ein. Den Pokal, die Prämien, eine weltweite Aufmerksamkeit. Nach ein paar Jahren gewinnt er mit der Verklärung seiner Taten sogar noch mehr Bewunderung. Weil nur noch die Erinnerung an den Triumph bleibt. Der Weg dorthin ist längst vergessen. Also muss die Frage gestellt werden, wenn die Erinnerung am frischesten ist. Hat Sebastian Vettel diesen dritten WM-Titel verdient?

Ja. Wer kann daran nur den leisesten Zweifel hegen? Aber ist es gerechtfertigt, von dem persönlichen Erfolg eines Menschen zu sprechen, wenn er abhängig ist von einer Maschine, von einer Maschinerie mit hunderten von Mitarbeitern? Was steckt in dem Renner, was in Vettel? Ist der Hesse trotz seines Autos oder wegen seines Boliden Champion geworden?

Siegertypen sind keine Solisten

Nicht nur Alonso-Fans sprechen bei der Würdigung dieser Weltmeisterschaft von einem technischen Vorteil des Deutschen in diesem Jahr. Ja, der Red Bull war im Schnitt schneller als der Ferrari. Aber er war auch fragiler. Zwei Pannen haben den Heppenheimer viele Punkte gekostet. Trotzdem hörte man den 25 Jahre alten Heppenheimer nie öffentlich darüber klagen. Das zeichnet die Großen dieses Sports aus. Sie stehen zwar von März bis November ständig im Fokus, sie verdienen sich mit Millionen-Gehältern eine wirtschaftliche Unabhängigkeit, genießen Vorzugsbehandlungen und Freiheiten.

Die Siegertypen aber verstehen sich trotz ihrer herausragenden Position nicht als Solisten. So wie sie, festgezurrt im Cockpit wie fest verwachsen wirken mit dem Boliden, so fühlen sie sich verbunden mit dem ihrem gesamten Team. Erfolge in der Formel 1 sind nur in einem perfekten Mannschaftsspiel möglich.

Wer das akzeptiert, sollte nicht mehr so leichtfertig unterscheiden zwischen Fahrerleistung und Motorstärke, zwischen Lenkradakrobatik und aerodynamischer Finesse, zwischen Überholkunst und Beschleunigungswerten. Denn Champions, mehrmalige Weltmeister, nicht Gelegenheitssieger, haben ihren Anteil an dem, was sie an die Spitze katapultiert. Oder auch ins Abseits. Vettel ist wie Alonso kein Ingenieur, auch Michael Schumacher hat sich nie für einen gehalten.

Auch Alonso wäre ein würdiger Weltmeister gewesen

Aber diese Piloten beeinflussen die entscheidenden Männer und Frauen ihrer Rennställe, haben manche sogar ausgesucht, in ihre Teams gelockt, täglich mit Fragen beschossen, mit Ansprüchen konfrontiert, in jedem Fall inspiriert. Deshalb kommt ihnen ihr Rennwagen nach einer längeren Beziehung im besten Fall wie ein gemeinsames Kind vor. Die Stärken und Schwächen so einer Konstruktion sind das Produkt der täglichen Auseinandersetzung unter den Kreativen. In der Qualität des Red Bull steckt im vierten Jahr einer leidenschaftlichen Zusammenarbeit also ein Stück von Vettel. Der alte und neue Weltmeister dokumentiert das immer wieder: mit einer Namensgebung und Streicheleinheiten.

Man könnte also das Argument der Alonso-Verehrer umdrehen. Im dritten Jahr als Ferraris gehegte Galionsfigur hat dieser wunderbare Pilot zwar mit spektakulären Auftritten sein Team im Rennen gehalten. Er ist, wenn er mehr sein will als ein Chauffeur, aber auch mitverantwortlich für die Langsamkeit des F2012 im Qualifikationstraining. Wer als Kriterien für einen würdigen Weltmeister Führungsqualität anführt, strategischen Weitblick, die Risikobereitschaft auf der Piste, Rennintelligenz, Nervenstärke und die Steuerkunst, der kann kaum anders, als beiden Piloten eine weltmeisterliche Leistung zu attestieren. Auch Alonso wäre ein würdiger Weltmeister gewesen. Das macht den dritten Titel für Vettel umso wertvoller.

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26.11.2012, 10:22 Uhr

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