Kennen Sie das noch? Das Warten aufs Christkind, aufgeregt, vorfreudig, mit spitzen Ohren, bis das Glöckchen zur Bescherung klingelt? Nur auszuhalten, wenn es anschließend Geschenke gab. Am Hockenheimring blieb an diesem Wochenende das Glöckchen stumm, die Bescherung fiel aus. Das Christkind flog nicht ein.
Statt leuchtender Augen gab es fragende Blicke. Da standen Jörg Lindner und Kai Richter, die Betreiber des von der Pleite bedrohten Nürburgrings, stundenlang vor Bernie Ecclestones Motorhome im Fahrerlager und wollten mit dem Impresario der Formel 1 über die Zukunft der Serie in der Eifel verhandeln – auf ihrer Rennstrecke mit angeschlossener, aber nie in Betrieb genommener Achterbahn (und einigen anderen vom Steuerzahler finanzierten Investitionsruinen). Jedes Lebenszeichen wäre bares Geld wert, bevor der Insolvenzverwalter die Geschicke übernimmt.
Am Samstagnachmittag aber verschwanden Lindner und Richter wieder aus Hockenheim, unverrichteter Dinge, in eine ungewisse Zukunft. Ecclestone ließ sich nicht blicken, trotz mehrfacher Ankündigung, er käme selbstverständlich nach Hockenheim. Hinterlassen die intensivierten Ermittlungen der Münchner Staatsanwälte zu seinem geschäftlichen Umgang mit dem wegen Bestechlichkeit verurteilten früheren Bayern-LB-Vorstand Gerhard Gribkowsky doch Spuren? Sie sollten es.
Und wenn die Teamchefs der Formel 1 in ein paar Tagen in die Sommerpause gehen, ist vielleicht Zeit, darüber nachzudenken, ob es wirklich noch zeitgemäß ist, sich vom Zirkusdirektor am Nasenring durch die Manege führen zu lassen. Hat Ecclestone doch jüngst erst Ferrari und Red Bull Sonderrechte gewährt, um das ohnehin nur zart sprießende Pflänzchen der Verständigung unter den Teams verdorren zu lassen und die eigene Position abzusichern.
Hinter vorgehaltener Hand fluchen nahezu alle Teamchefs über Ecclestone, öffentlich heißt es immer: Kein Kommentar. Wir lesen nur, was in der Zeitung steht. Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen, und hinter verschlossenen Türen auf die Millionen vom Greis mit den Schnallenschuhen zu hoffen – dieses Geschäftsgebaren ist öffentlich nicht mehr vermittelbar.
Die Alarmglocken klingeln
Die Teams sorgen sich seit langem über rückläufige Zuschauerzahlen, vor allem in Europa und gerade in Deutschland. Oft ist zu hören, dass man Wege finden müsse, die Jugend für den Motorsport zu begeistern, eine Aufgabe, die Ecclestone niemand mehr zutraut.
Und auch im Fahrerlager wird argumentiert, dass auch eine Rennstrecke wie der Nürburgring Unterstützung durch den Steuerzahler empfangen dürfen müsse, wenn der Fußball und andere Sportarten wie selbstverständlich darauf zurückgreifen. Darüber kann man diskutieren.
Wer aber sein Geschäft in einer manchmal surreal künstlichen Welt des Scheins und der Scheine betreibt und weiterhin meint, das Modell Ecclestone sei unverzichtbar, der muss erst merken, dass seine Zeit abläuft. Die Alarmglocken klingeln.