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Formel 1 in Valencia Schumacher saust ins Glück

 ·  Altmeister Michael Schumacher rast in Valencia wie Phoenix aus der Asche auf Platz drei. Sebastian Vettel muss sein Auto abstellen - und macht den Weg frei für Alonsos „emotionalsten Sieg“.

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© dapd Strahlemann Schumacher: Der Rekordweltmeister steht nach fünfeinhalb Jahren wieder auf dem Podest

Als die Luft raus war, begann das Rennen. Aber ohne Sebastian Vettel, ohne den Mann der ersten Stunde. Der warf einen seiner Renn-Handschuhe, so zornig wie er war in der 34. Runde, gegen den Zaun der Streckenbegrenzung.

Da rauschten die Kollegen an ihm vorbei, an einem, den jeder Zaungast in Valencia und jeder Zuschauer in aller Welt längst als Sieger dieses achten Grand Prix gesehen hatte. Weil er doch alle Konkurrenz in Grund und Boden gefahren hatte vom Start weg wie kein anderer Fahrer in dieser Saison.

Nach 32 von 57 Runden führte der Weltmeister in seinem Red Bull mit 20 Sekunden, hatte Ferraris Star Alonso und McLarens Lewis Hamilton auf 30 Sekunden distanziert, Mercedes mit Michael Schumacher gar auf 57.

Die Konkurrenz geschlagen, abgehängt, deklassiert. Aber dann überholten sie ihn, alle: Alonso kam zum Sieg vor Kimi Räikkönen. Und schließlich sauste der Altmeister, wie Phoenix aus der Asche ins Glück: Schumacher raste als Dritter ins Ziel, zum erstem Mal seit dem 1. Oktober 2006.

„Nadal, Spanien, jetzt ich, das ist ein irrer Moment“

Da brachen die Dämme. Der Spanier brüllte und lachte vor Freude in den Funk, hielt sein Auto mitten auf der Strecke an, breitete eine spanische Nationalflagge auf der Piste aus, bevor er ihm auf dem Podium das Glücksgefühl eines der „emotionalsten Siege“ übermannte. „Nadal hat im Tennis gewonnen, unser Team bei der Euro, jetzt ich, das ist schon ein irrer Moment.“

Von einem historischen Augenblick sprach sogar Norbert Haug, der Sportchef von Mercedes angesichts der Bilder. Team-Mechaniker nahmen den strahlenden Schumacher in den Arm, drückten und herzten ihn. Der 43 Jahre alte Rheinländer freute sich fürstlich über Rang drei, auch wenn er vorher bereits auf 91 Siege und 154 Podestplätze hatte zurückblicken können. Und zeigte Mitgefühl: „Das ist sicher bitter für Sebastian.“

Kurz nach der ersten und einzigen Neutralisierung des Rennens wegen eines maladen Boliden mit zerfetztem Reifen, hatte Vettel seinen RB8 wegen eines technischen Defektes im Schleichgang um das Hafenbecken von Valencia steuern und dann abstellen müssen.

Statt die Führung in der Fahrerwertung zu übernehmen, fiel er auf Rang vier (85 Punkte) zurück hinter den neuen Führenden Alonso (111), Mark Webber im zweiten Red Bull (91) und Lewis Hamilton (88/McLaren). Schumacher rückte mit seiner 15-Punkte-Beute auf Rang 13 (17) vor. Vettels Verlust im achten von zwanzig Rennen ist angesichts der Leistungsdichte kein Beinbruch.

Und so besann sich der Champion nach dem ersten kleinen Wutausbruch immerhin auf seine herausragende Leistung am Wochenende: auf eine überragende Tour zur 33. Pole-Position und 33 Runden Dominanz nach Belieben. Das versöhnte ein wenig. Als er den Handschuh wieder eingesammelt hatte, winkte Vettel freundlich ins Publikum. An ihm lag es nicht.

„Das Safety-Car hätte man sich sparen können“

Aber vielleicht an den Herren in der Schaltzentrale? „Das Safety-Car hätte man sich sparen können. Es ging wohl darum, das Feld zusammenzubringen“, klagte Vettel später im Fahrerlager über die Entscheidung der Rennleitung. Auf der heißen Piste, die Asphalttemperatur lag bei 45 Grad Celsius, rollten die Boliden hinter dem Sicherheitsfahrzeug her.

Das sind heikle Momente, neigen die Rennwagen doch schnell zur Überhitzung. Angeblich soll die Lichtmaschine keinen Strom mehr geliefert haben. Weil dieses Detail im RB8 ohne den kühlenden Fahrtwind die Temperaturen nicht vertrug? „Wir wissen es noch nicht“, sagte Teamchef Christian Horner.

Fernando Alonso: „Wer hätte das gedacht?“

Es riss die Serie der Formel 1, seit Saisonbeginn in jedem Grand Prix einen anderen Sieger zu präsentieren. Zwar gewann mit Alonso ein Überraschungsgast, aber das Kunststück ist ihm schon einmal in dieser Saison gelungen, in Malaysia. „Wer hätte das gedacht?“, fragte der Spanier rhetorisch.

Kaum jemand nach dem Trainingsresultat vom Samstag. Nur zu Rang elf hatte es gereicht in einem der spannendsten Startplatzrennen seit Jahren. Aber in der Rennabstimmung sah der Ferrari mit dem Weltklassepiloten schon am Freitag sehr stark aus.

Schumacher wechselt zum richtigen Zeitpunkt Reifen

Deshalb hatte Alonso kein Problem, nach Vettels Ausfall und einer Boxenstopp-Verzögerung von Hamilton in der Saftey-Car-Phase die Führung zu übernehmen und zu halten. Seine Hintermänner aber profitierten von den Zwischenfällen, die diesen Grand Prix zu einem der unterhaltsamsten der jüngeren Geschichte machten. Räikkönen rückte vor, weil der Teamkollege aufgeben musste.

Schumacher schoss von hinten heran, weil er zum richtigen Zeitpunkt die Reifen gewechselt hatte und mit den Gummis gut umging. So reichte es, den zweiten Mann im Mercedes, Nico Rosberg (6.), zu überholen, Button (McLaren), Paul di Resta und Landsmann Nico Hülkenberg (5./ beide Force India) hinter sich zu lassen.

„Das sind spezielle Augenblicke, die wir so lieben“

Die letzten Hindernisse lösten sich von selbst auf. Der atemraubende Zweikampf von Pastor Maldonado im Williams mit Hamilton endete mit einem Crash. Dann war der Weg frei für Schumachers Rückkehr an einen vertrauten Ort. „Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich so weit gebracht haben, die mir vertrauten, so wie ich dem Team. Das sind ganz spezielle Augenblicke, die wir so lieben.“

Nämlich dann nach vorne zu kommen, wenn man nicht damit rechnet, wenn wie am Samstag das Qualifying wegen eines kleinen Fehlers auf Rang zwölf endet. Diese befreienden Glücksmomente könnten ihm Lust auf mehr machen.

Schumacher, der sich zu einer möglichen Vertragsverlängerung bislang nicht äußern möchte, ließ am Sonntag zumindest seine Interesse an einer gemeinsamen Zukunft durchschimmern: „Das ist Teamwork, wenn wir so weitermachen, werden wir auch wieder ganz oben landen.“

Endstand des Rennens in Valencia

Grand Prix von Europa, in Valencia (57 Runden à 5,419 Kilometer/308,883 Kilometer):

1. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari 1:44:16,649 Std. (Schnitt: 177,727 km/h)
2. Kimi Räikkönen (Finnland) Lotus + 6,421 Sek.
3. Michael Schumacher (Kerpen) Mercedes + 12,639
4. Mark Webber (Australien) Red Bull + 13,628
5. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force India + 19,993
6. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes + 21,176
7. Paul di Resta (Schottland) Force India + 22,866
8. Jenson Button (England) McLaren Mercedes + 24,653
9. Sergio Perez (Mexiko) Sauber + 27,777
10. Pastor Maldonado (Venezuela) Williams + 34,630
11. Bruno Senna (Brasilien) Williams + 35,961
12. Daniel Ricciardo (Australien) Toro Rosso + 37,041
13. Witali Petrow (Russland) Caterham + 1:15,871 Min.
14. Heikki Kovalainen (Finnland) Caterham + 1:34,654
15. Charles Pic (Frankreich) Marussia + 1:36,551
16. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari + 1 Runde
17. Pedro de la Rosa (Spanien) HRT + 1 Runde
18. Narain Karthikeyan (Indien) HRT + 1 Runde
19. Lewis Hamilton (England) McLaren Mercedes + 2 Runden

Ausfälle:

Jean-Eric Vergne (Frankreich) Toro Rosso (27. Runde/Kollision); Kamui Kobayashi (Japan) Sauber (34. Runde/Defekt); Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull (34. Runde/Defekt); Romain Grosjean (Frankreich) Lotus (41. Runde/Defekt)

Nicht am Start: Timo Glock (Wersau) Marussia wegen Krankheit

Schnellste Rennrunde: Nico Rosberg (Mercedes) 1:42,614 Min.

Pole Position: Sebastian Vettel (Red Bull) 1:38,086 Min.

Fahrer-Wertung nach 8 von 20 Rennen:

1. Fernando Alonso 111
2. Mark Webber 91
3. Lewis Hamilton 88
4. Sebastian Vettel 85
5. Nico Rosberg 75
6. Kimi Räikkönen 73
7. Romain Grosjean 53
8. Jenson Button 49
9. Sergio Perez 39
10. Pastor Maldonado 30
11. Paul di Resta 27
12. Kamui Kobayashi 21
13. Michael Schumacher 17
14. Nico Hülkenberg 17
15. Bruno Senna 15
16. Felipe Massa 11
17. Jean-Eric Vergne 4
18. Daniel Ricciardo 2

Team-Wertung nach 8 von 20 Rennen:

1. Red Bull 176
2. McLaren Mercedes 137
3. Lotus 126
4. Ferrari 122
5. Mercedes 92
6. Sauber 60
7. Williams 45
8. Force India 44
9. Toro Rosso 6

Nächstes Rennen: Grand Prix von Großbritannien am 8. Juli in Silverstone

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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