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Formel 1 in Kanada : Alonso und der Traum vom dritten Titel

  • -Aktualisiert am

Träumt von neuen Titeln: Fernando Alonso Bild: dpa

McLaren ist ein Rennstall mit großer Formel1-Tradition, aber zuletzt auch wenig erfolgreichen Zeiten. Jetzt ist die einstige Erfolgskombination auf dem Weg zu alter Größe.

          Der letzte Sieg liegt fast vier Jahre zurück. Jenson Button gewann 2012 den GP Brasilien. Es war Sieg Nummer 182 für McLaren. Der englische Rennstall, der vor ziemlich genau 50 Jahren sein Formel-1-Debüt gab, ist damit immer noch das zweiterfolgreichste Team hinter Ferrari. Eine vergleichbare Durststrecke gab es zuletzt zwischen 1978 und 1981. Sie kostete den damaligen Teamchef Teddy Mayer den Job.

          Sein Nachfolger wurde ein junger, dynamischer Geschäftsmann, der sich vom Mechaniker bis zum Teambesitzer hochgearbeitet hatte. Mit Ron Dennis begann die dritte Ära des britischen Rennstalls. Die erste endete mit dem Tod von Firmengründer Bruce McLaren, der 1970 bei Testfahrten in einem seiner Autos in Goodwood starb. Der zweite Abschnitt war von Mayer geprägt. Er brachte die ersten beiden WM-Titel 1974 mit Emerson Fittipaldi und 1976 mit James Hunt, aber auch die erste echte Krise.

          Ron Dennis führte das zweitälteste Team der Königsklasse zurück auf die Straße des Erfolges. Mit Partnern wie Porsche, Honda und Mercedes. Er war der Erste, der aus dem Sport eine Wissenschaft machte, immer davon beseelt, seinem Feindbild Ferrari nachzueifern und es zu übertreffen. Die erfolgreichste Zeit erlebte Dennis mit Honda. Ayrton Senna und Alain Prost gewannen zwischen 1988 und 1992 vier WM-Titel. 2015 wurde die Ehe mit den Japanern wiederbelebt. Und Ron Dennis ist immer noch da. Oder soll man sagen schon wieder. 2014 putschte er sich gegen den Mann zurück an die Spitze des Teams, den er zu seinem Nachfolger auserkoren hatte. Unter Martin Whitmarsh holte McLaren seine letzten Siege. Mit ihm begann aber auch der Abstieg.

          2015 fuhr McLaren am Ende des Feldes. Obwohl im Cockpit zwei frühere Weltmeister sitzen. Jenson Button und Fernando Alonso bringen es zusammen auf drei WM-Titel und 47 Siege. Mit 546 GP-Starts ist es das erfahrenste Fahrerpaar im Feld. Und eines der teuersten. Doch die besten Fahrer sind nur so gut wie ihre Autos. Wer so vom Erfolg verwöhnt war wie der Altherrenklub von McLaren, tut sich schwer, plötzlich nur Mitläufer zu sein. Alonsos Funksprüche im vergangenen Jahr hörten sich nach Verzweiflung an. Unvergessen sein Hilferuf beim GP Kanada: „Leute, ihr lasst mich aussehen wie einen Amateur.“ Bei öffentlichen Auftritten flüchtete sich Alonso in Durchhalteparolen. Er wisse, dass er für das richtige Team unterschrieben habe, eines Tages werde sich seine Entscheidung auszahlen.

          Holte vor vier Jahren den letzten Titel für McLaren: Jenson Button
          Holte vor vier Jahren den letzten Titel für McLaren: Jenson Button : Bild: AFP

          Vor einem Jahr wurde die spanische Diva für so viel Optimismus noch belächelt. Als dann Ron Dennis gar behauptete, McLaren-Honda werde das erste Team sein, das die Alleinherrschaft von Mercedes beende, fragten sich viele, ob der Realitätsverlust ansteckend ist. Zu groß waren die Baustellen von Partner Honda. Dessen Motoren fehlten rund 100 PS Leistung, und sie gingen obendrein regelmäßig kaputt. Alonso erinnert sich: „Vor einem Jahr haben wir schon beim siebten Rennen die erste Startplatzstrafe bekommen, weil wir das vom Reglement erlaubte Motoren-Kontingent überschritten hatten.“

          Inzwischen wird über McLaren nicht mehr gelacht. Man kann noch nicht von einer Wunderheilung sprechen, doch die einstige Erfolgskombination hat sich im Mittelfeld etabliert. Nach sechs Rennen sind bereits 24 Punkte auf dem Konto, fast so viel wie nach der kompletten letzten Saison. Die Motoren sind leidlich standfest. Die Elektromotoren liefern über die gesamte Runde Leistung. Der Benzinverbrauch ist nicht mehr jenseits von Gut und Böse. Für Montreal brachte Honda neue Turbolader mit und Kraftstofflieferant Mobil einen neuen Sprit. „Es hilft uns hauptsächlich, über den Elektromotor mehr Energie zu speichern. Wir können damit auf der Geraden länger elektrische Leistung abrufen. Und das senkt auch den Verbrauch“, erklärt Alonso.

          Beim Auto ist McLaren schon einen Schritt weiter. „Wir haben das drittbeste Chassis im Feld“, ist Alonso überzeugt. Auf Strecken wie Barcelona und Monte Carlo, auf denen die Motorleistung nicht die entscheidende Rolle spielt, erwies sich McLaren als sicherer Kandidat für WM-Punkte. Vor einem Jahr waren Punkte noch ein Glücksfall. Dem Rennen in Montreal kommt für Alonso eine entscheidende Rolle zu: „Wenn wir es auch auf einer Motorenstrecke in die Punkte schaffen, dann können wir von einem Normalfall sprechen. Und das muss unser Anspruch sein.“

          Alonso sieht perspektivisch einen Vierkampf an der Formel1-Spitze
          Alonso sieht perspektivisch einen Vierkampf an der Formel1-Spitze : Bild: AFP

          Alonso ist mit dem Fortschritt in den vergangenen zwölf Monaten zufrieden. Weil er ihn darin bestärkt, dass es McLaren zurück zu alter Größe schaffen kann. Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene gibt ihm recht: „Ich kann mir vorstellen, dass wir 2017 einen Vierkampf um den Titel sehen. Zu Mercedes, Red Bull und Ferrari könnte noch McLaren-Honda stoßen.“ Ein Etappenziel bis zum Ende der Saison muss aus Sicht von Alonso der vierte Platz hinter dem Spitzentrio sein. „Wenn wir uns weiter so entwickeln, könnten wir bei den letzten Rennen so weit sein. Viel wird davon abhängen, wann die Teams ihre Entwicklung zugunsten der 2017er Autos einstellen und wie viel Arbeit sie noch in die 2016er Autos stecken.“

          Den Traum, mit McLaren-Honda seinen dritten Titel zu holen, hat der 34-jährige Spanier noch nicht aufgegeben. „Warum nicht schon im nächsten Jahr? Die neuen Chassisregeln lassen alle bei null beginnen. Es ist unsere Chance, schnell die Lücke zu schließen. Und Honda hat noch ein Dreivierteljahr Zeit, die Power zu finden, die uns noch auf Mercedes fehlt.“ Über seine eigene Zukunft will Alonso erst im Sommer 2017 entscheiden. Sein Dreijahresvertrag läuft Ende der kommenden Saison aus. Eines weiß er aber mit Bestimmtheit: „Ich bin bei McLaren im richtigen Team. Es ist nur die Frage, ob ich auch zur richtigen Zeit da bin.“

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          Quelle: F.A.S.

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