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Formel 1 in Monaco Talente in der Schein-Welt

 ·  Als Bezahlfahrer verspottete die Formel 1 Pastor Maldonado und Sergio Perez. Doch nicht nur Maldonados Sieg in Barcelona zeigt: Längst sind sie ihr Geld wert. In Monaco träumen sie vom nächsten Coup.

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© REUTERS Der unbekannte Sieger: Maldonado in Monaco

In diesen Tagen kommen die Bilder zurück: Mit mehr als Tempo 200 schoss Sergio Perez vor einem Jahr im Qualifying zum Großen Preis von Monaco aus dem Tunnel im Fürstentum, raste mit seinem Formel-1-Boliden über die Bodenwellen, verlor die Kontrolle über den Sauber und krachte in der Hafenschikane in die Leitplanke. Sein Auto verwandelte sich dabei in einen Schrotthaufen. Der Mexikaner musste das Rennen am nächsten Tag am Fernseher im Krankenhaus anschauen.

„Für mich war das ein Wendepunkt in meiner Karriere“, sagt der Zweiundzwanzigjährige am Mittwoch im Fahrerlager des Fürstentums: „Es gibt die Zeit vor dem Unfall und die Zeit nach dem Unfall. Es ist unglaublich, nach so einem heftigen Einschlag überhaupt wieder hier zu sein. Diese Erfahrung hat mich viel stärker gemacht.“

Perez sitzt im Motorhome seines Teams, als wenige Meter entfernt und beinahe zur gleichen Zeit am Mittwochnachmittag ein anderer Lateinamerikaner die Fragen der Weltpresse beantwortet: Pastor Maldonado (Williams) aus Venezuela, der Überraschungssieger des Großen Preises von Spanien vor zwei Wochen. „Dieser Erfolg fühlt sich großartig an. Aber vielleicht können wir sogar noch mehr erreichen“, sagt der Siebenundzwanzigjährige.

Perez und Maldonado haben vieles gemeinsam: Noch zu Beginn der vergangenen Saison wurden beide belächelt und als Bezahlfahrer verspottet. Inzwischen haben sie die Kritiker längst von ihrem Talent im Cockpit überzeugt.

Rückendeckung vom reichsten Mann der Welt

Verspiegelte Sonnenbrille, bunte Shorts und Turnschuhe - so geht Perez am Hafenbecken von Monaco entlang und gibt Autogramme. Längst ist er angekommen im schnellsten Zirkus der Welt, spätestens seit seinem zweiten Platz von Sepang Ende März, als er rundenlang Jagd machte auf Fernando Alonso im Ferrari. „Am Anfang war es frustrierend für mich. Viele dachten, ich bin nur wegen des Geldes dabei“, sagt er: „Ich war erst 21 bei meinem ersten Formel-1-Rennen, aber ich wusste genau, wie viel Arbeit dafür nötig war.“

Perez gewann die Kart-Meisterschaften in Mexiko und den Vereinigten Staaten, doch das reichte nicht, um entdeckt zu werden. Als Teenager stand er wegen der Zeitverschiebung deshalb oft mitten in der Nacht auf und telefonierte mit Teams in Europa: „Ich log und behauptete, ich hätte Sponsorengelder.“ Das sollte erst noch kommen.

Er war fünfzehn, als ihn der reichste Mann auf diesem Planeten entdeckte: Landsmann Carlos Slim, der sein Vermögen vor allem mit Unternehmen der Telekommunikationsbranche verdient hat und heute rund siebzig Milliarden Dollar besitzen soll. Auf einmal ging alles ganz schnell: Perez kam in die Formel BMW, rückte in die Formel 3 auf, in die GP2 Asia und schließlich in die Formel 1.

Rund 36 Millionen von Chavez

15 Millionen Euro, so heißt es, überweise Slim jährlich an den schweizerischen Rennstall Sauber. Deshalb lässt das Team auch einen Mexikaner am Lenkrad drehen. Geschadet hat das Sauber bislang nicht. Im Gegenteil.

Red Bull, Ferrari, McLaren und Mercedes - nur die vier besten Teams der Branche sind derzeit finanziell abgesichert. Bei allen anderen geht es mehr oder weniger um das Überleben und jeden Cent. Dem Traditions-Rennstall Williams drohte sogar ein Abschied aus der Formel 1, bevor die Verantwortlichen Pastor Maldonado unter Vertrag nahmen. Er kam mit der Empfehlung des GP2-Titels von 2010 und - geschätzt - rund 36 Millionen Euro im Gepäck. So viel soll Venezuelas Staatspräsident Hugo Chávez Jahr für Jahr an die Briten überweisen.

Für das Team aus Grove lohnt sich der Deal doppelt. Maldonado füllte das Bankkonto, und er sammelt fleißig Punkte in der Konstrukteurswertung. Monaco soll zu einer weiteren Etappe seiner Erfolgsgeschichte werden - auf dem Stadtkurs hat er bisher in jeder Kategorie gewonnen. „Ich mag diese Strecke“, sagt Maldonado. „Aber du darfst dir hier niemals zu sicher sein und die Konzentration verlieren.“

„Es gibt keinen Grund, hier nicht gewinnen zu können“

Was aber kommt nach Sauber, was kommt nach Williams? Zumindest bei Perez scheint der Weg vorgezeichnet. Seit Monaten wird er als Nachfolger von Felipe Massa bei Ferrari gehandelt. Ins hauseigene Förderprogramm haben ihn die Italiener schon aufgenommen. Perez darf die teuren Simulatoren benutzen. Sein Vater Antonio sagte zuletzt, dass es schon Gespräche zwischen den Verantwortlichen beider Teams gegeben habe. Der Junior dementiert noch: „Ich kenne diese Gerüchte, aber ich werde diese Saison bei Sauber zu Ende fahren.“

Andere haben den Sprung lange vor ihm geschafft. Massa wechselte von den Schweizern zur Scuderia und hätte 2008 um ein Haar den WM-Titel gewonnen. Kimi Räikkönen kam nach seiner Premiere bei Sauber 2001 über den Umweg McLaren nach Maranello. Auf Anhieb wurde er Champion (2007).

Doch zunächst geht es Perez um den Erfolg in der Gegenwart. Fünf Rennen, fünf verschiedene Sieger aus fünf verschiedenen Teams - die Formel 1 hat in dieser Saison schon einige überraschende Wendungen vollführt. Nun will der Mexikaner eine weitere Pointe in eigener Sache setzen. „Es gibt keinen Grund für uns, hier in Monaco nicht gewinnen zu können“, sagt er: „Genau das ist mein Ziel. Ich bin davon überzeugt, dass der Fahrer nirgendwo einen größeren Unterschied machen kann als hier.“ Das will er beweisen.

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Jahrgang 1981, Sportredakteur.

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