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Daniel Ricciardo (Mitte) und Sebastian Vettel (links) sind gut gelaunt, Lewis Hamilton lässt sich nichts anmerken. Bild: Reuters

Formel-1-Qualifying in Monaco : „Ich liebe diesen Ort“

  • -Aktualisiert am

Sebastian Vettel rückt beim Startplatzrennen im letzten Moment auf Rang zwei vor. Daniel Ricciardo dominiert. Dieser Erfolg ist keine Überraschung. Aber die Freude bei seinem Red-Bull-Team hält sich in Grenzen.

          Was für eine blendende Statistik: Im ersten Training Schnellster, im zweiten, im dritten, in jedem der drei Durchgänge des Startplatzrennens ganz vorne und nebenbei den Streckenrekord in Etappen um fast 1,4 Sekunden unterboten. 1:10,810 Minuten brauchte Daniel Ricciardo für rund 3,33 Kilometer, das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 170 Kilometern pro Stunde, wo die Polizei mitunter nur 30 erlaubt. Der Australier beherrschte in seinem Red Bull die Vorbereitung auf den Großen Preis von Monaco an diesem Sonntag (15.10 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 und bei RTL) in Monte Carlo souverän, fast spielerisch.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Nach seinen Bestzeiten am Donnerstag jagte er am Samstagnachmittag im Red Bull zu seiner (erst) zweiten Pole-Position. Die Premiere erlebte er vor zwei Jahren, auch in Monaco. Jetzt setzt er auf ein Treffen mit dem Fürsten. Albert II empfängt den Sieger in seiner Loge. Vor zwei Jahren verlor Ricciardo den Sieg wegen einer Panne beim Boxenstopp aus den Augen. Die Mechaniker hatten nicht die richtigen Reifen zur Hand. „Ich liebe diesen Ort. Ich habe alles geschafft, was möglich war. Jetzt will ich es zu Ende bringen.“

          Die Geschlagenen von Ferrari und Mercedes werden ihm gleich auf dem Weg zur ersten Kurve das Spiel verderben wollen. Sebastian Vettel rückte im letzten Moment auf Rang zwei vor, um 0,229 Sekunden langsamer als der Tagessieger. Lewis Hamilton wurde im Mercedes Dritter vor Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari und Valtteri Bottas (Mercedes). „Wir sind ihm so nah gekommen, wie es ging“, sagte Vettel. Er wirkte so reserviert wie Hamilton. Beide wissen, wie schwer es ist, in Monaco zu überholen, falls ihnen nicht gleich beim Sprint zur ersten Kurve ein Überholmanöver gelingt.

          Wie soll das gehen, falls Ricciardo die Abfahrt nicht verschläft? Der Red Bull verfügt neben einer erstklassigen Straßenlage in langsamen Kurven über eine extrem gute Traktion beim Beschleunigen. Der Leistungsnachteil des Antriebes gegenüber den Hybridsystemen von Ferrari und Mercedes wirkt sich auf der Strecke wegen der wenigen und kurzen Geraden kaum aus. „Sie haben den größten Abtrieb“, sagte Vettel, „wir wussten, dass sie hier gut sein werden.“ Vettel wie Hamilton wählten bei ihrer Suche nach einer Siegchance die Standardantwort, sie spielten auf Zeit: „Das Rennen ist lang“, sagte Hamilton mit Blick auf den Boxenstopp und die Vorschrift, den Reifentyp wenigstens einmal wechseln zu müssen: „Mal sehen, wie sie mit den härteren zurechtkommen.“

          Ricciardo lächelte. Er mache sich keine Sorgen. Die Freude bei Red Bull über die erste Pole-Position in dieser Saison hielt sich dennoch in Grenzen. Denn in Monaco hätte der Rennstall die erste Startreihe besetzen und die Konkurrenz mit zwei Autos auf Abstand halten können, ja müssen. Doch Max Verstappen verdarb sich die Aussicht auf einen Sieg oder zumindest Rang zwei mit einem Fahrfehler im dritten Training am Samstagmittag. Er verschätzte sich bei der Ausfahrt der Schwimmbad-Passage und touchierte die Leitplanken mit dem rechten Vorderrad. Weil die Aufhängung brach, hüpfte der Red Bull über den Kerb und prallte unlenkbar in die Streckenbegrenzung.

          Formel 1

          Bis zum Start des Qualifyings konnte das Auto nicht repariert. Allein der Wechsel des Getriebes hätte eine Versetzung um fünf Startplätze zur Folge gehabt. Das erübrigt sich. Verstappen wurde, weil ohne eine einzige Runde, als 20. gewertet: Letzter. „Es ist frustrierend, wenn man zwei so schnelle Autos hat und nicht beide in der ersten Startreihe stehen“, sagte Red Bulls Teamchef Christian Horner dem britischen Sender Sky: „Platz zwanzig tut extrem weh. Max ist ein sehr schneller Fahrer, kein Zweifel. Es gibt keine brutalere Lektion. Ich hoffe, er ist smart genug, daraus zu lernen.“ Verstappen hat sich schon einige Fehler in diesem Jahr geleistet. Zum Saisonauftakt in Melbourne drehte sich der Zwanzigjährige. In Bahrein geriet er in Kontakt mit dem Mercedes von Lewis Hamilton, beim Grand Prix in China schob er Vettel im Übereifer aus dem Rennen und in Baku warf ihm seine Teamführung vor, zu 50 Prozent Schuld am Crash mit seinem Teamkollegen Ricciardo zu tragen.

          Auf einen Monaco-Sieg sollte Verstappen nicht mehr hoffen. Aber WM-Punkte können auch vom letzten Startplatz aus gewonnen werden. 2010 hatte Fernando Alonso (Siebter im McLaren am Samstag) wegen eines Unfalls nicht am Qualifikationsrennen teilnehmen können. Im Grand Prix fuhr er bis auf Rang sechs vor. Für Nico Hülkenberg ist diese Geschichte vom Glück in Monaco vorerst kein Trost. Als Elfter im Renault unterlag er seinem Teamkollegen Carlos Sainz jr. (8.), der die Stadtrundfahrt im zweiten Durchgang 0,2 Sekunden schneller absolvierte als der Rheinländer. Beide setzen auf eine Regel im Stadtstaat: Wenn die Formel 1 kreist, macht irgendeiner immer einen Fehler, der Lücken öffnet.

          Formel 1

          Startaufstellung beim Grand Prix in Monte Carlo

          1. Startreihe:

          1. Daniel Ricciardo (Australien) - Red Bull 1:10,810 Min.;
          2. Sebastian Vettel (Heppenheim) - Ferrari 1:11,039

          2. Startreihe:

          3. Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes 1:11,232;
          4. Kimi Räikkönen (Finnland) - Ferrari 1:11,266

          3. Startreihe:

          5. Valtteri Bottas (Finnland) - Mercedes 1:11,441;
          6. Esteban Ocon (Frankreich) - Force India 1:12,061

          4. Startreihe:

          7. Fernando Alonso (Spanien) - McLaren 1:12,110;
          8. Carlos Sainz Jr. (Spanien) - Renault 1:12,130

          5. Startreihe:

          9. Sergio Perez (Mexiko) - Force India 1:12,154;
          10. Pierre Gasly (Frankreich) - Toro Rosso 1:12,221

          6. Startreihe:

          11. Nico Hülkenberg (Emmerich) - Renault 1:12,411;
          12. Stoffel Vandoorne (Belgien) - McLaren 1:12,440

          7. Startreihe:

          13. Sergej Sirotkin (Russland) - Williams 1:12,521;
          14. Charles Leclerc (Monaco) - Sauber 1:12,714

          8. Startreihe:

          15. Brendon Hartley (Neuseeland) - Toro Rosso 1:13,179;
          16. Marcus Ericsson (Schweden) - Sauber 1:13,265

          9. Startreihe:

          17. Lance Stroll (Kanada) - Williams 1:13,323;
          18. Romain Grosjean (Frankreich) - Haas 1:12,728 + 3 Plätze/Strafe aus vorherigem Rennen

          10. Startreihe:

          19. Kevin Magnussen (Dänemark) - Haas 1:13,393;
          20. Max Verstappen (Niederlande) - Red Bull -

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