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Formel 1 in Indien Das Terrain des Sebastian Vettel

 ·  Sebastian Vettel dominiert in Indien. Trotz des vierten Siegs in Folge bleibt der Zweitplazierte Fernando Alonso dem Deutschen auch in der Formel-1-Gesamtwertung auf den Fersen.

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© dpa Vergrößern Hut ab! Sebastian Vettel ist auf dem Weg zum dritten WM-Titel

Vierter Sieg in Serie: Das gilt unter Formel-1-Statistikern als gutes Omen. Wenn einem Formel-1-Rennfahrer innerhalb einer Saison eine solche dominante Tour gelang, dann führte der Weg stets zum Thron des Weltmeisters. Sebastian Vettel aber hob wie zur Abwehr verfrühter Gratulationen die Hände am Sonntagnachmittag nach seinem Triumph beim Großen Preis von Indien. Sein vierter Streich seit dem Rennen in Singapur, diesmal vor Fernando Alonso im Ferrari und seinem Teamkollegen bei Red Bull, Mark Webber, stärkt zwar die Spitzensposition in der Fahrerwertung drei Grand Prix vor dem Ende der Saison. Vettel baute seine Führung vor seinem Jäger Alonso von sechs auf 13 Punkte aus.

Weltmeister aber kann der Hesse noch nicht am nächsten Sonntag in Abu Dhabi, sondern frühestens beim vorletzten Rennen in Austin werden. „Es war bislang ein hartes Jahr und es gibt keinen Grund, dass es jetzt anders wird, wir müssen weiter am Gas bleiben“, sagte Vettel und wischte sich Schweiß wie Champagner aus dem Gesicht: „Alonso hinter mir zu lassen, war ein gutes Gefühl, aber kein Geniestreich.“

Indien, der Internationale Kurs von Budhh, war zum zweiten Mal seit der Einweihung 2011 Vettels Terrain: Er beherrschte alle Trainingsläufe, gewann am Samstag mit einem deutlichen Vorsprung von 0,4 Sekunden vor Webber die Pole-Position, kontrollierte das Rennen von den ersten Metern an bis ins Ziel. Strahlend schilderte er ein „perfektes Wochenende“. Und doch spürt der 25-jährige Heppenheimer den Atem des Spaniers in seinem Nacken. Als Fünfter war Alonso ins Rennen gestartet, als gefährlicher Jäger Vettels tauchte er auf dem Podium auf.

Wieder machte der zweimalige Weltmeister aus weniger mehr: „Wir haben Punkte verloren, ja, aber damit hatten wir gerechnet, wir wussten, dass wir nicht schnell genug sein würden. Als Zweiter habe ich aber nur ein Minimum an Punkten verloren“, erklärte Alonso und fügte lächelnd hinzu: „Ich gebe nie auf.“ Die Schadensbegrenzung ist gelungen. Ferraris Chefpilot bleibt dank seiner packenden Überholmanöver in den ersten Runden vorbei an Lewis Hamilton und Jenson Button (beide im McLaren) in Schlagdistanz.

Webber gibt Rang zwei ab

Denn Vettels Vorsprung ist angesichts von noch 75 zu vergebenden Punkten kein beruhigendes Pflaster. Zumal Red Bull abermals technische Probleme hatte. Vettels Teamkollege Webber verlor seinen zweiten Rang, weil wahrscheinlich die Hitze, 30 Grad Celsius, das Bremsenergie-Rückgewinnungssystem Kers ausschaltete. Deshalb fehlte dem Australier auf der Geraden in der entscheidenden Phase der Schub von maximal 82 PS. Alonso hatte nach seiner Aufholjagd keine Mühe an Webber vorbei zu schießen: „Ich hatte keine Chance.“

Diese Ausfallerscheinung ist nicht ungewöhnlich bei Red Bull. Seit Sasionbeginn 2011 tauchen Kerspannen immer mal wieder auf, immer dort. Ein Grund für die Überhitzung ist die Enge im Heck des Boliden. Chefdesigner Adrian Newey neigt dazu, zugunsten einer möglichst guten Aerodynamik gewisse Risiken in Kauf zu nehmen. Auch am kommenden Wochenende wieder, in der Hitze von Abu Dhabi steht die Kühlung im Mittelpunkt. „Ein Bisschen Sorgen macht man sich ja immer“, sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner dem Fernsehsender RTL: „Es ist nach wie vor sehr eng, und jetzt kommen noch drei Strecken, auf denen ist nicht immer perfekt laufen muss. Auf dem Kurs von Abu Dhabi werden wir (vergleichsweise) am Schwächsten sein.“

Den schwächsten Tag will Mercedes dann gerne eine Woche hinter sich haben. Für Michael Schumacher war das Rennen quasi ein paar Sekunden nach dem Start beendet. Jean-Eric Vergne hatte den Frontflügel seines Toro Rosso in den rechten Hinterreifen des Mercedes gebohrt. Nach einem Reifenwechsel kämpfte Schumacher als Letzter (24.) um Anschluss, kam bis auf Rang 18 vor, beendete aus „Sicherheitsgründen“, wie er sagte, zwei Runden vor Schluss das Rennen. Nicht viel besser erging es Teamkollege Nico Rosberg: „Elfter, das ist der schlimmste Platz, so ohne Punkte, das ganze Wochenende war um sonst. Da kam sogar der Senna (im Williams) an mir vorbeigeflogen. Das kann doch nicht wahr sein, nichts gegen Senna, aber...naja.“

„Schlimmer kann es nicht werden“

Selbst der Williams ist zu schnell für Mercedes. Ganz zu schweigen von Force India mit Nico Hülkenberg am Steuer. Der Rheinländer, 2013 Pilot von Sauber, landete auf Rang acht, ließ im Mehrkampf unter anderem mit Rosberg den Mercedes-Mann relativ leicht hinter sich. Ein weiteres Indiz für die Schwäche des Silberpfeils auch in Indien, also die ungenügend Aerodynamik im Zusammenspiel mit der Nutzung des Reifenpotentials. Denn am Motor lag es nicht. Auch im Force India steckt ein Mercedes. Aus Sicht von Schumacher verbesserte sich mit dem Ausstieg in Indien zumindest die Perspektive: „Schlimmer kann es nicht werden.“

Viel besser aber auch nicht. Denn in den letzten drei Runden seiner Karriere ist ihm noch einmal ein Rekord gelungen. Schumacher hat nun - je nach Zählweise - 16 645 Rennrunden in der Formel 1 hinter sich. In jedem Fall aber den Rekord von Rubens Barrichello (16631) überboten. Vettel bleibt da noch Spielraum. Mit seinem 26. Sieg überholte er Jim Clark und Niki Lauda. Sein erstes Ziel ist es, Alonso bis zum Ende der Saison auf Abstand zu halten. Vettel wäre dann 2013 der einzige Fahrer mit drei WM-Titeln, also der Chefpilot der Branche. Und falls ihm dabei drei weitere Siege gelängen, dann hätte er den Serienstar der Formel 1, Schumacher, zumindest eingeholt: mit sieben Siegen ohne Unterbrechung.

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