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Formel 1 in Brasilien Zum Schluss siegt Webber

 ·  Mark Webber gewinnt den Großen Preis von Brasilien - den Getriebeproblemen von Sebastian Vettel sei Dank. Der Weltmeister wird Zweiter vor Button.

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© dapd Vergrößern Absprung zu guter Letzt: Webber feiert seinen ersten Grand-Prix-Sieg des Jahres

Die lange Formel-1-Saison von Ende März bis zum ersten Advent hat an den Kräften der Vettel-Verfolger gezehrt. Viele sind schmal geworden. Was an der kargen Kost gelegen haben könnte, die Red Bull den ewig Erfolgshungrigen übrig ließ. Auch beim Finale in Sao Paulo pickte die Renngemeinschaft um Sebastian Vettel jeden Krümel vom Teller.

Der Weltmeister gewann am Samstag das Startplatzrennen vor seinem Teamkollegen Mark Webber. Mit der 15. Pole-Position in dieser Saison stieg der 24 Jahre alte Hesse zum Rekordmann auf und ließ den Briten Nigel Mansell (14/1992) hinter sich. Am Sonntag wurde er dann wegen eines Getriebeproblems Zweiter hinter Webber.

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© AFP Vergrößern Kein Grund für Trübsal: Sebastian Vettel kann mit dem zweiten Platz gut leben

Es war der erste Sieg des Australiers in dieser Saison, der zwölfte für Red Bull in 19 Rennen. Zusammen mit den heftigen Niederlagen in der Fahrer- und der Konstrukteurswertung trifft diese grandiose Meisterschaft den empfindlichsten Nerv der unterlegenen Siegertypen.

Vettel für die Konkurrenz unangreifbar

Das überragende Brausemobil bringt joviale wie spöttische Schulterklopfer der ersten Red-Bull-Tage nach dem Einstieg 2006 inzwischen zum Schäumen. Am Sonntag standen die Gratulanten Schlange, während mancher Teamchef während der angesagten Lobreden die Faust in der Tasche ballte. Wie machen die das?

Nicht mal Defekte hielten das Weltmeisterteam davon ab, mit maximaler Beute in die Winterpause zu entschwinden. Dabei hatten sich McLaren und Ferrari so viel vorgenommen beim letzten Wettlauf. So ein Sieg über die Königsequipe des Automobilsports wäre zum Ende des Jahres ein schöner Anfang gewesen.

Die Bestätigung mit der Entwicklung richtig zu liegen, Red Bull auf den Fersen zu sein, diese Fahrgemeinschaft vielleicht zu verunsichern. Aber trotz seines technischen Malheurs wenige Runden nach dem Blitzstart an die Spitze war auch Vettel für die Gegner aus den anderen Lagern unangreifbar.

„Ich konnte nicht mehr richtig schalten“, berichtete der Champion. Hektische Betriebsamkeit im Funkverkehr: Das Team riet dem Champion, das Schaltmuster am Lenkrad zu verändern. Der aber fürchtete um seinen Speed, um seine Position: „Ich werde hinter ihm zurückfallen.“ Nur das nicht.

Vettel fuhr schneller, als es seine Strategen wünschten. Aber es reichte nicht. In der 30. von 71 Runden musste der Chefpilot den Hintermann passieren lassen. „Es wäre wohl undankbar, diesen Defekt jetzt zu beklagen.“ Vettels schlechteste Plazierung war Rang vier am Nürburgring. Allein seine Punkte (392) hätten in der Konstrukteurswertung zu Rang drei gereicht.

Vettel verlor in seinem diesmal fragilen Boliden zwar Webber bald aus den Augen. Aber weder Fernando Alonso im Ferrari noch der WM-Zweite Jenson Button (McLaren-Mercedes) vermochten das malade Vettelmobil zu stellen. Immerhin boten sie eine gute Unterhaltung. Erst zog Alonso auf der Außenbahn vorbei an Button (12. Runde) und davon. Aber der Engländer revanchierte sich kurz vor dem Ende und wurde Dritter.

Sein Teamkollege Lewis Hamilton hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon verabschiedet, wegen eines Getriebeschadens. Aber nicht in den Urlaub: „Im Gegensatz zu anderen müssen wir weiterarbeiten. Erst im Januar gibt es eine kleine Pause.“ Die Kräfteverhältnisse im Finale entsprachen in etwa dem Bild der Saison.

Senna und Schumacher geraten aneinander

Das galt auch für die Vorstellung von Mercedes und deren Crew. Nico Rosberg kam nach einem guten Qualifikationstraining (6.) im Grand Prix nicht voran. Stattdessen musste er sich auf einen Zweikampf mit Adrian Sutil im Force India einlassen. Rosberg wehrte sich nach Kräften, doch sein Überholmanöver bei Tempo 320 in der 50. konterte Sutil eine Runde später an gleicher Stelle. Und sauste als Sechster, wenn auch wie Rosberg überrundet, davon.

Diese Vorstellung des Bayern rundete dessen Beschleunigung in der zweiten Saisonhälfte ab. Sutil bewies damit, dass er einen Cockpitplatz 2012 verdient. Vielleicht kommt er beim Rennstall Williams unter, für den das Schlachtross Rubens Barrichello am Sonntag vermutlich seinen 322. und letzten Grand Prix fuhr.

Immerhin blieb dem Südamerikaner ein kleiner Triumph vergönnt. Er kam vor seinem ehemals dominanten Teamkollegen bei Ferrari als 14. ins Ziel. Aber nur, weil Michael Schumacher zu Beginn des Rennens am Frontflügel des Renault von Bruno Senna hängen geblieben war.

Slapstick bei Virgin

Der Brasilianer hatte am Ende der Zielgeraden im Kampf um Rang neun darauf verzichtet, dem Rekord-Weltmeister trotz dessen abgeschlossenen Überholmanövers ausreichend Platz zu lassen. Beim Einlenken schlitzte er den linken Hinterreifen des Silberpfeils auf. Dafür riefen die Streckenstewarts den Brasilianer zur Raison, zu einer langsamen Fahrt durch die Boxengasse.

Schumacher tröstete diese Bußfahrt nicht. Nach dem Reifenwechsel fand er sich auf Rang 24 wieder. Letzter. Aber im Rennen trifft man sich mitunter zweimal. Auf dem Weg zu Rang 15 zog der Mercedes-Pilot in der 40. Runde schadlos an Senna vorbei. Schumacher nahm den Vorfall gelassen hin.

Timo Glock aber fand die Slapstickeinlage seiner Mechaniker bei Marussia-Virgin während des ersten Boxenstopp gar nicht lustig: „Ich kann da nicht viel zu sagen. Dass man so einen Fehler macht nach zwei Jahren.“ Bei der Abfahrt sprang das herrenlose linke Hinterrad von der Achse über die Piste in die Barriere. „Wir haben“, sagte Glock, „in dieser Saison schon ein paar Boxenstopps verhauen. Da muss sich das Team auf den Arsch setzen.“

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