Als es vollbracht war, lief Sebastian Vettel (Red Bull) durch die Boxengasse, er trug seinen Helm in der Hand, winkte den Zuschauern auf der Tribüne zu und umarmte einen seiner Mechaniker. Im vierten Formel-1-Rennen des Jahres hat der Weltmeister zum ersten Mal in diesem Jahr gewonnen. Dabei hätte der Große Preis von Bahrein am Sonntag nicht länger als diese 308,238 Kilometer sein dürfen.
Schon wenige Meter hinter der Ziellinie musste der Deutsche seinen RB8 wegen Benzinmangels abstellen. Nur rund drei Sekunden trennten Vettel am Ende von Kimi Räikkönen (Lotus), der Finne stand erstmals seit seinem Comeback wieder auf dem Podium. Sein Teamkollege Romain Grosjean wurde Dritter, so weit vorne war er noch nie in seiner Formel-1-Karriere plaziert.
Vier Rennen, vier Sieger - diese Saison bleibt unberechenbar. Und Vettel (53 Punkte) führt auf einmal die WM-Gesamtwertung an, gefolgt von Lewis Hamilton (McLaren/48) und Mark Webber (Red Bull/47). „Es ist eine harte Saison. Wir sind alle sehr dicht zusammen, es sind Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen“, sagte Vettel.
Feiner Staub lag auf dem Bahrein International Circuit, an einigen Stellen des Kurses machte zudem Wind den Piloten zu schaffen. Und doch waren die Bedingungen anders, als es die Verantwortlichen der Teams erwartet hatten. Der Asphalt heizte sich nur auf rund dreißig Grad Celsius auf, anders als im Training und im Qualifying drang die Sonne nicht durch die Wolkendecke.
Schon auf den ersten Metern begann das Durcheinander im Feld. Vettel startete von der Pole Position und verteidigte seine Führung erfolgreich. Doch hinter ihm wurde attackiert, blockiert und überholt. Erst übte Grosjean Druck aus auf Vettel, danach tauchte Räikkönen in dessen Rückspiegel auf.
Nach 36 Runden nutzte der Finne den Windschatten vom Red Bull, er stellte auf der Geraden zusätzlich den beweglichen Teil des Heckflügels flach, drückte den Knopf des Energie-Rückgewinnungssystems (Kers) und war so für einige Momente zwanzig Kilometer pro Stunde schneller als Vettel. Räikkönen scherte aus und wollte vorbei, doch Vettel wehrte den Angriff ab. „Das war knapp“, sagte der Deutsche. „Ich bin froh, dass ich ihn hinter mir lassen konnte.“
Kurz danach ließen beide zum dritten Mal die Reifen wechseln, doch der Grand Prix war entschieden. „Du hattest ein unglaublich starkes Rennen, oder“, sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner zu Räikkönen. Doch der Zweiunddreißigjährige lächelte nicht einmal und erwiderte nur: „Nicht stark genug. Ich bin enttäuscht, ich habe es nicht geschafft zu gewinnen.“ Dabei wirkte der Finne wie so häufig: unbeteiligt und emotionslos.
Andere hatten weitaus mehr Gründe, Trübsal zu blasen. Zum Beispiel die beiden McLaren-Piloten, die als Favoriten in dieses Rennen gegangen waren. In der Startaufstellung stand Hamilton noch neben Vettel in der ersten Reihe, doch bei seinen ersten beiden Boxenstopps hatten die Mechaniker Probleme mit dem linken Hinterreifen des McLaren, der Engländer verlor Platz um Platz und kam schließlich als Achter ins Ziel.
Noch schlechter lief es für seinen Teamkollegen Jenson Button. Zwei Runden vor dem Ende verlor ein Hinterreifen Luft, Button musste an die Box, ließ die Gummis wechseln, gab aber eine Runde später wegen eines technischen Defektes auf. Noch vor zwei Wochen galt McLaren als das Maß der Dinge in der Formel 1, inzwischen hat Red Bull das Team in der Konstrukteurswertung überholt.
Eine Woche nach dem ersten Sieg von Mercedes erlebten die Deutschen einen Rückschlag. Nico Rosberg kam als Fünfter ins Ziel, kurz vor dem Ende war der Auspuff seines Silberpfeils gebrochen. Michael Schumacher wurde Zehnter. Im Zeitentraining am Samstag kostete ihn zunächst ein defekter Seilzug am Heckflügel eine bessere Ausgangssituation, danach wechselten die Mechaniker das Getriebe am Mercedes und Schumacher musste weitere fünf Plätze nach hinten rücken: Startplatz 22.
„Ich weiß nicht, ob ich glücklich sein soll oder nicht. Ein Punkt ist besser als gar nichts“, sagte er. Danach übte der Rekordweltmeister leise Kritik an der Reifenpolitik: „Man sollte sich die Frage stellen, ob die Reifen so eine wichtige Rolle spielen sollten“, sagte der Dreiundvierzigjährige. „Wir fahren teilweise mit 60 bis 70 Prozent (des möglichen Tempos) um die Kurven, weil du sonst bald nichts mehr hast, die Fetzen fliegen.“
Mehr denn je kommt es für die Teams darauf an, die perfekte Einheit aus Auto, Reifen und Streckenlayout zu finden. Red Bull ist es dieses Mal gelungen. „Wir haben nicht erwartet, dass es hier so gut laufen würde“, sagte Vettel. „Es war zum ersten Mal in diesem Jahr so, dass ich an die Grenze gehen konnte.“ Schlechte Nachrichten für seine Gegner.
Endstand nach 57 Runden: 1. Sebastian Vettel (Red Bull); 2. Kimi Räikkönen (Lotus); 3. Romain Grosjean (Lotus); 4. Mark Webber (Red Bull); 5. Nico Rosberg (Mercedes); 6. Paul di Resta (Force India); 7. Fernando Alonso (Ferrari); 8. Lewis Hamilton (McLaren Mercedes); 9. Felipe Massa (Ferrari); 10. Michael Schumacher (Mercedes) ... 12. Nico Hülkenberg (Force India); 19. Timo Glock (Marussia).
Prozessionsfahren wie eh und je
carsten jung (cjung)
- 23.04.2012, 14:15 Uhr
Schade, dass hier alles Theater ist
Bernhard Russ (speedykluge)
- 22.04.2012, 19:43 Uhr
Auf Wiedersehen Bahrain
Frank Wunderlich-Pfeiffer (zoelpf)
- 22.04.2012, 19:07 Uhr