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Formel 1 in Bahrein Lenken, nicht denken

 ·  Ein Jahr nach der Absage hat sich kaum etwas geändert. Am 22. April soll die Formel 1 trotz Protesten in Bahrein Station machen. Chef-Vermarkter Ecclestone versteht die Aufregung nicht.

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© dpa Ein Renner in der Wüste: 2010 machten Vettel und Co. letztmals Station in Bahrein

Die Formel 1 ist ihrer Zeit gerne weit voraus. Vor dem zweiten Grand Prix des Jahres an diesem Sonntag (Rennstart 10.00 Uhr MESZ / Live im F.A.Z.-Ticker) in Malaysia denken die Logistik-Abteilungen der Rennställe längst an die nächste Tour nach China und die Rückkehr ins Königreich Bahrein eine Woche später.

Am 22. April soll die Formel 1 wieder in der Sakir-Wüste auftreten. Ein Jahr ist es her, dass der Grand Prix vom Veranstalter abgesagt wurde. Die Bilder von der Erschießung unbewaffneter Demonstranten im Februar 2011 hatten Rennställe, Fahrer und Sponsoren empört. Seither hat sich kaum etwas geändert für die unterdrückte Bevölkerungsmehrheit.

Die verantwortliche Regierung ist weiterhin im Amt. Den Wunsch einer Menschenrechtsorganisation vom Januar, sich weiterhin fernzuhalten, ignorierte die Formel 1. Sowohl der Internationale Automobil-Verband (Fia) als auch Chefvermarkter Bernie Ecclestone wollen fahren. „Das Rennen steht auf dem Kalender. Wir werden da sein“, sagte Ecclestone, „es sei denn, etwas Schreckliches passiert.“

Die Hauptdarsteller des Zirkus werden in solchen Fällen nicht gefragt. Fahrer sollen lenken, nicht denken. Aber selbst die mächtigen Formel-1-Rennställe weichen bei diesem heiklen Thema aus. „Man kann nicht nach Lust und Laune entscheiden“, hieß es aus der Führungsetage eines Teams am Donnerstag quasi stellvertretend für die Branche: „Wir haben verbindliche Verträge.“

Die Rennställe, die Fia und der Vermarkter sind durch einen Vertrag namens Concorde-Agreement miteinander verbunden. Er regelt Rechte und Pflichten der Parteien. Alle Werbeeinnahmen Ecclestones, also auch die Vermietung des Fahrerfeldes an den Ausrichter in Bahrein, werden laut Concorde-Agreement zu fünfzig Prozent an die Rennställe verteilt. Eine Absage des Grand Prix würde die Teams, die an allen Ecken und Ende sparen müssen, viel Geld kosten. Angeblich erhält Ecclestone 39 Millionen Dollar für den Auftritt des Fahrerfeldes.

Manche Rennställe sind aber auch geschäftlich mit dem nahen Osten verbunden. Dazu gehören Ferrari, Williams und Mercedes. Bahrein besitzt Anteile an McLaren. Für das Königreich wiederum ist die Ausrichtung eines Großen Preises vor den Augen der Welt in diesen Zeiten von noch größerer Bedeutung.

„Es ist das Juwel in Bahreins Krone“, schreibt Kristian Ulrichsen von der London School of Economics, „denn abgesehen vom ökonomischen Vorteil (...) würde es ein mächtiges Signal sein für die Anerkennung von Bahreins Regime durch die internationale Gemeinschaft.“

Deshalb fürchtet Nabeel Rajab, Vizepräsident des Zentrums für Menschenrechte in Bahrein, die Wirkung einer großen Sause auf das Ausland. „Die Regierung will mit einem Formel-1-Rennen der Welt mitteilen, dass alles wieder in Ordnung ist“, sagte er im Februar. „Wenn die Formel 1 kommt, dann wird sie dabei helfen. Wir hoffen, sie kommt nicht.“

Das ist nach dem Stand der Dinge unwahrscheinlich. Wie aus Kreisen der Fia zu hören war, könnten allein gewalttätige Auseinandersetzungen in den nächsten Wochen die Rückkehr gefährden. Vorsorglich schwang sich der 81 Jahre alte Brite Ecclestone als Berater der Demonstranten auf: „Sie brauchen keine Gewalt. Alles, was sie tun müssen, ist, sich mit Plakaten an die Straße zur Strecke zu stellen und so ihre Forderungen zu zeigen. Niemand wird auf sie schießen“, wurde Ecclestone neulich vom „Daily Telegraph“ zitiert.

„Wenn ich der Organisator wäre, würde ich bis vier Uhr, oder wann immer das Rennen beginnt, mit ein paar tausend Leuten die Straße blockieren und dann nach Hause gehen. Wenn sie erfolgreich das Rennen verzögern, bekommen sie mehr Übertragungen, als sie sich erträumen.“ Ein friedlicher Ablauf wäre auch im Interesse des Fia-Präsidenten Jean Todt.

Er hat einflussreiche Freunde in der arabischen Welt des Motorsports. Sie sollen bei seiner Wahl zum Fia-Boss für ihn gestimmt haben. Auch Todts Sohn unterhält gute Kontakt nach Bahrein. Sein Rennstall, ein Team der Nachwuchsserie GP2, wird teilweise mit Geldern aus Königreich finanziert wird. Noch unklar ist, wie sich die Formel-1-Versicherer verhalten. Von ihrer Entscheidung wird abhängen, ob das Risiko für die Teamchefs, die letztlich für Wohl und Wehe ihrer Mitarbeiter verantwortlich sind, nicht doch zu groß wird.

Bislang verweisen die Reiselustigen der Formel 1 auf das britische Außenministerium. Es habe keine Reisewarnung ausgesprochen. Auf der Internetseite stand am Donnerstag aber unter anderem mit Hinweis auf Bahrein: „Es besteht ein hohes Risiko für terroristische Attacken.“

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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