Home
http://www.faz.net/-gu4-74jyz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Formel-1-Finale Schwierige Erbschaft

Der Ära von Michael Schumacher folgte in der Formel 1 bislang keine zweite. Jetzt hat es Sebastian Vettel in São Paulo in der Hand, den Schwebezustand zu beenden - was seinem großen Konkurrenten Fernando Alonso zuvor nicht gelungen war.

© dpa Vergrößern Hochdekorierter Doppelkopf: Bei aller Rivalität waren der Respekt Vettels gegenüber Schumacher und die gegenseitige Symphatie immer zu spüren

Alles soll normal sein. Alles ist normal, sagt Sebastian Vettel: „Ein Rennen wie jedes andere.“ So hat auch Fernando Alonso am Donnerstag gesprochen. Ihm bietet sich die letzte Chance, Vettel noch einzuholen und, endlich, zum dritten Mal, Weltmeister zu werden. Der Hesse könnte gleich zum dritten Mal in Serie den Titel gewinnen, also wieder Geschichte schreiben. Aber der Pulsschlag der beiden ist kaum fühlbar vor dem großen Finale am Sonntag in São Paulo (Start: 17 Uhr MEZ / Live im Formel-1-Ticker auf FAZ.NET). Das ist die große Kunst in der Formel 1; die Emotionen vor der allerletzten, der schwierigsten Kurve ausblenden, sich nicht packen zu lassen von der wachsenden Spannung, unberührt erscheinen.

Anno Hecker Folgen:  

Vettel und Alonso haben sich redlich bemüht. In der ersten Dreierreihe auf dem Podium der Pressekonferenz schwatzte jeweils einer mit dem großen Mittelmann Michael Schumacher, während der andere der Weltpresse Rede und Antwort stand. Nüchtern. Über diese halbe Stunde gelang es Vettel und Alonso, einen Meter voneinander getrennt, über sich, über die Konkurrenz zu reden und dabei den Rivalen konsequent zu ignorieren. Augen geradeaus. Kein einziges Mal trafen sich ihre Blicke. Alles normal in São Paulo.

Doppelt und dreifach gecheckt

Die Sekundanten der Hauptdarsteller tragen seit dem Grand Prix in Austin am vergangenen Sonntag Sprachregelungen durch das Fahrerlager. Baldrian für das Fan-Volk und Selbstmedikation? „Wir haben nichts zu verlieren“, sagt Ferraris Pressesprecher. Weil Alonso mit 13 Punkten vor der allerletzten der 20 großen Runden in diesem Jahr im Rückstand liegt. „Für Fernando ist das eine einfache Kiste“, sagt Schumacher: „Angriff.“ Auch verbal. Alonso versucht, den ganzen bremsenden Druck seinem sechs Jahre jüngeren Rivalen aufzuladen: „Vielleicht kann er nicht so gut schlafen.“ Vettels Wangen sind nicht so glatt glattrasiert wie Alonsos. Er wirkt in seiner blauen Teamuniform nicht so frisch gebügelt wie der Ferrari-Mann in seiner faltenfrei roten Kluft. Aber die Augen blitzen hellwach, als man ihn nach seinen Sorgen fragt: Ob es denn dem Lichtmaschinchen in seinem Boliden nicht doch zu heiß werden könnte wie zuletzt im Rennwagen seines Teamkollegen Mark Webber: Stillstand mitten im Rennen, schon wieder. So was am Sonntag? Eine Horrorvorstellung.

22272306 © AFP Vergrößern Unvollendeter Traum: Dass der hochbegabte Alonso am Sonntag seinen dritten Titel feiert ist eher unwahrscheinlich

Aber Vettel schmort nicht, sagt er. Jedes Schräubchen haben die Ingenieure geprüft, alles wird doppelt und dreifach gecheckt. „Eines ist mal sicher“, sagt der Sportchef von Mercedes, Norbert Haug, „in so einer Situation lässt man keinen Stein auf dem anderen.“ Denn es steht mehr auf dem Spiel als die Vergabe des 63. WM-Titels. Ferrari hat vier Jahre nicht mehr gewonnen, die Schwäche des Autos im Frühling hätte die Führung des Rennstalls fast um Kopf und Kragen gebracht. Im Sommer führte Alonso dann mit 42 Punkten vor Vettel. Wer sollte ihn schlagen? Aber nun steht dieser Wunderknabe aus Heppenheim wieder vor dem Fahrgenie aus Oviedo. Wie 2010 nach dem letzten Grand Prix in Abu Dhabi, dem Coup des Jahres. Damals drehte Vettel den Spieß um, holte 15 Punkte auf. Alonso weinte - und verstand. Vettel ist nicht irgendein Gegner, kein Gelegenheitsweltmeister, kein Kind glücklicher Umstände. Er ist die Bedrohung seines Traums.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Formel-1-Tests Alonsos mysteriöser Unfall

Bewusstlos in die Mauer? Bei Testfahrten der Formel 1 in Barcelona gibt der Crash des Spaniers Rätsel auf. Er passt zum Auftritt seines Rennstalls McLaren-Honda. Mehr Von Hermann Renner, Barcelona

22.02.2015, 14:29 Uhr | Sport
Formel 1 Ferrari präsentiert neues Vettel-Auto

Sebastian Vettel hat seinen neuen Ferrari-Boliden präsentiert. Mit der Roten Göttin will der Vierfach-Weltmeister an alte Erfolge anknüpfen. Mehr

30.01.2015, 21:37 Uhr | Sport
Formel-1-Tests in Barcelona Zweifel an Erklärung für Alonsos Unfall

Drei Tage nach seinem Unfall verlässt Formel-1-Pilot Fernando Alonso das Krankenhaus und erholt sich nun daheim. Das McLaren-Team gibt weiter einer Windböe die Schuld – doch Experten bezweifeln, dass das die ganze Wahrheit ist. Mehr Von Hermann Renner, Barcelona

25.02.2015, 16:20 Uhr | Sport
Wechsel bestätigt Endlich offiziell: Vettel zu Ferrari

Wie am Donnerstag bestätigt wurde, wird der viermalige Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel in der kommenden Saison zum italienischen Rennstall Ferrari wechseln. Mehr

22.11.2014, 19:30 Uhr | Sport
Uneinigkeit in Kommission Die Formel-1-Reform fällt aus

Motoren über 1000 PS, breitere Reifen und aggressiv wirkende Autos – so wollte die Formel 1 gegen das sinkende Interesse kämpfen. Doch daraus wird nicht. Eine Kommission lehnt Änderungen schon im kommenden Jahr ab. Mehr

18.02.2015, 10:41 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 24.11.2012, 12:13 Uhr

China-Kracher im Tischtennis

Von Peter Heß

Ma Long und Timo Boll spielen bei der WM zusammen Doppel. Die Tischtennis-Welt jubelt über diese Nachricht. Aus sportlicher Hinsicht ist Bolls Doppel-Auftritt allerdings zweifelhaft. Mehr 1