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Formel 1 Ferrari dominiert - BMW neue Nummer zwei

 ·  Die Ferrari-Piloten Felipe Massa und Kimi Räikkönen belegen beim Formel-1-Rennen in Bahrein die ersten beiden Plätze - aber die Konstante heißt im Moment BMW-Sauber. Der Rennstall hat vorerst McLaren-Mercedes als Nummer zwei abgelöst.

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Kleiner Mann ganz groß. Innerhalb von drei Tagen ist Felipe Massa wieder gewachsen - vom kleingemachten Beifahrer neben Weltmeister Kimi Räikkönen zum Chefpiloten beim Großen Preis von Bahrein hochgeschossen. Massa, nach Fehlern in den ersten beiden Saisonrennen schwer gescholten, siegte am Sonntag auf dem Kurs am Rande der Sakhir-Wüste vor seinem Teamkollegen Räikönen, dem Polen Robert Kubica und dem Mönchengladbacher Nick Heidfeld (beide BMW-Sauber).

McLaren-Mercedes, mit Lewis Hamilton Gewinner des Auftaktrennens in Melbourne, konnte den beiden Konkurrenten nicht folgen. In dem weitgehend unspektakulären dritten Saisonrennen belegte Nico Rosberg im Williams Rang acht vor Timo Glock (Toyota). Adrian Sutil wurde im Force India Neunzehnter und Letzter. Toro-Rosso-Pilot Sebastian Vettel schied nach zwei Kollisionen in der ersten Runde aus. In der Fahrerwertung führt nun Räikkönen mit 19 Punkten vor Heidfeld (16) und Kubica (14).

Spielend leicht an Kubica vorbei

Vorne bleiben, das wäre Kubicas Chance gewesen. Und die für BMW-Sauber, einen Coup zu landen. Aber in den ersten Sekunden nach dem Start verpuffte die vage Hoffnung der Bayern im Dunst schmorenden Gummis beim Blitzstart von Ferrari. Massa schoss spielend leicht an Kubica vorbei und bog als Erster in die erste Kurve. Als sich in der dritten Runde auch noch Räikkönen geschickt am Polen vorbeidrückte, dessen Reifen ölverschmiert waren, erfüllte sich die Prognose: Ferrari war das Maß am Sonntag.

BMW-Sauber ist, wie selbst eingeschätzt, schnell genug für eine Runde, aber noch nicht ausreichend stark für einen siegreichen Dauerlauf auf höchstem Niveau. Als Massa Gas gab, fuhr er drei Zehntelsekunden pro Runde schneller. „Wir waren erfreulich nahe an Ferrari dran“, sagte Sportchef Mario Theissen. Die Annäherung an Ferrari dokumentiert den vorletzten Schritt zum Top-Team: BMW-Sauber hat vorerst McLaren-Mercedes als Nummer zwei abgelöst.

„Den Tag sollte man schnell vergessen“

Immerhin bot der Konkurrent aus Stuttgart die beste Show zu Beginn der Wüsten-Sause. Erst kam Lewis Hamilton von Startplatz drei nicht in die Gänge, weil beim Anfahren die Drehzahlen so stark fielen, dass das System automatisch in den Leerlauf schaltete, um eine Abwürgen des Motors zu verhindern. Dann verlor der Brite, zurückgefallen ins Mittelfeld, die Haftung. Ausgerechnet hinter seinem ehemaligen Teamkollegen Fernando Alonso. Der geschätzte Bremsweg reichte jedenfalls nicht, um die nächste unangenehme Begegnung nach der Trennung im Streit zu verhindern. Hamilton verlor als Auffahrer seinen Frontflügel und mit dem Schnauzenwechsel in der Box auch den Anschluss: Achtzehnter mit 64 Sekunden Rückstand. Das reichte nur noch zu Rang 13. „Den Tag“, sagte Mercedes' Sportchef Norbert Haug, „sollte man schnell vergessen.“

Ferrari wird den Sonntag im Kalender rot einrahmen. Zu zweit vor der BMW-Crew und hinten dran der Erzrivale, mit dem Finnen Kovalainen als Fünftem und dem schimpfenden Hamilton am Ende, im nervenden Zweikampf mit Giancarlo Fisichella und dessen vergleichsweise langsamem Force India. So hatte man sich das gewünscht in Maranello: „Hauptsache, die Silbernen gewinnen nicht“, verriet ein Roter bei der Startaufstellung zwanzig Minuten vor der Abfahrt und deutete wohlwollend auf Kubica neben seinem Boliden: „Dem gönn‘ ich es.“

Bahrein ist für die Italiener ein Heimspiel

In der Rolle des Puffers aber gefielen Kubica und Heidfeld den Italienern viel besser. Zumal die Silhouette des BMW-Sauber im Rückspiegel diesmal noch langsam, aber zunehmend kleiner wurde. Schon rund um den ersten Boxenstopp zeichnete sich ab, wie schnell Ferrari im kleinen Königreich kreiste. Während Kubica als Erster seinen BMW zum Nachtanken vorfuhr, blieb Massa vier Runden länger im Rennen. Was die erste Pole-Position des Polen und für Sauber-BMW etwas relativiert. Der Ferrari-Mann, im Startplatzrennen um knapp drei Hundertstelsekunden geschlagen, hätte - rein rechnerisch - vier Zehntelsekunden schneller sein können als der Pole. Bahrein, sagen Ferraris Gegner, ist für die Italiener ein Heimspiel.

So wie die Scuderia im Februar Runde um Runde in der Hitze abspulte, während abgesehen von Toyota kein anderes Team zum Trainieren ins Emirat flog. McLaren-Mercedes zum Beispiel aus logistischen Gründen. Ersatzteile lassen sich bei technischen Problemen nicht so schnell heranschaffen wie in Europa. Vermutlich hat Ferrari die Datensammlung für einen satten Vorsprung im Königreich genutzt. Nach den technischen Problemen in Australien, dem starken Auftritt in Malaysia mit Räikkönens Sieg und der Demonstration in Bahrein gerät die These von einem ständigen Führungswechsel unter den Top-Teams, von einem spannenden Schlagabtausch in der Formel 1 allerdings leicht ins Wanken, sieht man einmal von der Affäre Mosley ab.

Ganz sicher ist aber nur eines: BMW-Sauber ist die Konstante der jungen Saison. Trotz einer deutlich geringeren Höchstgeschwindigkeit fährt das Team auf so hohem Niveau, dass man nicht mal siegen muss, um ganz vorne zu stehen: Nämlich mit nun 30 Punkten an der Spitze der Konstrukteurswertung vor Ferrari (29) und McLaren-Mercedes (28). Das aber reicht Sportchef Mario Theissen nicht: „Die Ergebnisse sind ein Motivationsschub für die kommenden Wochen. Im Auto steckt viel Potential.“ Nun haben die Teams drei Wochen Zeit, an ihren Rennern zu feilen. In Barcelona soll sich dann herausstellen, wem in der ersten Testphase der Saison Flügel gewachsen sind. Einer ist schon so weit: Massa wirkte schwer erleichtert. Jedenfalls sah es so aus, als schwebte er aus dem Fahrerlager. Mit seinem ersten Saisonsieg ist er wieder eine Größe.

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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