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Formel 1 Ecclestone zuckt die Schultern: Vertrag ist Vertrag

 ·  Die Formel 1 kennt kaum ein anderes Thema vor dem Großen Preis von China, doch Hoffnung auf eine Absage des Rennens in einer Woche in Bahrein gibt es kaum. Unwohl ist beinahe allen, entscheiden kann angeblich niemand.

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© dapd Ecclestone in Schanghai: „Würde ich absagen, würde ich vertragsbrüchig“

Die Chancen, dass der für 22. April geplante Grand Prix von Bahrein in letzter Minute abgesagt wird, schwinden. Am Sonntag läuft die Frist aus. Dann müssen die Teams wissen, wohin die Fracht geschickt wird und die Flüge gebucht werden: nach Bahrein oder nach Europa. Die Teams legen die Verantwortung in die Hände des Weltverbandes Fia. Sie wollen darüber am Samstag noch einmal mit Fia-Präsident Jean Todt und Formel-1-Chef Bernie Ecclestone sprechen.

Auch wenn niemand den Mut hat, öffentlich eine Absage zu fordern, so beschleicht doch viele ein Gefühl der Angst vor der Reise in ein Land, in dem Widerstand unterdrückt wird und Gewalt gegen Demonstranten ausgeübt wurde. Die Sorge um den Zustand des Menschenrechts-Aktivisten Abdelhadi al Chawadscha, der sich seit Anfang Februar in Hungerstreik befindet, dürfte auch die Formel-1-Geschäftsleute beunruhigen. Er wurde wegen angeblicher umstürzlerischer Pläne zu lebenslanger Haft verurteilt.

Bernie Ecclestone macht den Teams wenig Hoffnung. Der große Strippenzieher sieht sich diesmal nicht in der Lage, an den Strippen zu ziehen. „Mich verbindet mit dem Grand Prix von Bahrein ein geschäftlicher Vertrag. Würde ich das Rennen absagen, würde ich vertragsbrüchig.“ Damit läge der Ball bei der Fia. Doch auch da schüttelt der 81 Jahre alte Engländer sein weißes Haupt. „Auch der Fia sind die Hände gebunden. Sie kann das Rennen nicht einfach so vom Kalender nehmen. Sie hat auch nicht die Macht, den einzelnen Ländern vorzuschreiben, was sie auf ihrem eigenen Territorium zu tun haben. Der Verband hat einen Vertrag mit der Nationalen Sportbehörde von Bahrein. Deshalb kann ein Ja oder ein Nein zu dem Grand Prix nur von dieser Nationalen Sportbehörde kommen. Sie müsste die Fia bitten, das Rennen vom Kalender zu streichen.“

Ecclestone weiß, was auf dem Spiel steht. Jeder Zwischenfall würde den Sport treffen. Die Kritiker wurden der Fia und ihm vorwerfen, nur des Geldes wegen über Menschenrechtsverletzungen hinwegzusehen. Also verschanzt er sich hinter der Frage: „Wissen wir in jedem Land, in dem wir fahren, ob die Menschenrechte eingehalten oder verletzt werden?“ Je mehr die Stimmung gegen den Grand Prix Bahrein kippt, umso mehr wehrt sich der große Zampano der Formel 1 gegen politische Absichten. Es liegt auf der Hand, dass die Regierung von Bahrein das Rennen nutzen will, um der Welt ein besseres Bild zu bieten als das, was durch die Verhaftungen und Misshandlungen auf den Straßen und Plätzen von Manama vor einem Jahr offenbar wurde. „Es sollte nicht sein, dass wir für politische Zwecke gleich welcher Art benutzt werden“, seufzt Ecclestone.

Webber: „Machen wir uns nichts vor“

Er wird in Bahrein anwesend sein. Auch die Fahrer haben keine Wahl. Während die meisten schweigen, versucht Mark Webber wortreich einen Einblick in seine Gefühlslage zu geben. „Ich bin ein Rennfahrer und habe einen Vertrag mit meinem Team. Mein Team hat einen Vertrag mit der Fia. Das Rennen steht im Kalender, und wenn es stattfindet, muss ich meinen Vertrag erfüllen.“ Der Australier hat in den vergangenen Wochen versucht, sich so über die aktuelle Lage in dem Inselstaat zu informieren.

„Ich habe viele Nachrichtensendungen gesehen und viel darüber gelesen. Trotzdem ist es immer noch schwierig, sich einen fairen Überblick über die Ereignisse dort zu verschaffen. Letztes Jahr war es richtig, das Rennen abzusagen. Keiner von uns weiß aber, ob die gleichen Gründe dafür immer noch vorherrschen.“ Webber möchte nicht in der Haut derjenigen stecken, die diese Entscheidung zu treffen haben. „Es ist eine massive Verantwortung. Kein Mensch kann absolute Sicherheit garantieren. Im Januar wäre diese Entscheidung noch einfacher zu treffen gewesen. Jetzt wird es mit jedem Tag schwieriger.“

Die Behauptung der Landesführung, dieses für Bahrein so wichtige Sportereignis könne die verfeindeten Parteien zusammenbringen, kann den Red-Bull-Piloten nicht hundertprozentig überzeugen: „Lasst uns hoffen, dass es so ist und dass das Rennen ganz normal über die Bühne geht. Die Leute in Bahrein müssen selbst am besten wissen, ob es tatsächlich so ist.“ Der Grand Prix als Instrument der Politik ist laut Webber nicht ein für Bahrein spezifisches Problem. „Die Formel 1 ist eine weltweit bekannte Sportart. Machen wir uns nichts vor. Hinter jedem Grand Prix auf dieser Welt steckt irgendein Interesse, und wenn es nur ein finanzielles ist.“

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