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Formel 1 Der Charaktertest von Sepang

 ·  Der Start in Australien ist misslungen: Mercedes glaubt nun, die Gründe für den Fehlstart in die neue Saison der Formel 1 zu kennen. In Malaysia soll Schumacher und Rosberg am Wochenende der Sprung in die Verfolgergruppe gelingen.

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Zweiter Versuch: Es wird alles besser werden, verspricht Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Schwer enttäuscht ist das Silberpfeil-Ensemble vom ersten Grand Prix aus Melbourne abgereist. Geschlagen von der Unzuverlässigkeit der Technik, von der Tücke des Boliden in den Kurven aus der Spur geworfen. Nah hatte Mercedes dem Tempomacher Red Bull und Sebastian Vettel sein wollen. Aufgeputscht von der Bestzeit beim letzten Saisontest in Barcelona wähnten sich die Steuerkünstler Michael Schumacher und Nico Rosberg auf dem Weg zu Podien, der Rekordweltmeister dachte auch an Siege. Stattdessen verloren beide schon beim Qualifikationstraining die Spitze aus den Augen. (siehe: Formel 1: Vettel hat die besten Karten)

„Weil wir nicht das Potential aus dem Auto herausgeholt haben“, erklärte Teamchef Ross Brawn. An diesem Wochenende soll das anders werden. Denn die Rennstrecke für den Großen Preis von Malaysia ist die erste Station der Formel 1 anno 2011 auf einem permanenten Kurs, mit langen Geraden und „schnellen Kurven“. „Das ist“, behauptet McLaren-Pilot Lewis Hamilton, „der echte Gradmesser für die Autos“. Und angeblich die ultimative Prüfung für Mercedes: „Die Art unserer Reaktion wird zeigen“, kündigte Brawn an, „was unser Team leisten kann.“

Freiwillig hat der Brite den Auftritt im schwül-heißen Sepang (30 Grad Celsius, 80 Prozent Luftfeuchtigkeit) nicht zum Charaktertest erhoben. Der Druck auf das ehrgeizige Projekt ist enorm gewachsen. Aber der graduierte Messtechniker geht das Risiko ein. Er kennt die Daten, die Hochrechnungen, die Kalkulationen und das Ergebnis des realen Tests bei der letzten Vorbereitungstour in Barcelona. Ein aufsehenerregender Abschluss. Doch zwei Wochen später kamen Rosberg und Schumacher beim Sprintrennen für die Startaufstellung von Melbourne 1,6 und gut 1,9 Sekunden hinter Vettel ins Ziel.

Wo also ist ihre Zeit geblieben? Brawn und Haug sind schnell fündig geworden. Der Datenfunk aus den Fabriken in Brackley (Chassis) und Brixworth (Motor) bestätigte die Pannen: Das Energierückgewinnungs-System Kers funktionierte im Mercedes nicht konstant. Ein Schubverlust, der 0,3 bis 0,4 Zehntelsekunden (pro Runde) kostete und die Piloten zwang, ständig an der Bremsbalance herumzuschrauben.

Der Heckflügel ist verändert

Gleichzeitig registrierten Rosberg und Schumacher ein rutschiges Heck beim Einlenken in „schnellere Kurven“. Der Heckflügel, seit dieser Saison mit einem Element beweglich, vereinte Tempo wie Tücke. Ein Strömungsabriss beschleunigte die Silberpfeile auf der Geraden zu Spitzengeschwindigkeiten. In der Kurve aber fehlte der aerodynamisch erzeugte Anpressdruck – manchmal überraschend. „Wir hätten insgesamt 0,8 Sekunden besser sein können“, sagte Brawn, „wenn wir denn alles zusammen bekommen hätten.“

Die „Lösungen“ sind nach der Arbeit daheim in Malaysia angekommen. Ein veränderter Heckflügel, ein laut Team weniger störanfälliges Kers. Tiefere Einblicke in die Simulations- und Windkanalarbeit der vergangenen zehn Tage lässt der Rennstall nicht zu. Alle Varianten sind getestet worden, vom Computer in endlosen Variationen durchgespielt. An diesem Freitag steht die Praxisprüfung an. Die Anspannung steigt wieder. Schumacher umklammerte im kleinen Mercedes-Pavillon das Mikrofon: „Wenn wir wieder zum Barcelona-Auto kommen, dann sind wir auf Ferrari-Niveau.“

Auch Ferrari-Rot strahlt nicht in Reihe eins

Die Erinnerung des Rekordweltmeisters an seinen alten Rennstall mag wie ein Reflex erscheinen. Aber Maranello-Rot leuchtet nicht mehr in der ersten Reihe. Seit Melbourne quält auch die Italiener eine überraschende Entdeckung ihrer Langsamkeit. Im Rennen kam Alonso halbwegs über die Runden (Vierter), im Qualifikationstraining aber fehlten ihm auch 1,2 Sekunden zu Vettel. Die Orientierung an Ferrari und nicht an Red Bull, an „das beste Auto“ (Schumacher), dokumentiert also die Ernüchterung im Lager der Silberpfeile: In Malaysia geht es auf den ersten Blick um die Ehrenrettung, den Sprung in die Verfolgergruppe.

Es steht jedoch mehr auf dem Spiel. Kann Mercedes mit großem Namen, aber vergleichsweise kleinerem Budget einen Kraftakt wie McLaren stemmen? Die Briten, deren Etat mit 240 Millionen (geschätzt) deutlich über dem der Deutschen liegt, stürmten mit ihrem kurz vor dem Saisonstart umgebauten Renner an Position zwei. Was weniger mit Tradition, sondern mit vielen Mitarbeitern und der modernsten Rennwagenfabrik zusammenhängt. Rund um die Silberpfeile muss schärfer kalkuliert werden: „Natürlich werden nun Ressourcen gebunden, die sonst in die Entwicklung gehen“, sagte Schumacher: „Jetzt brauchen wir sie bei der Problembewältigung.“

Während bei Mercedes nach dem Startmodus von Barcelona gefahndet wird, fahren die anderen mit ihrem Beschleunigungsprogramm voraus, von Grand Prix zu Grand Prix ein Stückchen weiter. 330 Millionen Dollar machen es angeblich bei Red Bull und Ferrari möglich. Renault liegt noch hinter Mercedes – in der Geldrangliste, nicht auf der Piste. Deshalb muss der nächste Versuch sitzen.

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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