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Formel 1 am Nürburgring : Die Formel Widerspruch

Schön teuer: Formel 1-Strecke in der Eifel Bild: dpa

Die Formel 1 ist zu teuer geworden für die Eifel. Dabei ist das Spektakel, auch dank der vielen Überholmanöver, so interessant wie selten zuvor. Aber ist es auch besserer Sport?

          Sechs deutsche Fahrer saßen am Donnerstag in der Fragerunde vor dem Großen Preis von Deutschland auf dem Podium. Ein Viertel des Feldes, Mittendrin der Hauptmatador: Sebastian Vettel, 24 Jahre alt, der gejagte Weltmeister. Die Deutschen bieten alles, was die Attraktivität des Zirkus ausmacht, in allen Kategorien und Generationen, von einer kuriosen Bastelbude, dem Rennstall HRT mit Sitz in Greding, bis hin zum berühmten Silberpfeil-Konzern; vom charmanten Jungstar bis zum relaxten 42 Jahre alten Rekordweltmeister Michael Schumacher. „Ein Glücksfall“, sagt Mercedes’ Sportchef Norbert Haug. Doch diese erste deutsche Dominanz seit Schumachers Ferrari-Ära wird konterkariert von einer in der Szene befürchteten Bedrohung: das Formel-1-Festival auf dem Nürburgring am Sonntag könnte das letzte gewesen sein.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die Formel 1 ist zu teuer für den Veranstalter in der Eifel. Diesmal noch springt das Land Rheinland-Pfalz in das Finanzierungsloch, das der Kreisverkehr reißen wird. Mit 13 Millionen Euro Verlust rechnet der inzwischen private Betreiber. Obwohl die Zahl der zahlenden Zuschauer von 50.000 (2009) nun auf deutlich über 60.000 ansteigen wird. Aber für ein ausgeglichenes Geschäft müssten die Kaufleute rund 100.000 Menschen anlocken. Falls Formel-1-Manager Bernie Ecclestone bei seinen Forderungen bleibt.

          Diesmal erhalten der Brite und die zwölf Rennställe für die Vermietung des Fahrerfeldes angeblich 23 Millionen Dollar (16 Millionen Euro). Ein Durchschnittspreis. In China, Singapur oder Abu Dhabi, die einen Grand Prix als Imagewerbung betrachten, fließen weit höhere Summen. Ecclestone zieht es deshalb seit Jahren fort von den Europäern. Und die Rennställe leben gut davon. Sie erhalten 50 Prozent aller Einnahmen. Und doch haben sie das Risiko längst erkannt: Vollgas vor sich leerenden Tribünen. „Keiner aus dem Fahrerlager würde sich wohl eine Karte für 400 Euro kaufen, um das hier zu sehen“, sagt ein Mitarbeiter eines bedeutenden Teams: „Eine vierköpfige Familie könnte für das gleiche Geld leicht wohl eine Woche Urlaub machen.“

          Bremslicht für die Formel 1: Am Nürburgring gibt es wohl keine Zukunft

          Spannender als zuvor

          Und so hat die Rennstallvereinigung Fota die Fans befragt, Regelstudien betrieben und daraus zu Saisonbeginn das wohl ehrgeizigste Überhol-Programm seit Erfindung des Motorsports inszeniert. Nun jubelt die Szene. Seit Saisonbeginn zählten Mercedes-Ingenieure 623 Überholmanöver ohne die Angriffe in der ersten Runde, so viele wie nie zuvor in der modernen Formel 1. „Das“, sagt der McLaren-Pilot und Weltmeister von 2009, Jenson Button, „ist ein großartiges Spektakel.“ Plötzlich also funktioniert am laufenden Band, was jahrelang beschworen wurde. Nichts scheint spannender als die Verdrängung in aberwitzigem Tempo.

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