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Formel 1 Ablenkung von der Krise

Sergio Perez wurde überraschend Zweiter in Malaysia. Er steht an der Spitze einer neuen und vielversprechenden Fahrergeneration. Doch der Formel 1 geht es wesentlich schlechter, als es nach außen wirkt.

© dpa So jubelt - ein Zweiter: Sergio Perez fuhr in Malaysia nicht als Sieger ins Ziel, fühlte sich aber so

Regen bringt Segen. Zumindest war alles, was am Sonntag während des Großen Preises von Malaysia von oben kam, zum Wohle von Sergio Perez. Während manche Stars der Szene die Wetterkapriole wie einen herben Niederschlag empfanden, fühlte sich der Mexikaner in den Fluten auf dem Asphalt von Sepang pudelwohl. Sie spülten den Sauber-Mann weit nach vorne. Im Rennen auf den zweiten Platz hinter Sieger Fernando Alonso und damit gleich in die erstbeste Position als der nächste Ferrari-Kandidat. Jetzt soll er an der Spitze einer neuen Welle in der Formel 1 stehen: Die Nobodys steigen auf.

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Es wäre nicht das erste Mal, dass Champion-Qualitäten eines jungen Fahrers in der schleierhaften Gischt Konturen annehmen. Über Sebastian Vettel staunte alle Welt, als er in Monza 2008 am Steuer des unterlegenen Toro Rosso unter ähnlichen Bedingungen dank taktischer Cleverness und fahrerischer Brillanz den Favoriten vor der Nase her fuhr.

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Vettel aber gewann das Rennen. Das ist der Unterschied zu Perez. Der wird nun daheim in Mexiko zunächst virtuell auf Händen getragen. In Italien fordern Medien Ferraris Granden indirekt zur sofortigen Einstellung auf. Aber bei allem Respekt für diesen Coup des Teams, für die Kühnheit des Fahrers, die Angriffslust: Perfekt war die Vorstellung nicht. Perez hätte Sauber den größten Erfolg seit Einzug des schweizerischen Rennstalls in die Formel 1 1993 bescheren können. Nur einmal hatte das Team, die Liaison mit BMW nicht eingerechnet, eine ähnlich große Siegchance gehabt.

1996 vergab sie Heinz-Harald Frentzen in einem turbulenten Grand Prix in Monaco - im Regen. Diesmal war die Aussicht noch größer. Perez saß Alonso im Nacken, fuhr eine halbe Sekunde pro Runde auf der im letzten Viertel getrockneten Piste schneller. „Wir haben nicht geglaubt, dass Fernando gewinnt“, schilderte Ferraris Kommunikationschef am späten Abend die Anspannung in der Box der Scuderia. Aber Perez verlor die Nerven im entscheidenden Moment, schoss bei seiner Attacke über die Piste hinaus. Das ist schon berühmteren Piloten passiert.

Die Jungen sitzen in guten Rennwagen

Und andere Kollegen aus der Perez-Klasse sind auch nicht fehlerfrei über die ersten beiden Runden der Formel 1 in Australien und Malaysia gekommen. Bruno Senna (Startplatz 13) wurde am Sonntag Sechster im Williams, nachdem er in Melbourne wegen eines Unfalls ausgeschieden war. Sein Teamkollege Pastor Maldonado schaffte es in „Down Under“, in der letzten Runde als Sechster in die Leitplanken zu krachen.

Der Franzose Romain Grosjean kam schließlich in keinem der beiden Rennen ins Ziel, obwohl er dem nach wie vor blitzschnellen Kimi Räikkönen bei Lotus ebenbürtig scheint. In Malaysia schoss Grosjean erst Schumacher ab. Dann rutschte er auf freier Piste ins Kiesbett. Noch wird die Formel 1 also nicht von WM-Kandidaten der nahen Zukunft überflutet. Eines aber ist sicher: Perez, Maldonado oder ganz besonders Grosjean sitzen zweifellos in guten Rennwagen.

Regen bringt Segen: Das wasser von oben spülte Perez beim Rennen in Malaysia nach vorne © dpa Vergrößern Regen bringt Segen: Das wasser von oben spülte Perez beim Rennen in Malaysia nach vorne

Die Konkurrenz schaut also vorerst weniger auf die Besatzung als auf die Untersätze der Herren. Der Lotus gehört schon im Qualifikationstraining zu den sehr schnellen Boliden. Zum Ende des Rennens in Malaysia fuhr Räikkönen mit Abstand die besten Rundenzeiten. Williams hat zwar nicht den Speed beim Sprintrennen, liegt aber hinter Sauber im vorderen Mittelfeld.

Perez musste zwar Alonso auf nasser Piste zunächst ziehen lassen, die anderen Größen von McLaren, Red Bull oder Mercedes verloren in seinem Rückspiegel aber mehr oder weniger schnell an Format. Der Sauber, von Stardesigner Adrian Newey (Red Bull) früh gelobt, scheint ein gelungenes Allwetterfahrzeug zu sein. Angesichts des Etats - Sauber hat vermutlich nicht einmal die Hälfte von McLaren zur Verfügung - dürften die Finanzchefs der Konkurrenz ins Grübeln kommen. Wie machen die das?

Nur vier Teams sind frei von Sorgen

Die Phänomene Sauber, Williams und Lotus erscheinen zu einem wichtigen Zeitpunkt. Der Formel 1 geht es wesentlich schlechter, als es nach außen hin wirkt. Nur vier Teams, Red Bull, Ferrari, McLaren und Mercedes, sollen frei von finanziellen Problemen forschen und fahren können. Die „großen wirtschaftlichen Herausforderungen“, die McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh am Freitag in Malaysia noch einmal ansprach, haben allerdings nicht zu einer Einigkeit geführt. Im Gegenteil.

Die Teamvereinigung namens Fota ist gesprengt und damit gescheitert. Man konnte sich nicht auf ein für alle verbindliches, höchst überfälliges Sparkonzept einigen. Gleichzeitig hat sich die Mehrheit der Rennställe mit Chefvermarkter Bernie Ecclestone auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit über 2012 hinaus geeinigt. Das ließ der Brite auf seiner Website verbreiten. Angeblich haben Red Bull, Ferrari und McLaren Sondervereinbarungen mit Ecclestone getroffen. Im Klartext: Sie kriegen mehr Geld aus den Vermarktungseinnahmen als andere.

Gruppenbild mit Neuling: Perez (links) mit den Weltmeistern Fernando Alonso (Mitte) und Lewis Hamilt © dpa Vergrößern Gruppenbild mit Neuling: Perez (links) mit den Weltmeistern Fernando Alonso (Mitte) und Lewis Hamilton

Es bleibt also bei der Gemengelage. Sie führt vermutlich im Sommer zu einer bedauerlichen Entspannung auf der Rennstrecke - wenn nämlich Sauber, Williams und Lotus die Luft ausgehen sollte im teuren Beschleunigungsprozess. Allein ein neuer Frontflügel soll, von der Idee bis zum ersten Fahrversuch, zwischen 250.000 und 500.000 Euro kosten.

Vielleicht muss Sauber deshalb über die Möglichkeit eines attraktiven Fahrergeschäfts nachdenken. Falls Ferrari Perez vorzeitig verpflichten will. Vorerst aber bleibt die Formel 1 anno 2012 so spannend und unkalkulierbar wie lange nicht mehr. Denn einen für Ferrari und Alonso kurzfristig besseren Handel hat der Internationale Automobil-Verband grundsätzlich untersagt. Autos wie der Sauber C31 dürfen nicht an Konkurrenten verkauft werden.

Quelle: F.A.Z.

 
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