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Formel 1 : Aufbruch mit Ecclestones Altlasten

Das waren noch Zeiten: Bernie Ecclestone (links) und Fia-Präsident Jean Todt unterzeichnen 2013 eine Vereinbarung. Bild: Getty

Ohne Bernie Ecclestone läuft es rund in der Formel 1. Aber mit dem Fenstersturz des alten Zampanos haben sich die Probleme der Serie nicht verflüchtigt.

          Neulich hatte der alte Mann mal wieder Neuigkeiten. Er wolle weg aus London, hat Bernie Ecclestone der „Daily Mail“ erzählt. Umzug in die Schweiz, wo ihm ein Hotel in Gstaad und Skigondeln im Diablerets-Massiv gehören. Noch mal neue Zelte aufschlagen, mit dann 87 Jahren. Kommende Woche hat Ecclestone Geburtstag, kommenden Winter will er weg aus London. Es hält ihn nichts mehr in der großen Stadt, in die er sich vorgearbeitet hat, von Kindesbeinen an. Bis das Vorstadtkind mit dem großen Geschick für das große Geld schließlich angekommen war. Prince’s Gate, Knightsbridge, London, SW7. Von hier wurde die Formel 1 regiert. Divide et impera, teile und herrsche, das Prinzip der Kaiser Roms, bis sie vom Thron gestoßen wurden. Vom Thron gestoßen wurden wie Ecclestone.

          „Er hat mich sonntags angerufen“, erzählt Ecclestone der „Mail“, „und gefragt, ob er am nächsten Tag vorbeikommen könne.“ Am Montagmorgen, 23. Januar 2017, stand Chase Carey in Ecclestones Büro. „Wir haben den Deal Freitag vollzogen“, sagte der Amerikaner zu Ecclestone. „Ich möchte, dass du als Geschäftsführer (der Formel-1-Gruppe, d. Red.) zurücktrittst. Das ist der Job, den ich will. Ich habe dieses Auto gekauft, also will ich damit fahren.“ Und damit war die Herrschaft Bernie Ecclestones über die Formel 1 beendet.

          Die Kaiser im alten Rom überlebten ihren Sturz nicht. Die Zeiten haben sich geändert. Ecclestone bekam einen Ehrenposten. Und die Botschaft, dass er künftig fernbleiben solle. „Mir wurde mitgeteilt, dass an den Strecken nicht genügend Büros sind.“ Für ihn gab es immer nur eine Art zu gehen aus der Formel 1 – mit den Füßen voran. Nun das. Immer wieder mal darf er vorbeischauen, demnächst in Brasilien, wo er eine Kaffeeplantage hält und die Rennstrecke in São Paulo gerne übernehmen würde. „Es schmerzt, nicht mehr im Geschäft zu sein“, sagt der alte, verletzte Mann. Die neuen Eigentümer hätten doch „nichts getan bisher. Sie reden nur. Ich habe Dinge still erledigt.“

          Ecclestone ist verletzt, weil ihn in der Formel 1 kaum einer vermisst. Das Geschäft läuft, seit Carey und seine Amerikaner von Liberty Media das Sagen haben. Es läuft ganz anders als unter Ecclestone. Die Show muss stimmen, und Carey und seine Mit-Geschäftsführer Sean Bratches und Ross Brawn erzählen zu jeder Gelegenheit ihre neuesten Ideen. Zum Rennen in Austin am vergangenen Sonntag wurden die Fahrer von „Let’s get ready to rumble“-Box-Animateur Michael Buffer vorgestellt. Der Internationale Automobilverband Fia hat dafür das Regelwerk geändert, nur so konnten die Autos früher in die Startaufstellung.

          Die „Marke Fahrer“ solle gestärkt werden, sagt Bratches dazu, die Grenze zwischen Sport und Entertainment durchbrochen werden. Die Formel 1 wird Teil der digitalen Sportgeschäftswelt des 21. Jahrhunderts, zum Saisonfinale in Abu Dhabi wird auch der erste Formel-1-eSports-Champion gekrönt werden. „Es gab dieses Jahr viel Engagement“, sagt McLaren-Teamchef Zak Brown. „Sie probieren neue Dinge, man merkt, dass sie sich wirklich mit den Fans beschäftigen, und wenn wir das richtig machen, entsteht ein gesundes Ökosystem für mehr Sponsoren und gesundere Teams, alle können mehr verkaufen.“ Mehr verkaufen, das war auch Ecclestones Geschäft. Aber jüngeres Publikum, digitale Medien? Hatte ihn nie interessiert.

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