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Ferrari und McLaren Schöner - aber auch schneller?

Ferrari und McLaren wollen die Dominanz von Red Bull in der Formel 1 mit mutigen Ideen für ihre neuen Boliden brechen - und niemand muss über zu hässliche Frontflügel spotten.

© AFP Vergrößern Der F138, gehalten im traditionellen Ferrari rot, aber mit markantem schwarzem Lack im unteren Teil

Freitagvormittag in der Rennwagenfabrik von Ferrari in Maranello: Luca di Montezemolo betritt die Bühne, und er beginnt das neue Formel-1-Jahr der Scuderia mit der ihm eigenen Portion Pathos: „Jetzt müssen wir gewinnen“, sagt der Ferrari-Präsident. Der Platz ganz oben auf dem Podest ist seit jeher der Anspruch der Roten, doch er ist zuletzt immer mehr zu einem Sehnsuchtsort geworden.

Sebastian Vettel und Red Bull dominieren die Branche seit drei Jahren, und für die Gegner geht es vor allem darum, dieser Vormachtstellung Lösungen entgegen zu setzen. Der F138 und Fernando Alonso - das ist die Kombination, auf die Ferrari in diesem Jahr setzt. „Ich denke, es gibt zwei oder drei Teams, die die Siege unter sich ausmachen werden, und ich hoffe, dass wir eines davon sein werden“, sagte der Spanier während der offiziellen Präsentation des neuen Rennwagens.

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Alonso wurde nach seinem Auftritt gefeiert von den Besuchern. Bei Ferrari wissen sie, dass es vor allem den Steuerkünsten des Einunddreißigjährigen zu verdanken war, im vergangenen Jahr bis zum Ende um Titel zu rasen. Zu langsam war der rote Renner während der Testfahrten und zum Saisonbeginn 2012. Nun fordert Teamchef Stefano Domenicali: „Wir müssen das Ziel haben, den Fahrern direkt ein wettbewerbsfähiges Auto zur Verfügung zu stellen.“ Eines fällt schon auf den ersten Blick auf: Ferrari kaschiert den Knick im Frontflügel durch eine Blende, die im Reglement in diesem Jahr aus optischen Gründen erlaubt ist.

„Das neue Auto sieht doch viel schöner aus“, sagt Felipe Massa, der zweite Ferrari-Fahrer. „Es muss nur noch schnell sein. Ich will nicht schon wieder dem Präsidenten nach dem ersten Testtag eine Hiobsbotschaft überbringen müssen.“ In der kommenden Woche (5. bis 8. Februar) werden die neuen Konstruktionen in Jerez erstmals auf der Rennstrecke getestet. Alonso verzichtet freiwillig auf die ersten Übungsfahrten und steigt erst Mitte Februar ins Cockpit. „Drei Tage Barcelona geben mir mehr als vier Tage Jerez“, sagt der WM-Zweite des vergangenen Jahres. Seine Ansage ist deutlich: „Platz zwei ist nicht genug.“

„Die falsche Entscheidung kann zwei Weltmeisterschaften kosten

Schon vor Beginn der Testfahrten erwarten die Experten ein spannendes Jahr in der Formel 1. Das Reglement bleibt stabil. Die 2,4-Liter-V8-Saugmotoren gehen in ihre letzte Saison, die Aerodynamikregeln mit den riesigen Frontflügeln und den vergleichsweise kleinen Heckflügeln auch. 2014 werden dann mit 1,6-Liter-V6-Turbo-Aggregaten und abgespeckter Aerodynamik alle Uhren auf null gestellt.

Bei den meisten Teams sind bereits seit Mitte 2012 Projektgruppen für die 2014er Autos installiert. Spätestens im Sommer, also früher als sonst, wird die Entwicklung am 2013er-Auto eingestellt. Das sieht auch Ferrari-Rennleiter Domenicali so: „Wer mit dem 2013er-Auto ein Problem hat, steht vor einem Dilemma. Hält er zu lange an der Entwicklung des aktuellen Autos fest, bestraft er sich für 2014, der größten Herausforderung, vor der wir je gestanden sind. Die falsche Entscheidung kann zwei Weltmeisterschaften kosten.“

Wrooom 2013 in Madonna di Campiglio © dpa Vergrößern Rote Hoffnungen: Chefpilot Fernando Alonso (links) und Felipe Massa

Den diesjährigen Wettbewerb der Präsentationen hat Lotus gewonnen. Der WM-Vierte des Vorjahres stellte seinen neuen E21 in dieser Woche vor allen anderen virtuell im Netz vor. Das ist bequem: keine unangenehmen Fragen, keine lästigen Fotografen, keine Spione. Force India ging einen ungewöhnlichen Weg und stellte seinen neuen Wagen mit nur einem Fahrer vor: Paul di Resta aus Schottland. Über die Besetzung des zweiten Cockpits wird weiter spekuliert, auch der Deutsche Adrian Sutil hofft auf Anstellung.

Am Donnerstag feierte sich McLaren selbst und sein fünfzigjähriges Firmenjubiläum noch dazu. Bevor Jenson Button und Sergio Perez das Tuch über dem neuen Auto wegzogen, durften noch einmal die Meilensteine der McLaren-Historie vorfahren. Sie alle verkörperten das Motto von Firmengründer Bruce McLaren, der 1970 bei CanAm-Testfahrten in Goodwood tödlich verunglückte: „Gebe dich nie mit dem zufrieden, was du hast.“

„Ich saß 15 bis 20 Tage im Simulator“

Der neue McLaren MP4-28 und der Ferrari F138 sind mutige Autos, mehr als eine Evolution der Vorgängermodelle. „Mitte letzten Jahres haben wir eine Standortbestimmung vorgenommen und uns gefragt: Wie weit kommen wir 2013, wenn wir ausschließlich auf eine Weiterentwicklung setzen? Es wäre nicht genug. Wer in diesem Jahr gewinnen will, braucht einen großen Schritt“, sagt Chefingenieur Tim Goss.

Für McLaren wird das Jahr eins ohne Lewis Hamilton zur Bewährungsprobe. „Seit 2008 waren wir immer siegfähig, fahren aber dem WM-Titel hinterher. Das ist extrem unbefriedigend“, sagt Teamchef Martin Whitmarsh. Jetzt kommt es vor allem auf Jenson Button an, der mit den neuen Reifenmischungen von Pirelli gut zurechtkommen dürfte. „Sie wärmen sich schneller auf, bauen aber auch schneller wieder ab. Genau das Richtige für meinen sanften Fahrstil“, sagt der Engländer.

So sieht der neue Dienstwagen aus Maranello aus der Vogelperspektive aus © REUTERS Vergrößern So sieht der neue Dienstwagen aus Maranello aus der Vogelperspektive aus

Ob das Gleiche für Teamkollege Sergio Perez gilt, der den Beinamen „Reifenflüsterer“ trägt, muss erst bewiesen werden. „Der McLaren ist ein völlig anderes Auto als der Sauber. Deshalb lassen sich gewisse Qualitäten meinerseits vielleicht nicht eins zu eins übertragen“, sagt der Mexikaner. Während Button den Winter über entspannen durfte, lebte Perez in der McLaren-Fabrik. Man sagt ihm eine gewisse Faulheit nach. Wenn es je so war, dann hat sie ihm McLaren ausgetrieben. „Ich saß 15 bis 20 Tage im Simulator“, sagt der letztjährige Sauber-Pilot.

Quelle: F.A.Z.

 
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