Um die sechzig Grad am Arbeitsplatz hinter dem Lenkrad, da lag die Schlussfolgerung doch ziemlich nah: „Du bist ein Teufel“, bekam Bruno Spengler von seiner Boxenmannschaft zu hören, nachdem er seinen BMW auf dem Nürburgring zum zweiten Sieg in der Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) gesteuert hatte. Und tatsächlich, der Kanadier hörte das Lob sehr gerne: „Verfluchte Hölle“, funkte Spengler zurück, und das englische Originalzitat ist zwar nicht eben stubenrein – bringt aber doch auf den Punkt, wie überraschend schnell BMW und gerade Bruno Spengler in der ersten Saison nach dem Einstieg in die Rennserie unterwegs sind.
Spengler, vor der Saison von Mercedes zur Sportabteilung der Bayerischen Motorenwerke gewechselt, hat inzwischen realistische Chancen, das Ende der Saison als Meister zu erleben. Zwar führt Mercedes-Pilot Gary Paffett, der am Sonntag Sechster wurde, die Meisterschaft mit 103 Punkten weiterhin an, doch Spenglers Rückstand beträgt nur noch zwanzig Punkte. Da die Punkte in der DTM wie in der Formel 1 verteilt werden, für einen Sieg das Guthaben also um 25 Zähler aufgestockt wird, ist die Spannung zurückgekehrt.
Spengler, der von der Pole Position ins Rennen ging und 49 fehlerfreie Runden später als Start-Ziel-Sieger abgewunken wurde, ist sich seiner Chance bewusst. Zwar beeilte er sich daran zu erinnern, dass es nach wie vor die Einstiegssaison seines Arbeitgebers sei, die kommenden Strecken daher unbekannt, die Erwartungen niedrig und „die Füße auf dem Boden“ blieben, aber: „Keiner hat gedacht, dass wir so schnell sind.“ Soll heißen: Die Konkurrenz auch nicht.
Dabei schien es nach dem Rennen Anfang Juli am Norisring noch, als sollte die als Dreikampf zwischen Audi, BMW und Mercedes vermarktete DTM in der zweiten Saisonhälfte zu einem Markenpokal für die führenden Mercedes-Piloten Paffett und Jamie Green werden, unter Beteiligung konzernfremder Rennfahrer. BMW war zwar schnell, aber noch nicht konstant genug, Audi wiederum, deren Meisterpilot aus dem Vorjahr, Martin Tomczyk, ebenfalls zu BMW wechselte, erlebt ein schwaches DTM-Jahr. Der Italiener Edo Mortara, am Nürburgring hinter Spengler Zweiter, konnte als einziger Pilot der Ingolstädter Anfang Juni in Spielberg bislang ein Rennen gewinnen, sein Abstand auf Paffett beträgt bereits 54 Punkte.
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Alle Teams hatten vor dem Rennen in der Eifel die Gelegenheit zu Testfahrten in Magny-Cours in Frankreich genutzt, doch die Kräfteverhältnisse scheinen sich nicht nachhaltig verschoben zu haben. BMW ist weiterhin schneller als Audi, zu beobachten in der fünfzehnten Runde am Nürburgring. Tomczyk, auf dem Weg zum dritten Platz, hatte den Audi-Piloten Mike Rockenfeller vor sich.
Tomczyk trieb den früheren Markenkollegen durch die Kurvenkombination nach der Zielgerade und zog in der dritten Kurve mit einem überlegten und überlegen Manöver innen vorbei – der fahrerische Höhepunkt eines ansonsten für die in der Sommerhitze zusehenden Fans eher unspektakulären Rennens. Tomczyk bedankte sich anschließend für Rockenfellers Umsicht: „So soll es sein in der DTM“, sagte er, wohlwissend, dass Blechschäden in der Serie bei solchen Manövern allemal zum Berufsrisiko gehören.
Andererseits lohnt vehementer Widerstand auch in der DTM nur, wenn Aussicht auf Erfolg besteht. Tomczyk aber distanzierte Rockenfeller anschließend zügig um mehrere Sekunden. Rockenfeller, schließlich Fünfter, verpasste damit nicht nur das Podest, sondern eine Erfahrung der besonderen Art: Die Siegerpokale wurden von Mutter Beimer aus der „Lindenstraße“ verteilt, Schauspielerin Marie-Luise Marjan durfte Rennfahrerhände schütteln. In einer Rennserie, deren Protagonisten bei jeder Gelegenheit nur zu gerne die vermeintliche internationale Qualität ihres Produkts hervorheben, eine bemerkenswert biedere Wahl – andererseits auch konsequent: Schließlich wird seit dem Einstieg von BMW auch keine Gelegenheit versäumt, an den Ursprung der Serie in den Achtziger Jahren zu erinnern.