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Die Zukunft der Formel 1 „Die Kunst des Krieges“

Formel-1-Teams behaupten, Manager Ecclestone verstoße bei Vertragsgestaltungen wieder gegen EU-Recht. Das scheint zu stimmen. Aber niemand wagt eine Klage.

© REUTERS Vergrößern Teile und herrsche: Bernie Ecclestone

Endlich Ruhe. Oder jedenfalls das, was man als Vermarkter der Formel 1 für Ruhe hält. Die Rennserie kommt nach Europa, an diesem Wochenende nach Barcelona, zum Großen Preis von Spanien. Bis zum Spektakel in Monza im September ist weit und breit kein Rennen in Sicht, zu dem Reporter Bernie Ecclestone unbequeme Fragen stellen könnten wie jüngst zur Sause auf der Rennstrecke des Folterregimes in Bahrein. Doch die Ruhe trügt. Tatsächlich tobt ein Machtkampf unter den Teams, an dem Ecclestone nicht unschuldig ist.

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Im Gegenteil: Der bald 83 Jahre alte Brite hat sein Führungsprinzip „Teile und herrsche“ in den vergangenen 24 Monaten beinahe perfektioniert. Ecclestone zog die in seinen Augen wichtigsten Teams auf seine Seite: Ferrari, Red Bull, McLaren. Von den rund 536 Millionen Euro, die er als vom Rechteinhaber, der Private Equity Firma CVC Capital Partners, eingesetzter Vermarkter mit seiner Formula One Management (FOM) verteilt, bekommen sie vertraglich garantierte Sonderzahlungen in zweistelliger Millionenhöhe, viel mehr als die Konkurrenz.

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Ecclestone rechtfertigt das bei Ferrari und McLaren mit der historischen Bedeutung der Teams, bei Red Bull mit den Erfolgen des Weltmeisters in den vergangenen drei Jahren. Darüber hinaus hat er Mercedes, Williams und Lotus in Aussicht gestellt, mit Ferrari, Red Bull und McLaren in einem Führungskomitee mehr Einfluss auf die künftigen Regeln nehmen zu dürfen. Mit diesen Vorteilen, die Ecclestone in den sogenannten „Concorde-Verhandlungen“ Team für Team individuell vereinbart hat, ist es ihm gelungen, jeden Anflug von Einigkeit unter den Wettbewerbern zu zerstreuen. Die Team-Organisation Fota hat der kleine Mann ausgebremst.

„Wir bezahlen die Top Ten, mehr nicht“

Von den sieben Rennställen, die der Fota nach dem Ausstieg von Red Bull, Toro Rosso, Ferrari und Sauber im Herbst 2011 noch angehören, würden vier von Ecclestones Geschenken profitieren. Marussia dagegen, seit dem Einstieg unter dem Namen Virgin in die Rennserie 2010 notorischer Hinterbänkler, hat bis heute von Ecclestone kein neues Vertragsangebot bekommen und muss sich ohne seine Gelder finanzieren.

Dem „Daily Telegraph“ sagte Ecclestone dazu jüngst: „Sie sind das elftbeste Team. Wir bezahlen die Top Ten, mehr nicht.“ Das Angebot aus der „Friss oder stirb“-Kategorie signalisiert allen, wie abhängig sie von Ecclestones Willen sind. Der Unmut der kleineren Privatteams über die Bevorzugung der erfolgreichen wächst. Längst heißt es: „Man müsste sich auf die Hinterbeine stellen und handeln.“

Allein im Gegenwind: Die Formel-1-Teams fahren, wie hier ein Williams in Bahrein, nur für sich und n © dpa Vergrößern Allein im Gegenwind: Die Formel-1-Teams fahren, wie hier ein Williams in Bahrein, nur für sich und nie gemeinsam im Machtkampf gegen Ecclestone

Sie hätten gute Chancen, sagen Juristen. Denn Ecclestones Vertragsgestaltung könnte gegen das europäische Kartellrecht verstoßen. „In den Verträgen steckt Brisanz. Wenn Vereinbarungen zwischen Teams einerseits und der FOM direkt oder indirekt einzelne Teams in der Möglichkeit der Nutzung der Formel 1 als Marketinginstrument unangemessen einschränken oder gar ausschließen, könnte das Verbot wettbewerbsbeschränkender Vereinbarungen einschlägig sein“, sagt Eckart Wagner, Kartellrechtsspezialist bei der Kanzlei Corinius in Hamburg, mit Verweis auf Artikel 101 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union: „Wenn sich Teams an die EU-Kommission wenden, würde sich die Kommission das genau anschauen.“

Brüssel hatte sich schon vor fünfzehn Jahren mit der Formel 1 beschäftigt. In den 1990er Jahren hatte Ecclestone unter anderem Rennstrecken gezwungen, auf die Austragung anderer Wettbewerbe zu verzichten. Zwischen 1999 und 2001 nahm sich Brüssel der Geschäftspraktiken des früheren Gebrauchtwagenhändlers an, die er damals im Zusammenspiel mit dem Internationalen Automobilverband (Fia) jedem aufzwang, der ein Stück von der Formel 1 haben wollte.

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