http://www.faz.net/-gtl-x8w4

Der Fall Mosley : Die Enttarnung eines Moralapostels

Max Mosley: „Arroganz auf Weltklasse-Niveau” Bild:

Mit einem Streich erfüllt die Formel 1 wieder das Klischee von „Sex and Crime“. Doch der Skandal um den FIA-Präsidenten Max Mosley ist kein Einzelfall. Seit sich die Branche als Spekulationsobjekt im Kreis dreht, zieht sie dubiose Gestalten an.

          Man darf sich nicht erwischen lassen. Das war schon immer eine goldene Regel in der Formel 1. Max Mosley hat es erwischt. Mit der ganzen Wucht einer organisierten Überwachung, angeblich über sieben Wochen, mit Hackerattacken auf seinen Computer und dem Einsatz wenigstens einer sündhaft teuren Minikamera.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der enorme Aufwand und die schnelle Veröffentlichung der sadomasochistischen Lustspiele in Zeitung und Internet dokumentieren, worum es geht: vielleicht auch um die Enttarnung eines Moralapostels in der Formel 1, so wie Mosley – als Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA) eine Art oberster Richter der Königsklasse – seinen Privat-Verkehr regelt. Ganz sicher aber zielt der Schlag auf die Vernichtung seiner sportpolitischen Existenz. Nie zuvor hat es einen mit so großer krimineller Energie betriebenen öffentlichen Angriff auf einen FIA-Präsidenten gegeben.

          Piloten und Ingenieure betrachten bis spät abends Kurven

          Eigentlich hätte die neue Formel-1-Saison so beginnen sollen, wie die vergangene geendet hatte: mit einem spannenden Schlagabtausch auf der Piste. Mit Mosleys Hieben in einem Londoner Apartment wird die Hightech-Szene nun wieder mit einem Kapitel verknüpft, das überwunden schien: Spionageaffäre, Klagen, polizeiliche Ermittlungen, eine 100-Million-Dollar-Strafe für McLaren-Mercedes.

          Mit einem Streich erfüllt die Formel 1 nun wieder das Klischee von „Sex and Crime“. Dabei ist der Alltag in der Boxengasse nüchtern. Piloten und Ingenieure betrachten bis spät abends Kurven. Allerdings Kurven der Datendiagramme, nicht etwa jene von Boxenludern. Das Bild von „Männern, Mädchen und Motoren“ entspricht längst nicht mehr der Realität. Dafür haben Rennfahrer von heute an einem Grand-Prix-Wochenende schlicht keine Zeit. Ihr Skandalpotential ist so stark reduziert wie – dank Mosley – das Risiko, im Rennwagen ums Leben zu kommen. Die Kämpfe um Leben und Tod finden inzwischen fast nur noch auf der politischen Bühne statt, ausgetragen von Funktionären, Teamchefs und anderen Mitspielern.

          Suspekte Personen im Fahrerlager

          Seit sich die Formel 1 als interessantes Spekulationsobjekt im Kreis dreht, zieht sie dubiose Gestalten an. CIA-Agenten wie der Shadow-Teamchef Don Nichols, Typen aus dem Milieu, der Unterwelt, Kriminelle, deren Strafregister von Betrug bis zu Totschlag reicht. Auszüge einer Sammlung des britischen Journalisten Joe Saward lesen sich wie Kriminalromane. Ligiers Teamchef Cyril Rouvre wanderte wegen Veruntreuung ins Gefängnis, zwei Kollegen von Brabham folgten. Der erste Arrows-Bolide von 1978 war, wie vor Gericht bestätigt, eine komplette, unerlaubte Kopie des Shadow DN9.

          Didier Camels, der Partner von Gerald Larrousse im gleichnamigen Rennstall, erschoss seine Frau im Affekt. Wie überhaupt Larrousse Pech hatte mit seiner Personalwahl: der Deutsche Klaus Walz – alias Rainer Walldorf – versuchte sich mit seiner „Comstock Group“ als Sponsor, obwohl er von der Polizei gesucht wurde. Bei einer Festnahme in der Nähe von Nizza nahm Walldorf, bewaffnet mit einer Handgranate, einen französischen Polizisten als Geisel. Einen Monat später wurde er bei einem Schusswechsel mit der deutschen Polizei erschossen.

          Balestre: Kollaborateur oder Widerstandskämpfer?

          Weitere Themen

          Özils Rücktritt Video-Seite öffnen

          Rassismus-Vorwürfe : Özils Rücktritt

          Er habe das deutsche Trikot mit großem Stolz und Enthusiasmus getragen. „Jetzt nicht mehr", heißt es in einer auf Twitter verfassten Erklärung.

          Topmeldungen

          Präsident Trump will die Marke „Made in USA“ durch eine Ausstellung im Weißen Haus stärken.

          „Made In USA“ : Seht her, so toll ist Amerika

          Cowboy-Stiefel, Kampfjet, Waffenschränke: Trump plant eine Ausstellung heimischer Produkte, um seine Handelspolitik zu untermauern. Währenddessen stapelt sich in amerikanischen Kühlhäusern immer mehr Fleisch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.