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Veröffentlicht: 24.01.2013, 08:02 Uhr

Crashtest - die Formel-1-Kolumne Wie im Bienenstock

Hektische Betirebsamkeit bei Mercedes: Das Kommen und Gehen schließt Ruhe aus. Und die englischen Autobauer werden die österreichischen Gesandten der ungeliebten Deutschen kaum ins Herz schließen.

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© dapd Keine Zeit mehr für Bananen: Für Ross Brawn wird es bei Mercedes ungemütlicher

In der Ruhe liegt die Kraft. Das sagen erfolgreiche Leute gerne. Typen wie Sebastian Vettel, Fernando Alonso. Schießen zwar durch die Weltgeschichte, jagen ständig um die Ecke, scheinen immer in Hetze. Aber im größten Druck, bei Tempo 300, den lieben Kollegen im Nacken, die scharfe Kurve vor den Augen, sind sie in der Regel die Ruhe selbst. Das sagen sie nicht nur. Man kann das nachlesen in Studien von Rennärzten. Wenn’s brennt, sind sie eiskalt. Angeblich ist Kimi Räikkönen so gelassen, dass man bei ihm kaum den Puls fühlen kann.

Anno Hecker Folgen:

So eine vertrauenserweckende Ruhe strahlt Mercedes schon lange nicht mehr aus. Im Rennstall geht es zu wie im Bienenstock. Raus und rein. Nach dem Einkauf renommierter Ingenieure im vergangenen Jahr kaum Niki Lauda an Bord, der Investor Aabar zog sich zurück, Michael Schumacher stieg aus, Norbert Haug musste gehen, der Finanzmakler Torger Christian Wolff stieg ein. Und nun steht angeblich Paddy Lowe vor der Tür, der Technische Direktor von  McLaren. Falls das nur ein Gerücht sein sollte, „Spekulationen“, wie es der neue „Gesamtverantwortliche“ Wolff mit dem Arbeitsgebiet „Politik und Geschäft“ formulierte, die sich in Luft auflösen, so blieb doch eines greifbar: Die Unruhe.

Englisches Herrschaftsdenken

Was waren das noch für Zeiten, als Ross Brawn in der Hektik eines Grand Prix, kurz vor dem entscheidenden Boxenstopp, eine Banane schälte und genüsslich verspeiste. Brawn ist der personifizierte Ruhepol der Formel 1, ein entspannter Denker. Was wird er in diesen Tagen kombinieren? Dass es doch eigentlich reicht, wenn es einen Teamchef gibt bei Mercedes, nämlich ihn, den siegerprobten Techniker. Wozu dann noch den smarten Kaufmann Wolff in der Führungsebene etablieren?

Norbert Haug und Toto Wolff © dpa Vergrößern Unruhige Zeiten: Der Wechsel von Haug zu Wolff ist nur ein Teil der Unruhe bei Mercedes

Weil Stuttgart Brawn nach drei Jahren Selbstverwaltung ohne Fortschritt einen ins englische Nest setzt, der täglich schaut, was so (schief-) läuft.
Das haben sie auf der Insel gar nicht gerne. Wenn die Engländer schon nicht als Erfinder des Automobils auftreten dürfen, so halten sie sich doch für die Herren des Rennsports. Wer sollte ihnen diese Selbsteinschätzung – zumindest in der Formel 1 – absprechen wollen? Wenn doch nicht nur Supermodelle wie der Red Bull von Champion Vettel, sondern auch der ganze Silberpfeil, von der Nase bis zum Heck, einschließlich Motor, von und bei ihnen gebaut, noch dazu mit ihrem Starpiloten Hamilton besetzt wird.

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Es ist kaum vorstellbar, dass die eingeschworene Combo um Brawn die österreichischen Gesandten der ungeliebten Deutschen auf Anhieb in ihr Herz schließt. Zumal sich Angriffsflächen bieten. Wolff, der Geschäftsführer, bleibt vorerst noch Anteilseigener beim Konkurrenten Williams. Und Lauda, der  Aufsichtsratsboss, mimt weiter den Großinquisitor der Formel 1 bei RTL. Was das bedeuten kann? Erst Druck vor dem Rennen aus dem eigenen Haus und dann ätzende Kritik nach dem Grand Prix im Fernsehen. Wenn es nicht schnell vorangeht, bekommt Mercedes nichts von dem, was es dringend braucht für den Neuaufbau: Ruhe.

Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen in Crashtest - die Formel-1-Kolumne dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Formel-1-Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

Quelle: FAZ.NET

 

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